Dienstag, 16. Juli 2013

Detroit nach Celebration - Tage 1, 2 und 3


Detroit nach Asheville nach Walterboro nach Celebration.

Durchquerte Bundesstaaten: Michigan, Ohio, Kentucky, Tennessee, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida


Am 14.07. geben wir am Flughafen von Detroit unseren letzten Mietwagen der Reise ab und treffen auf Tim und Holly, einem Lehrerehepaar, das Walter in seiner Highschool-Zeit in Detroit kennengelernt hat und die zwischenzeitlich in das sonnige Florida gezogen sind. Anlässlich einer Hochzeit waren sie zu Besuch in Michigan und so kommt es, dass wir in ihrem vollgepackten Auto mit ihrer süßen dreijährigen Enkelin und unseren Rucksäcken inklusive Baseballschläger auf die Interstate 75 Richtung Süden biegen.

Vor uns liegen knapp 2.000 Kilometer, also eine Strecke wie von Hamburg nach Madrid, die Holly und Tim schon häufig gefahren sind und meist mit einer oder zwei Übernachtungen abfrühstücken. Wir fahren am Vormittag los und überqueren bald die erste Bundesstaatengrenze nach Ohio. „The Buckeye State“ ist zwar Herkunftsstaat der Serienfigur Ted Mosby aus „How I met your mother“, aber ansonsten eher weniger glamourös. Soweit das Auge sehen kann, erstreckt sich flaches Ackerland, das durch keinerlei geografische Erhebungen aufgelockert wird. Außerdem muss Ohio damit leben, Lieblingsstaat der Nachbarn aus Michigan zu sein, wenn es darum geht, Witze zu erzählen. Es dauert aber nicht lange und wir passieren die große Handelsstadt Cincinnati, am Ohio River gelegen, der die Grenze zu Kentucky markiert.

Kentucky ist der „Bluegrass State“, benannt nach dem grünen Wiesen-Rispengras, das im Frühling bläuliche Knospen produziert und auf großen Feldern den Eindruck eines blauen Schleiers erzeugt. Für uns Europäer ist „Bluegrass“ vielleicht bekannter als Bezeichnung für eine Form der amerikanischen Country-Musik, die man leichthin als „Hillbilly“-Musik assoziiert. Man nehme eine Geige, ein Banjo und eine Mandoline und reichere amerikanische Volksmusik mit etwas Swing und Blues an und schon erhält man typische amerikanische Südstaatenmusik. In Kentucky sind wir also praktisch im Süden der USA angelangt. Wir kommen an der „Pferde-Hauptstadt der Welt“ Lexington vorbei und erreichen im Süden des Bundesstaats das zerklüftete Cumberland-Plateau, den südlichen Ausläufer des Appalachen-Plateaus.

Die I-75 führt uns hier über dicht bewaldete Hügel und in grüne Täler. Wenige Meilen nach Williamsburg verlassen wir Kentucky und befahren Tennessee. „The Volunteer State“ war während des amerikanischen Sezessionskriegs Mitglied der Konföderation und ist damit der erste richtige Südstaat auf unserer Reise. Heute ist Tennessee erfreulicherweise für andere Dinge berühmt. Wikipedia nennt den Blues, den Rock'n'Roll, die Country-Musik und natürlich den Whiskey. Wir streifen zwar nur den nordöstlichen Zipfel des Staats, bekommen aber einen Eindruck der Blue Ridge Mountain Gegend. Bei Knoxville verlassen wir die Interstate 75 in östlicher Richtung, um uns nach einem langen und anstrengenden Tag in der Nähe von Asheville eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Asheville liegt bereits in North Carolina, dem fünften Bundesstaat auf der heutigen Strecke mit dem Spitznamen „Old North State“. Zu Abend essen wir standesgemäß in der Restaurantkette „Cracker Barrel“, die sich voll und ganz Südstaaten-Flair verschrieben hat. Durch einen altmodisch gestalteten „Old Country Store“ mit Schaukelstühlen erreicht man das Restaurant, das traditionelle Südstaatengerichte und -beilagen, wie fried chicken, biscuits mit Honig oder Marmelade, cornbread, mashed potatoes oder sweet potatoes, anbietet. Den Südstaatenakzent der Bedienung gibt es gratis dazu.

Nachdem wir gestern etwa 626 Meilen zurückgelegt haben, gehen wir es am 15.07. etwas ruhiger an. Bevor es wieder auf die Straße in den Süden geht, besuchen wir in der Nähe von Asheville das größte Privathaus der USA und die amerikanische Antwort auf die europäischen Schlösser: das Biltmore Estate. 


Das Biltmore Estate besteht aus einem schlossartigen Haupthaus im Renaissancestil, das von einer kilometerlangen Parkanlage umgeben ist. Gebaut wurde es von George Vanderbilt II., einem Multimillionär aus der berühmten Familie der Vanderbilts. Das Biltmore Haus hat eine Gesamtfläche von über 16.000 qm, weist 250 Zimmer auf, besaß 1895 fertiggestellt bereits einen Swimmingpool, der durch Thomas Edisons Glühlampen, die technische Neuerung der Zeit, beleuchtet wurde, eine Bowlingbahn und einen Fitnessraum. Es war Drehort für Filme wie Richie Rich und Hannibal und ist heute ein Besuchermassen anziehendes Museum, das den Amerikanern die Idee europäischer Schlösser vermittelt.

