Freitag, 19. April 2013

Christchurch zum Peel Forest

Zurückgelegte Kilometer: 153

Vorfreude. Wir stehen nach dem Weckerklingeln zügig auf, frühstücken schnell, checken aus und zahlen 6 NZ-$ für unsere Warmwäsche. Mit sauberen Klamotten im Gepäck fahren wir mit dem Bus zum Flughafen bzw. bis eine Haltestelle davor. Die Busfahrerin lässt zwischen den Haltestellen eine (ihre Lieblings-?) Musik-CD laufen und unterhält sich mit den Fahrgästen. Nett diese Kiwis. Unglücklicherweise vergessen wir, rechtzeitig auf den Halteknopf zu drücken und fahren bis direkt vor das Flughafen-Terminal. Ups.

Ein Anruf bei Apollo bzw. Hippie Camper, unserem Camper-Van-Vermieter, und wir werden zehn Minuten später kostenfrei abgeholt und zur Filiale in der Nähe des Flughafens gebracht. Doch bevor wir endlich unser neues Zuhause für die nächsten Wochen überreicht bekommen, müssen wir ein nerviges Verkaufsgespräch, das als Übergabegespräch getarnt ist, überstehen. Ob wir denn nicht unsere Kaution verringern, ein Komplett-Rundum-Sorglospaket oder ein halbes Rundum-Sorglospaket buchen wollen. Man müsse ja bedenken, dass nicht alle so tolle Autofahrer wie wir seien und überhaupt auch 15-Jährige hinter dem Steuer sein könnten (wirklich?!). Und nachdem wir zum fünften Mal dankend abgelehnt haben, bekamen wir endlich das Paket, das wir gebucht hatten. Immerhin waren wir auf diese Überredungsversuche vorbereitet, da schon andere Reisende davon in Reiseberichten erzählt haben. So ganz undankbare Kunden waren wir auch nicht, schließlich haben wir noch einen Tisch mit zwei Stühlen und, sehr wichtig bei den herrschenden Temperaturen, einen „heater“ zusätzlich gemietet.

Nach der Unterschrift ging es endlich hinaus zu unserem neuen Gefährt. 


Das gute Stück ist ein umgebauter Toyota, der als „Hitop Hippie Camper Van“ firmiert. Er soll Schlafplätze für 3 Personen bieten, wobei der dritte Schlafplatz wohl nur für Kinder geeignet ist. In der Fahrerkabine könnten drei Personen sitzen, zu zweit hat man eine schöne große Ablagefläche.


Ungewohnt ist natürlich, dass das Lenkrad auf der rechten Seite angebracht ist und man mit der linken Hand (!) schalten muss. Durch eine Schiebetür kommt man in den Innenraum, in dem man stehen kann. Es gibt zwei kleine Schränke, wobei sich auf dem einen die Spüle befindet und auf dem anderen der Gasherd. Das Wasser wird mit dem Hahn „gepumpt“ und den Gaskanister muss man von außen auf- oder zudrehen. Zusätzlich gibt es noch eine Mikrowelle und einen kleinen Kühlschrank. 


Mikrowelle und Steckdosen funktionieren allerdings nur, wenn man in einem Campingplatz ist, der einen externen Stromanschluss bereitstellt. Licht und Kühlschrank funktionieren immer und werden von einer zweiten Batterie betrieben. Weiter hinten hat man entweder zwei Sitzbänke mit einem Tisch in der Mitte oder das Bett, wenn der Tisch runtergeklappt, eine weitere Holzplatte danebengelegt wird und die Sitzkissen als Matratze fungieren. Bettwäsche wird gestellt.


Wir beschließen, solange es noch hell ist, das Bett zu machen und den Innenraum in dieser Variante für die meiste Zeit zu belassen. 


Unsere Gegenstände werden fest verstaut, die Rucksäcke weggepackt und die Schränke abgeschlossen. Schon stürzen wir uns in den Linksverkehr und steuern unser nächstes Ziel an: einen großen Supermarkt. Christina achtet streng darauf, dass Walter auf der richtigen Spur fährt und in die richtige Spur abbiegt, während Walter eigentlich am meisten stört, mit der linken statt der rechten Hand zu schalten.

Irgendwie schaffen wir es unversehrt auf den Parkplatz des „Pak'n'Save“, der angeblich günstigere Supermarkt in Neuseeland. Nach mehr als einer Stunde ist der Einkaufswagen voll und unser Geldbeutel um 145,98 NZ-$ leichter. Wasser kostet 99 Cent pro Flasche, den Käse kaufen wir in der 1-KG Packung, die Budget Salami liegt bei 2,99 NZ-$ und der Joghurt für 4,59 NZ-$ gibt uns den Rest. Dafür sind unsere Vorräte aufgefüllt und dank Christina hat alles seinen Platz im Van gefunden und ist bestens verstaut.