Wir verbringen den Vormittag mit der Museumsführung und fahren erst nach dem Mittagessen weiter in Richtung Florida. Statt wieder zurück zur I-75 zu fahren, nehmen wir den Weg zur Atlantikküste. Über die Interstate 26 gelangen wir von North nach South Carolina, dem „Palmetto State“. Vorbei an Spartanburg und der Hauptstadt Columbia biegen wir ein paar Meilen vor Charleston und der Küste auf die Interstate 95, die küstennah bis in den Süden von Florida führt. Bei Walterboro halten wir für die Nacht und stellen beim Aussteigen fest, dass wir nun auch Südstaatenklima erreicht haben: Eine allzu bekannte Schwüle umgibt uns.

Der 16.07. wird unser dritter und letzter Fahrtag. Einige Meilen nach Walterboro passieren wir die Grenze nach Georgia. Aufgrund der hier hervorragend wachsenden Früchte wird er „the Peach State“ genannt. Die Straße führt hier kerzengerade durch bewaldete Sümpfe an berühmten Städten wie Savannah vorbei. Unsere Umgebung erinnert an die Endsequenz aus dem Film „Easy Rider“, Südstaatenfeeling pur.

Ein paar Gewitterfronten später halten wir am Straßenrand und trinken leckeren Orangen- und Grapefruitsaft. Wir sind am Welcome Center des Bundesstaats Florida, das jedem Besucher ein kostenloses Glas Saft anbietet, um zu demonstrieren, wofür der „Sunshine State“ berühmt ist. So kurz vor dem Ziel hebt sich die Laune der Autoinsassen und wir beschließen, den Nachmittag bei schwülem aber sonnigem Wetter in der Küstenstadt St. Augustine zu verbringen. 


Ein Besuch der historischen Altstadt und der Castillo de San Marcos zeigt einem die insbesondere spanische Geschichte der ältesten von Europäern gegründeten Siedlung in den USA.


Schließlich begeben wir uns auf die letzten Meilen dieser Fahrt quer durch die USA. Wir folgen der I-95 noch bis Daytona Beach und biegen dann ins Landesinnere Richtung Orlando ab. Unzählige mit Alligatoren verseuchte Seen begleiten uns am Wegesrand. Wenig später haben wir es geschafft. Nach über 1200 Meilen und acht Bundesstaaten haben wir Celebration erreicht, eine Planstadt der Walt Disney Company, in der Nähe der Themenparks gelegen und die auf dem städtebaulichen Konzept einer „idealen Stadt“ gründet. Wir freuen uns darauf, die nächsten zehn Tage hier bei Tim und Holly zu verbringen und dabei das Lebenswerk von Walt Disney näher kennenzulernen.

Fazit Tage 194, 195 und 196:

24 astronauts were born in Ohio. What is it about your state that makes people want to flee the earth?

Was haben wir heute gelernt? Dass es sehr praktisch sein kann, einen kleinen Bildschirm an der Rückseite der Fahrerkopfstütze zu befestigen, wenn man kleine Kinder an Bord hat. Und dass wir jetzt alle Episoden von „Mickey Mouse Clubhouse“ kennen. „Oh Toooodles!!!“

Samstag, 13. Juli 2013

Detroit - Tage 1 bis 7

Los Angeles nach Phoenix nach Detroit.


Nach einem weiteren typischen Motelfrühstück geht es zum Flughafen und wir geben unseren guten Jeep Patriot ab. Beim Einchecken müssen wir erneut um gemeinsame Sitzplätze kämpfen. Wie schon bei United bestand bei US Airways beim Onlinecheck-in am Vortag nicht die Möglichkeit, zwei Plätze nebeneinander auszuwählen. Vorausgesetzt man will keinen Aufpreis bezahlen. Bei der Gepäckabgabe und auch später am Schalter kann uns nicht geholfen werden, wir müssen im Flugzeug fragen, ob sich jemand umsetzen möchte. Später erfahren wir dann, dass es auch kein Essen, keine Unterhaltung und keine Fluginfos geben wird. Wir können festhalten, dass sich unsere Begeisterung über die amerikanischen Airlines in Grenzen hält.

Wir landen im weit über 40 Grad heißen Phoenix und sind froh, dass die Maschinen bei den Rekordtemperaturen der letzten Tage immer noch starten und landen können. Von Phoenix sind es dann noch fast vier Stunden, bis unser Anschlussflug von US Airways am frühen Abend in Detroit landet. Für Walter ist es natürlich ein besonderes Gefühl wieder an dem Ort zu sein, der vor einem Jahrzehnt ein Jahr lang sein zu Hause war.

Am Flughafen holen wir dann unser achtes und letztes Auto der Weltreise ab: ein Toyota RAV4 Limited Edition. Mit dem fahren wir durch ein warmes aber verregnetes Michigan ins Redford Township. Redford grenzt mit seinen 50.000 Einwohnern an das berüchtigte Detroit. Als Vorort erlebte es den Niedergang der einstigen Automobilhauptstadt hautnah mit und konnte sich gleichzeitig dem Sog des Zusammenbruchs nicht komplett entziehen. Aber Vorort bleibt Vorort. Es machte und macht also immer noch einen gewaltigen Unterschied, ob man östlich der Telegraph Road irgendwo zwischen 5 Mile und 8 Mile Road und damit laut Kriminalitätsstatistik in einer der gefährlichsten Städte der USA oder ob man in einem Township wie Redford mit einer signifikant anderen Bevölkerungsstruktur und -mentalität wohnt. 


Hat man die Gelegenheit für eine längere Zeit in der einzigen weißen Familie der Straße zwischen besagter 5 Mile und 6 Mile Road zu wohnen aber in einem Vorort zur Schule zu gehen, bekommt man einen Eindruck davon, mit welchen Vorurteilen und Schuldzuweisungen die Bewohner der Innenstadt konfrontiert werden, während sie mit existenzvernichtenden Problemen wie schlechter Schulausbildung, hoher Arbeitslosigkeit, sinkenden städtischen Steuereinnahmen und weit verbreiteter Drogenkriminalität alleine zu kämpfen haben.

Während wir durch das nächtliche Redford fahren, sehen wir, dass sich das äußere Erscheinungsbild in den letzten zehn Jahren verändert hat. Was aber immer noch gleich geblieben ist, ist die außergewöhnliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen, die hier leben. Wir werden von Kenn, Walters Freund aus Highschool-Zeiten, in seinem zu Hause empfangen und dürfen uns für die nächste Woche in einem eigens für uns hergerichteten Gästezimmer einquartieren. Welch' eine Freude, für eine Weile nicht in einem Hotelzimmer schlafen zu müssen und die Rucksäcke für eine Woche in der Ecke liegen lassen zu dürfen.


Die nächsten Tage genießen wir es, das erste Mal auf der Reise bei bekannten Gesichtern zu sein und wieder so etwas wie eine tägliche Routine zu haben. Nach den anstrengenden letzten sechs Wochen im amerikanischen Südwesten und den insgesamt über 180 Reisetagen schalten wir ein paar Gänge herunter. Während Kenn tagsüber arbeitet, schlafen wir uns aus, frühstücken bei Tim Hortons (die Amerikaner mögen es verzeihen, aber Kanada ist nicht weit und die Donuts sind lecker!), schreiben Blogbeiträge bzw. bearbeiten Bilder und erkunden die Nachbarschaft.

Der Eindruck des ersten Abends scheint sich dabei zu bestätigen. Die ganze Metropolregion Detroit leidet unter dem Bedeutungsverlust der Stadt und dem Wegfall der Arbeitsplätze. Die oben beschriebenen Probleme der Innenstadt scheinen über die unsichtbare Grenze der Telegraph Road in die ersten Straßenzüge des Townships zu schwappen. Aber am auffälligsten ist, dass dieser Entwicklung eine Angstmentalität der Menschen vorausgeht, die die Realität schlechter macht als sie ist und damit dem Wegzug vieler Einwohner Vorschub leistet, anstatt dass versucht wird, positive Gegenmaßnahmen anzustoßen. Symptomatisch sind die Aussagen einer Frisöse, die ein paar Vororte weiter vom Zentrum entfernt wohnt und in der Parallelstraße zu Kenns Haus arbeitet, in einer Gegend also, in der wir uns absolut sicher gefühlt haben. Ungefragt erzählt sie bei einem Frisörbesuch, dass ihre Freunde sie ständig fragen würden, ob sie nicht Angst hätte, hier zuweilen alleine zu arbeiten. Sie entgegne dem immer nur, dass sie das schon überstehen würde, schließlich: „Each day, I read the bible and pray to God.“

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Nachrichtenüberschriften der letzten Jahre über Detroit Titel tragen wie „Ruinen überall“, „Zombieland in der Autostadt“, „Verlassenes Detroit“ oder im Zusammenhang mit der wenige Tage nach unserem Besuch erfolgten Konkursmeldung in diesem Sommer „Ende mit Schrecken für Detroit“. Viel interessanter wäre es jedoch (aber weniger medienwirksam), davon zu berichten, wie Downtown Detroit mit Umbildungsmaßnahmen wiederbelebt wird, indem beispielsweise ein schöner und überwachter Park an der Uferpromenade errichtet wurde und eine Vielzahl neuer Geschäfte Fuß fassen konnte. Wir überzeugen uns selbst davon, als wir mit Kenn in der Innenstadt das berühmte „Coney Island Restaurant“ besuchen, das durch seine „coney“ hot dogs berühmt geworden ist und viele Jahre zurück hier seine erste Verkaufsstelle eröffnete. Danach spazieren wir an der schönen „International Riverfront“ am „Detroit River“, der die Grenze zu Kanada bildet, das an dieser Stelle südlich der USA liegt. 


Vielleicht können die renovierten Erholungsgebiete und Innenstadtbereiche neue Hoffnung für eine positive Entwicklung in die gebeutelte Stadt im Südosten von Michigan spülen.

Wir nutzen die Woche auch für Ausflüge über die Stadtgrenzen von Detroit hinaus, um noch ein bisschen mehr von dem „Great Lakes State“ zu sehen, der die längste Süßwasserküste der Bundesstaaten hat. 



Mit Kenn fahren wir dafür in den Kensington Metropark. Der Park befindet sich inmitten einer pittoresken Seenlandschaft, die einem die beiden kennzeichnenden Elemente von Michigan zeigt: Wasser und Natur. 



So ist es nicht ungewöhnlich, dass man während einer Wanderung auf wilde Truthühner und einen Sprung Rehe trifft.