Draußen wir es bereits dunkel. Das Autoabholen und Einkaufen dauert immer länger als man denkt. Deshalb disponieren wir um und fahren heute nicht mehr zum Lake Tekapo, sondern suchen uns eine Unterkunft für die Nacht, die näher an Christchurch liegt. Wir fahren zum Peel Forest Park, der in den Canterbury Plains liegt. Die Plains sind eine fruchtbare Landschaft, die durch die Gletscherströme entstanden sind. Diese Flüsse wiederum kommen von der Bergkette, die die Südinsel durchzieht und passenderweise Southern Alps genannt werden. Bevor wir aber zu den Bergen kommen, machen wir unterwegs in dem kleinen Stück „Urwald“ Halt, der bereits seit 100 Jahren unter Naturschutz steht. Die Landschaft, die an uns vorbeizieht, ist grün und nass, denn es regnet seit der Abfahrt in Strömen. Nun gut, wir hatten ja wirklich lange gutes Wetter gehabt auf dieser Reise.

Durch die Dunkelheit führen unsere GPS-Ortung im Handy und zwei verschiedene Karten. Wir biegen von der Hauptstraße an der Küste ab und kommen auf verlassene Straßen, auf denen wir das einzige Auto weit und breit sind. Eine schöne Abwechslung zum bevölkerungsreichen Südostasien. Schließlich finden wir im Wald ein kleines beleuchtetes Häuschen (nicht ohne das erste Mal daran vorbeizufahren), in dem sich die Campingplatz-Verwaltung befindet. Alles läuft ziemlich unkompliziert: Wir füllen einen Zettel aus, bezahlen 35 $ für einen Stellplatz mit Strom und kriegen auf einer Karte gezeigt, wo wir hinfahren sollen. Der Campground ist fast leer, nur zwei andere Autos stehen noch da. Wir parken in der Nähe der Toiletten, Duschen und Gemeinschaftsküche und bereiten uns auf unsere erste Nacht im Camper-Van vor. Das Stromkabel ist schnell angeschlossen und der Wasserkübel neben dem Hinterrad unter unseren Abfluss gestellt. 


Die Anlage sieht sehr schön aus und die Einrichtungen sind sauber. Dafür wird es draußen bereits ziemlich kalt. Wir wollen trotzdem testen, ob wir die Nacht ohne heater überstehen und auch Campgrounds ohne Stromversorgung, die günstiger sind, nehmen können. Unsere treuen Schlafsäcke, die uns schon in Indien wertvolle Dienste geleistet haben, müssen uns auch jetzt wieder warmhalten.

Beim Einschlafen lauschen wir und hören: nichts. Was für eine Wohltat nach den lauten letzten Wochen. Die Stille wird nur gelegentlich von Regengüssen unterbrochen. So schlafen wir in den Wäldern von Neuseeland ein.


Fazit Tag 107:

Neuseeland ist teuer.

Was haben wir heute gelernt? Linksverkehr.


Donnerstag, 18. April 2013

Kia Ora!


Singapur nach Christchurch.

Am Abend des 16.04. checken wir im sauberen und kühlen Changi Airport für unseren Flug nach Christchurch ein. Pünktlich zum Abflug gibt es ein blitzendes Gewitter, was den Flieger allerdings nicht am Starten nicht hindert. Die Flugzeit beträgt 9h30, wovon die einen die meiste Zeit schlafen und die anderen den neuen Tarantino Film Django Unchained anschauen. Es geht wieder über den Äquator, über Indonesien auf den Ausläufer des Indischen Ozeans, quer über Australien an Melbourne vorbei auf die Tasman Sea und am Morgen des 17.04. um 9:40 Uhr landen wir in einem wolkenverhangenen regnerischen Christchurch, das auf der südlichen der beiden Inseln liegt, die sich Neuseeland nennen. Das bedeutet 4 Stunden Zeitunterschied zu Singapur und 10 Stunden zu Deutschland (vor wenigen Wochen waren es noch 12 Stunden; jetzt gilt in Neuseeland aber Winter- und in Deutschland Sommerzeit).

Wir steigen aus dem Flugzeug aus und bemerken: dass es kalt ist! Es war also doch eine gute Entscheidung unsere Fleece-Jacken mitzunehmen. Die Einreisekontrolle verläuft auch anders als wir es gewohnt sind: Die nette Dame hält erst einmal ein kleines Schwätzchen mit uns, fragt uns als Erstes wann wir unseren Camper abholen würden (sehen wir wie Camper aus?) und ist sich sicher, dass wir einen wunderbaren Aufenthalt haben werden. Wir treten in die winzige Empfangshalle und Christina freut sich, wie übersichtlich und ausgeschildert hier alles organisiert ist. Noch bevor wir auf die Straße treten, gibt es zwei Dinge zu erledigen. Zunächst heben wir am Automaten Neuseeländische-Dollar ab. Der Wechselkurs NZ-Dollar zu Euro ist etwa 10 zu 6,5. Leider ist er nicht noch besser, denn die Preise hier für Unterkunft und Verpflegung sind ziemlich hoch. Danach geht es in den Vodafone-Shop. In Neuseeland gibt es so gut wie kein kostenfreies Internet und es wird zumeist nach Datenmengen abgerechnet. Einige vermuten, dass es an der mangelhaften Kabelverbindung zu den beiden Inseln liegt. Außerdem gibt es an vielen Orten, wie z.B. Camping-Plätzen, gar nicht die Möglichkeit WiFi zu kaufen. Deshalb erwerben wir einen „portablen WiFi-Router“, der über eine SIM-Karte funktioniert. Für beides und 2 GB Datenvolumen zahlen wir 99 NZ-$.