Am 12.07. besuchen wir das kleine Städtchen Port Huron, das an der südlichen Spitze des Huronsees liegt. 


Anlass ist die Geburtstagsfeier von Kenns Mutter. Bei einer Bootsfahrt mit der ganzen Familie auf dem St. Clair River sehen wir die Zwillingsbrücke Blue Water Bridge, die den östlichsten Zipfel Michigans mit der kanadischen Provinz Ontario verbindet, und fahren auf den Lake Huron hinaus, der als einer der fünf nordamerikanischen Great Lakes auch ein Meer hätte sein können. 


Nach dem Bootsausflug beginnen die Vorbereitungen für das Geburtstagsessen, das, wie sollte es in den USA auch anders sein, wie jedes Jahr ein leckeres Barbecue sein wird. Und wie jedes Jahr verlangt die Tradition in Kenns Familie, dass sein Vater mit uns noch vor dem Essen auf dem nahegelegenen öffentlichen Platz eine Runde Baseball spielt. Walters persönliches Highlight an dem Wochenende war aber, dass er von Kenns Vater, ausgewiesener Baseballfachmann und Hobbyhandwerker, einen selbstgemachten Baseballschläger geschenkt bekommen hat. Da stellt sich nur die Frage: Passt der in einen unserer Rucksäcke?

Auch den letzten Tag in Michigan verbringen wir mit Baseball. Von Kenns Eltern eingeladen fahren wir in die Bundesstaatshauptstadt Lansing und sehen uns ein Spiel der Lansing Lugnuts in der Minor League an. 


Die vielleicht amerikanischste aller Sportarten wird auch auf amerikanische Weise veranstaltet: Familienfeststimmung auf den Rängen, Hot Dog- und Erdnussverkauf an den Sitzplätzen, Aufstehen zum Singen der Nationalhymne, die aus 15.000 Kehlen lautstark mitgesungen wird, Verfolgen der neun Spiel-Innings, dabei die Erdnüsse knacken und essen, die Pausenunterhaltung kommentieren, sich über „stolen bases“, „double plays“, „RBIs“ und „batting average“ unterhalten und am Ende das Stadion verlassen, während ein Feuerwerk den Nachthimmel erhellt.


Wir hatten eine tolle Woche in Michigan, in der wir uns von den vielen gefahrenen Meilen im Westen erholen konnten und nach den Landschaften nun am Leben der Menschen in diesem Land teilnehmen durften. 


Morgen verlassen wir Detroit leider wieder, aber dafür treffen wir auf zwei weitere Mitglieder Walters amerikanischer Familie, mit denen es im Auto von Norden nach Süden quer durch den amerikanischen Osten in die Nähe von Orlando nach Florida gehen wird. Mal sehen, wie lange Amerikaner für etwa 1.200 Meilen brauchen...

Fazit Tage 187 bis 193:

Immer noch weit weg und doch schon ein Stück zu Hause.

Was haben wir heute gelernt? Das durchschnittliche amerikanische Haus wird nicht durch die Eingangstür sondern nur durch die Hintertür betreten. In einer Woche haben wir die vordere Eingangstür sich kein einziges Mal öffnen sehen.


Samstag, 6. Juli 2013

Highway No. 1 - Tage 1 und 2


San Francisco nach Salinas nach Los Angeles.

Zurückgelegte Meilen: 501


Eine kleine Reiseempfehlung für San Francisco: Niemals am Tag nach dem Independence Day einen Aussichtspunkt für das berühmteste Wahrzeichen der Stadt anfahren. Wir haben es jedenfalls getan und herausgefunden, dass am südlichen Viewpoint der Golden Gate Bridge die Hölle los ist. Der Besucherparkplatz ist hoffnungslos überfüllt und verursacht bereits einen meilenlangen Rückstau. Christina springt daher nur schnell aus dem Auto, während Walter langsam im Kreise rollt, bis das begehrte Foto im Kasten ist. Schließlich hatten wir ja kaum Fotos von der Golden Gate Bridge...


Am 05.07. biegen wir auf die California State Route 1 und verabschieden uns langsam von der schönen City by the Bay. Teure und große Anwesen säumen die Straße, die am Meer aus San Francisco führt. Der Highway 1 beginnt etwa 230 Meilen nördlich von San Francisco und endet knapp 60 Meilen südlich von Los Angeles. Unterwegs führt er an einer der schönsten Küstenabschnitte der USA vorbei und schlängelt sich dabei über Klippen und Schluchten. Er ist deshalb einer der beliebtesten und bekanntesten scenic roads des Landes. Und das bemerken wir auch ziemlich schnell, denn der Verkehr wird Meile um Meile dichter. Auf der kleinen Landstraße, die der Highway 1 nunmal ist, kommt man nur langsam voran. Dafür wird man mit einer tollen Aussicht auf das Meer und die Küste belohnt.


Nach dem Mittagessen halten wir am Leuchtturm am Pigeon Point. Der 1871 errichtete Feuerturm ist der größte seiner Art an der US-amerikanischen Westküste. Ein fotogener und beliebter Stopp 50 Meilen südlich von San Francisco. 


Mittlerweile neigt sich der Nachmittag schon zu Ende und wir müssen versuchen, noch ein paar Meilen nach Süden zu schaffen. Ein Stau und der allgemein dichte Verkehr sorgen aber dafür, dass wir es nur noch ins schöne Monterey schaffen.

Die restaurierte Touristenstadt ist für ihren Hafen, die vielen Geschäfte und das Monterey Bay Aquarium bekannt. Leider ist sie auch ein teures Unterkunftspflaster. Die Hotelpreise spielen an diesem Wochenende mit durchschnittlich 180 $ + tax die Nacht besonders verrückt, sodass uns nichts übrig bleibt, als ein Stück ins Inland nach Salinas zu flüchten. Salinas wird von den Amerikanern gerne als „Salatschüssel der Welt“ bezeichnet, da hier nach einer Angabe vier Fünftel des gesamten amerikanischen Salat wächst bzw. nach einer anderen Angabe über 30% der weltweiten Salatproduktion stattfindet. Für uns ist allerdings viel interessanter, dass wir mithilfe des Internetzugangs im lokalen McDonald's das letzte und mit 75 $ günstigste Zimmer der ganzen Gegend in einem Hotel in Downtown Salinas kurzfristig buchen konnten. Das „Hotel“ entpuppt sich bei der Ankunft dann eher als „Hostel“ und liegt in der offensichtlich vor kurzem revitalisierten Innenstadt, die aber bei Einbruch der Dunkelheit komplett verlassen wirkt. Im Inneren finden wir die „Rezeption“ unbesetzt vor. Es dauert eine Viertelstunde bis ein älterer Inder mit Spazierstock das Hotel betritt, uns freundlich auf einer unbekannten Sprache begrüßt und dann lautstark nach seinem (unserer Vermutung nach) Sohn schreit, der als offensichtlicher Inhaber unser Geld kassiert und uns in ein Zimmer führt. Nach so vielen Wochen schließt sich für uns ein Kreis.

Unser Zimmer mit Bad ist zwar einfach, aber erstaunlich sauber und mit viel Mühe eingerichtet. In Anbetracht der lauten rauchenden Nachbarn, der dünnen Türen und des zwielichtigen Viertels merken wir jedoch an diesem Abend, nach 184 Nächten in Hotels, Hostels, schmierigen Unterkünften, Campern und Flugzeugsitzen, dass wir uns riesig darauf freuen, endlich bei Freunden in einem richtigen zu Hause zu übernachten.

Am frühen Morgen des 06.07. wachen wir auf und stellen erfreut fest, dass wir die Nacht schadlos überstanden haben. Die Rucksäcke werden in den Jeep gepackt und wir verlassen Downtown Salinas, das im Hellen gar nicht mal so übel aussieht. Wir frühstücken in Monterey, verschicken in der örtlichen Postfiliale ein letztes Paket mit nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen nach Deutschland und sind dann wieder auf dem Highway No. 1. Unser erster Halt ist ein paar Meilen weiter südlich an der Bixby Creek Bridge. Die 218 Meter lange Brücke ist ein beliebter Fotostopp und Drehort für Autowerbungen.


Danach erreichen wir die Gegend um Big Sur, die landschaftlich besonders reizvoll ist. Die Straße wird hier ziemlich kurvig und wir können verstehen, warum bei Walters Schwester bei ihrer Highway No. 1 Befahrung „laotische Verhältnisse“ eingetreten sind. Für Motorradfahrer und Leute, die Spaß am Autofahren haben, ist die Strecke natürlich traumhaft. 


Auf den nächsten Meilen ist das Land nur spärlich besiedelt und Imbisslokale sind Mangelware. Keine idealen Bedingungen für hungrige Reisende. Umso glücklicher sind wir aber dann, als wir etwa 50 Meilen südlich von Big Sur das „Ragged Point Inn & Resort“ am Straßenrand entdecken, dass uns bei strahlendem Sonnenschein mit Live Musik und leckerem Barbecue lockt.

Nur 10 Meilen später müssen wir erneut anhalten, denn es gibt bei Piedras Blancas Tiere zu sehen: eine riesige Kolonie von See-Elefanten liegt faul am Strand. Obwohl diese größten Robben der Welt einen ganz schönen Gestank verbreiten, ist es natürlich wieder schön, die riesigen Tiere in der freien Wildbahn zu sehen. Erinnerungen an Neuseeland werden wach. 


Anschließend wird es aber Zeit, dass wir schneller nach Los Angeles kommen, denn wir müssen morgen einen Flieger kriegen. Bei San Luis Obispo verlassen wir daher den Highway No. 1 und folgen nun dem Highway 101. 240 Meilen später schaffen wir es noch im letzten Tageslicht in unser Hotel in der Nähe des Flughafens von Los Angeles. Das „Baymont Inn“ bietet für 79 $ + tax schöne Zimmer und eine gute Lage für Reisende.

Unsere Rundreise im amerikanischen Südwesten ist zu Ende. Wir hatten fantastische sechs Wochen in atemberaubenden Landschaften und Temperaturen. Morgen fliegen wir in kleiner Abweichung zu unserer ursprünglichen Flugroute mit US Airways über einen Zwischenstopp im hitzegeplagten Phoenix nach Detroit. Dort werden wir eine Woche bei einem guten Freund aus Walters High School Zeit verbringen, bevor es dann in einem transamerikanischen Roadtrip mit dem Auto nach Orlando geht.

Fazit Tage 185 und 186:

USA ist Highway No. 1.

Was haben wir heute gelernt? Salinas ist nicht nur die Salatschüssel der USA, sondern auch der Geburtsort von Literaturnobelpreisträger John Steinbeck. Er hat seine Heimatstadt als Handlungsort in seinem Roman „East of Eden“ verewigt. Uns hat er mit seinem empfehlenswerten Reisebuch „Travels with Charley – In Search of America“ begleitet, in dem er von seinen Erlebnissen berichtet, als er mit seinem Hund in einem Camper quer durch das Land gereist ist.


Donnerstag, 4. Juli 2013

San Francisco - Tage 1 und 2


Mariposa nach San Francisco.

Zurückgelegte Meilen: 253

Die Fahrt von Mariposa zur Pazifikküste führt durch ockerfarbene Hügel und landwirtschaftlich genutzte Landschaften. Für uns ein eher unbekanntes Bild von Kalifornien, bei dem man zunächst nur an Strände und bergige Nationalparks denkt. Wir erreichen das California Central Valley, ein 600 Kilometer langes und bis zu 80 Kilometer breites Tal im Herzen des Bundesstaats, das zu allen Seiten von hohen Bergketten eingerahmt wird. Bei Merced biegen wir auf den Highway 99 in Richtung Norden, um dann später über die Interstates 5, 205 und 580 nach Westen zu kommen. Ein letzter Anstieg über die California Coast Ranges und am 03.07. liegt vor uns die viertgrößte Stadt Kaliforniens in der San Francisco Bay.


San Francisco ist eine vielfältige Stadt. Mit ihren nur 800.000 Einwohnern ist sie eine der am dichtesten besiedelten Ortschaften in den USA. Ihre steilen Hügel, die großartigen Bauwerke und ihr dichter Nebel sind weltberühmt. Leider auch das hohe Erdbebenrisiko aufgrund der Nähe zum San Andreas-Graben. Wir erreichen das Stadtzentrum auf der San Francisco Halbinsel über die beeindruckende Bay Bridge, eine zweistöckige Hängebrücke. Von hier oben sehen wir dann gleich das rote Wahrzeichen der Stadt: die Golden Gate Bridge. Zumindest die Teile von ihr, die nicht von dichten Nebelschwaden verdeckt sind.

Für uns geht es zunächst zum Visitor Center. Dafür müssen wir in dieser (für die USA untypischen) Stadt der wenigen Parkplätze einen Stellplatz für unser Auto finden. Kein leichtes oder günstiges Unterfangen. Vom Visitor Center fahren wir in unser Hotel. Über die Buchungsseite „hotwire“, bei der man nur Preis, Anzahl der Sterne und ungefähre Lage des Hotels erfährt, haben wir kurzfristig den unschlagbaren Preis von 105 $ (inkl. tax) die Nacht für ein zentrales 4-Sterne Hotel am Independence Day Weekend bekommen.

Nach dem Einchecken statten wir der Golden Gate Bridge unseren Antrittsbesuch ab. Es ist faszinierend, wie der dichte Nebel über die Fahrbahn wabert, während man über dieses Wunderwerk der Technik fährt. Ein unwirkliches Gefühl, dieses amerikanische Wahrzeichen aus nächster Nähe zu sehen. Wir halten am ersten Viewpoint, der sich direkt hinter der Brücke von der Innenstadt kommend auf der rechten Seite befindet. 


Der Nebel meint es gut mit uns und verzieht sich, so dass wir eine uneingeschränkte Sicht auf die Brücke haben. Ein zweiter Viewpoint auf dem Hügel nordwestlich der Brücke bietet den bekannten Blick von herab mit der Stadt im Hintergrund.

Es dauert eine Weile, bis sich eine von uns endlich von der Golden Gate Bridge lossagen kann und wir uns auf den 49-Mile Scenic Drive begeben. 


Diese (eher schlecht) ausgeschilderte Strecke soll einen mit dem Auto an zahlreichen Sehenswürdigkeiten von San Francisco vorbeiführen und als private Stadtrundfahrt dienen. Wir fahren eine abgekürzte Version und beschließen danach spontan, zur blauen Stunde noch mehr Zeit an der Golden Gate Bridge zu verbringen. Selbst um diese Jahreszeit wird das einer unserer kältesten Ausflüge. 


Auf dem kleinen Hügel pfeift der kalte Wind über die Aussichtsplattform, während hinter uns der dicke Nebel wie ein riesiges Tier über die Berge kriecht. Zurück am Auto sind wir so durchgefroren, dass wir zum ersten Mal die Heizungsfunktion unseres Mietwagens austesten müssen.

Nach einem kurzen Abstecher auf die „Twin Peaks“, zwei etwa 270 Meter hohe Hügel im Zentrum der Stadt, von denen man einen schönen, wenn auch häufig nebligen Blick auf San Francisco hat, widmen wir uns für den Rest des Abends dem Projekt Parkplatzsuche. 


Es gibt nur wenige kostenlose öffentliche Stellplätze für das Auto. Dementsprechend hoch sind die Preise für Plätze in Parkhäusern. Und zum Independence Day Weekend verdoppeln sich die Dollarangaben schonmal gern. Am Ende geben wir unseren Wagen am Hotelparkplatz ab und zahlen etwa 30 $ pro Nacht.

Den amerikanischen Unabhängigkeitstag beginnen wir mit einem Frühstück im Starbucks und stellen uns dann in die Schlange für die Touristenattraktion San Franciscos schlechthin: Wir fahren mit dem Cable Car in die Stadt. 


Nach einer halbe Stunde dürfen wir die letzte von Hand betriebene Kabelstraßenbahn der Welt besteigen. Spannend wird die Fahrt, wenn man wie wir außen auf den Trittbrettern mitfährt und vor vorbeirauschenden Laternenmasten den Hintern einziehen muss oder wenn der Wagen einen der steilen Hügel hinauf klettert.


Die steilen Anstiege werden auch jedem Besucher besonders in Erinnerung bleiben, der die Stadt zu Fuß erkundet hat. Für Anwohner unbedingt zu beachten ist, dass Autos in manchen Straßen nur im rechten Winkel zum Bordstein geparkt werden können, damit sie nicht die Hänge hinunter rutschen. So zum Beispiel in der Filbert Street, die mit 31,5 % Gefälle eine der steilsten Straßen der westlichen Hemisphäre ist. 


Hier sieht man alle paar Minuten Mietwagen einbiegen, die unter dem Geschrei der Insassen langsam die Straße hinunter rollen.

Von diesen Höhenlagen hat man einen schönen Blick auf zwei Sehenswürdigkeiten San Franciscos:


Die wohl berühmteste Straße der Stadt ist aber die Lombard Street. Früher fast so steil wie die nur zwei Blocks entfernt liegende Filbert Street, wurde die Lombard Street durch die Einfügung mehrerer Serpentinen abgemildert. Man verpasste ihr daraufhin den Titel der kurvenreichsten Straße der Welt. Auf knapp 150 Metern fährt man durch acht Kurven und sieht, würde man nicht auf den Stau der Mietwagen vor einem achten, zahlreiche schöne Blumenbeete und unserer Vermutung nach ziemlich genervte Anwohner.


Wir verlassen die steilen Straßen San Franciscos und spazieren zum Fisherman's Warf. 


Dieses berühmte Hafenviertel ist noch voller als sonst, denn heute Abend wird hier in der Nähe das traditionelle Feuerwerk angezündet. Für einen besseren Blick auf das Feuerwerk und die Stadt wollen wir aber woanders hin. Wir eilen zurück in unser Hotel, holen unseren Wagen und fahren über die Bay Bridge auf die kleine künstlich aufgeschüttete Insel „Treasure Island“ in der San Francisco Bay. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Bay Bridge, die Skyline von San Francisco und die Golden Gate Bridge. 


Das lockt nicht nur unzählige Fotografen mit ihren Stativen, sondern auch Familien, die passend zum Nationalfeiertag ein Barbecue veranstalten. Eine Stunde später genießen wir von einer erhöhten Position neben der Zufahrtsstraße das Feuerwerk zum Independence Day, bei dem sich die Amerikaner wie erwartet nicht lumpen lassen. 


Auf jeden Fall ein beeindruckender Abschluss unseres San Francisco Aufenthalts. 


Morgen müssen wir natürlich unbedingt noch dem letzten Viewpoint für die Golden Gate Bridge einen Besuch abstatten, bevor wir auf die California State Route 1 Richtung Süden fahren, besser bekannt als Highway No. 1.


Fazit Tage 183 und 184:

Man kann nie genug Fotos von der Golden Gate Bridge haben...


Was haben wir heute gelernt? Wären da nicht der häufige Nebel, die für Kalifornien vergleichsweise kühlen Temperaturen und das hohe Erdbebenrisiko, könnte San Francisco eine Traumstadt sein.


Dienstag, 2. Juli 2013

Yosemite Nationalpark - Tage 1 und 2


Fresno nach Mariposa.

Zurückgelegte Meilen: 336

Joshua Tree, Grand Canyon, Canyonlands, Arches, Capitol Reef, Bryce Canyon, Zion, Death Valley, Sequoia, Kings Canyon und zu guter Letzt Yosemite. Yosemite wird der elfte und letzte Nationalpark sein, den wir auf unserer Rundreise durch den amerikanischen Südwesten besuchen. Der nach einem Indianerstamm benannte Park liegt an der Westseite der Sierra Nevada und erstreckt sich von 600 bis über 4.000 Höhenmeter. Seine wegen seiner Nähe zu den kalifornischen Großstädten leichte Erreichbarkeit hat geholfen, ihn zu einem der beliebtesten Naturausflugsziele zu machen. Das bedeutet für uns, dass Hotelpreise weit über dem Durchschnitt liegen werden.

Wir versuchen unser Glück in Mariposa, einer etwa 2.000 Einwohner großen Ortschaft, die 32 Meilen vom Parkeingang entfernt liegt. Über die zunehmend hügeligeren Highways 41 und 49 erreichen wir die einstige Bergbausiedlung. Nachdem die ersten beiden Hotels fast 200 $ für eine Nacht haben wollen, werden wir im denkmalgeschützten „Mariposa Hotel Inn“ an der Hauptstraße fündig. Im historischen Stadtzentrum gelegen vermietet eine nette alte Dame, „the innkeeper“, sechs liebevoll eingerichtete Zimmer. Und da wir freundlich gefragt haben, bekommen wir eines davon für 120 $ inkl. tax und Frühstück pro Nacht.

Nach einer kurzen Erholung geht es gegen Mittag in den Nationalpark. Die Anfahrt führt über einige Hügel und durch die ersten tiefen Schluchten. Nach dem kleinen Hoteldorf „El Portal“ erreicht man den „Arch Rock Entrance“. Der Yosemite Nationalpark wird geprägt durch seine spektakulären Granitfelswände. Daneben findet man in diesem abwechslungsreichen Gebirgspark zahlreiche Wasserfälle, Riesenmammutbäume und Flüsse. Der Nationalpark besteht geographisch gesehen aus zwei unterschiedlichen Teilen. Es gibt das „Valley“, das sich zu Füßen gigantischer Granitberge befindet und die größten Besucherströme empfängt, und es gibt den Tioga Pass, der eine 3031 Meter hohe, die Sierra Nevada überquerende Gebirgsroute ist. Wir wollen heute diese Tioga Road fahren und an einigen Sehenswürdigkeiten unterwegs halten.

Der Tioga Pass ist häufig wegen starkem Schneefalls die Hälfte des Jahres geschlossen. Wenn er wie jetzt Anfang Juli geöffnet ist, bringt er einen in die grüne und vielfältige Berglandschaft der Sierra Nevada. So gibt es zum Beispiel zahlreiche kleine Seen am Straßenrand.


Einer der berühmtesten und schönsten Aussichtspunkte im Yosemite ist der „Olmsted Point“ an der Tioga Road. 


Von hier hat man einen tollen Blick in den Tenaya Canyon und auf den „Half Dome“, eine monumentale Granitkuppel, die das gefühlte Wahrzeichen des Parks ist.


Ein besonders fotogener See ist der malerische Tenaya Lake. 


Die ihn umgebenden Granitfelsen spiegeln sich hervorragend auf seiner stillen Wasseroberfläche.


Unseren letzten längeren Halt machen wir am „Pothole Dome“. 


Folgt man dem Trampelpfad um den Granithügel für etwa zwei Meilen, dann gelangt man zu Wasserkaskaden des hier verlaufenden kleinen Flusses. 


Es wäre ein ungemein idyllischer Ort, wären da nicht die Schwärme von Moskitos. Insektenspray schützt nur wenige Sekunden und unsere T-Shirts sind offensichtlich zu dünn. Das Resultat am Abend ist, dass der Pothole Dome der moskitotechnisch gefährlichste Ort auf dieser Reise war.


Wir kommen noch bis zu den Tuolumne Meadows ein paar Meilen vor dem Ende der Tioga Road und fahren dann in der hereinbrechenden Dunkelheit die 2 ½ Stunden zum Hotel zurück.


Den zweiten Tag verbringen wir im Valley. Wie zu erwarten war, treffen wir auf hohes Verkehrsaufkommen und viele Besucher. Trotzdem kann man noch auf einem der vielen Campingplätze, wie hier am Cathedral Beach, ein stilles Plätzchen für eine Rast finden. Vom Cathedral Beach hat man zudem einen schönen Blick auf „El Capitan“, einer der markanten Granitfelsen.


Unweit des Visitor Centers befindet sich „Cook's Meadow“. Bei einem Spaziergang über diese grüne Wiese bekommt einen guten ersten Eindruck vom Valley und sieht schon einige Sehenswürdigkeiten, wie den Half Dome.


Ein Highlight des Yosemite Nationalparks sind seine beeindruckenden Wasserfälle. Mit über 3200 Seen und vielen Flüssen ist Wasser ein wichtiger Bestandteil des Parks. Die glatten Granithänge sorgen dabei für eine weit sichtbare Kulissen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich mit den „Yosemite Falls“ der höchste Wasserfall Nordamerikas in diesem Park befindet. Seine Fallhöhe von 739 Metern macht ihn zudem zu einem der höchsten Wasserfälle weltweit.


Am Northside Drive im Valley passiert man ein paar schöne Wiesen, an denen sich ein kurzer Stopp lohnt. 


Über kleine Trampelpfade gelangt man zum Merced River, der mitten durch das Tal fließt. Außerdem kann man so interessante Fotoperspektiven für El Capitan oder die „Cathedral Rocks“ finden.


Übrigens sollte man immer darauf vorbereitet sein, dass sich die Autos auf der Einbahnstraße plötzlich stauen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand einen durch das Valley laufenden Bären am Straßenrand entdeckt hat. Zu empfehlen sind schließlich noch zwei Aussichtspunkte. Vom „Valley View“, etwas versteckt in einer Kurve am Talausgang gelegen, hat man einen eindrucksvollen Blick in das Valley „von unten“. Der Merced River kann hier als schöner Vordergrund dienen.


Berühmter ist die Aussicht „von oben“ vom „Tunnel View“, die durch den amerikanischen Naturfotografen Ansel Adams der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Man sieht wie das grüne Yosemite Tal durch die mächtigen hellgrauen Berge eingerahmt wird.


Mit diesem dramatischen Eindruck verabschieden wir uns von unserem letzten Nationalpark. Wir verbringen noch eine Nacht im beschaulichen Mariposa und dann geht es morgen pünktlich zu den Feierlichkeiten um den 4. Juli zur „City by the Bay“, besser bekannt als San Francisco.

Fazit Tage 181 und 182:

Mücken: 47, Christina & Walter: 0

Was haben wir heute gelernt? Das Yosemite Valley ist durch Gletscherströme entstanden. Eine geschätzt 1200 Meter mächtige Eisschicht hat das U-förmige Tal ausgehoben.