Von der Flughafenhalle laufen wir ein paar Schritte zur Bushaltestelle. Ein Ticket in die Innenstadt kostet 7,50 $ pro Person, nicht gerade wenig (im Vergleich zu dem, was wir gewohnt waren). Also fragen wir den freundlichen Busfahrer, ob es nicht noch eine günstigere Alternative gibt. Ja, die würde es tatsächlich geben. Wir sollen einfach nur 300m die Straße hochlaufen und in der nächsten Haltestelle in den Bus steigen. Von dort kostet es nämlich nur noch 3,20 $ pro Person. Kann man sich so eine Unterhaltung mit einem Angestellten des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland vorstellen? Wir folgen jedenfalls seinem Vorschlag und freuen uns, unsere ersten Dollar gespart zu haben.


Unser erster Eindruck vom neuen Land: Das andere Ende der Welt sieht erstaunlich britisch aus. Immer wenn man sagen möchte, dass einem die Vegetation bekannt vorkommt, tauchen Palmen oder unerwartete Farben am Straßenrand auf. Es herrscht Linksverkehr, woran unsere Augen sich aber schon seit Indien, Thailand, Indonesien und Singapur gewöhnt haben. Die Häuser wirken vertraut bzw. britisch oder amerikanisch und man sieht Holz- und Ziegelsteinfassaden. Überschaubare Menschenmengen bewegen sich auf den Straßen. Christchurch ist mit fast 400.000 Einwohnern schon die zweitgrößte Stadt Neuseelands und die größte der Südinsel. Auf einer Fläche, die etwas kleiner ist als Italien, beherbergt der Inselstaat Neuseeland nur insgesamt 4,4 Mio. Menschen. Was wir leider auch bemerken, sind die Zerstörungen, die eine Reihe schwerer Erdbeben zwischen September 2010 und Juni 2011 in Christchurch angerichtet haben. Auf dem kurzen Weg zu unserem Hostel sehen wir abgesperrte Straßenabschnitte und brachliegende Flächen.

Die zwei Nächte in Christchurch verbringen wir im Vagabond Backpacker Hostel. Das Zimmer kostet 30 $ pro Person, die Gemeinschaftsküche sieht gut aus und die Gemeinschaftstoiletten und -duschen sind sauber. Außerdem gibt es ein „heater“ im Zimmer, denn nachts kann es kalt werden. Begrüßt werden wir vom freundlichen und redseligen Graeme, der ein Gesprächsthema ans andere reiht, obwohl wir, ziemlich übermüdet wie wir sind, gern ins Zimmer wollen. Den Nachmittag verbringen wir damit, Christina eine warme Jacke zu kaufen und herauszufinden, dass Essen in Restaurants und Imbissen sehr teuer ist. Natürlich sind wir auch noch von den südostasiatischen Preisen verwöhnt. Jedenfalls gilt es, im Supermarkt einzukaufen und selbst zu kochen.

Am nächsten Tag, den 18.04., gibt es dann ein Frühstück, wie wir es uns schon lange gewünscht haben: Brot mit Käse und Salami! Okay, das labbrige Brot ist noch verbesserungswürdig, aber der teure Käse und die Wurst waren den Kauf wert. O-Saft und Kaffee runden das Mahl noch ab. Zu unserer Freude haben wir im Hostel-Bücherregal einige fast aktuelle deutsche Reiseführer zu Neuseeland entdeckt, die wir alle kostenlos mitnehmen dürfen. Darunter auch der DuMont Reiseführer, mit dem Christina noch in Hamburg geplant hat. Dafür lassen wir auch unseren treuen Stefan Loose über die Mekong-Region im Regal zurück, den wir in Hoi An in Vietnam gekauft hatten. Bis jetzt war es also die richtige Entscheidung, die schweren Reiseführer zu Hause zu lassen und nur die digital erhältlichen dabei zu haben oder vor Ort zu erwerben.

Nach dem Frühstück führt uns ein Stadtspaziergang die englische Art der Stadt, aber vor allen Dingen die Erdbebenschäden von Christchurch zu Augen.


Exkurs Geologie: Neuseeland liegt genau zwischen der Indisch-Australischen und Pazifischen Platte und gehört damit zum Pazifischen Feuerring. Während sich im Norden die Pazifische unter die Indisch-Australische Platte schiebt, ist es im Süden umgekehrt. Das führt dazu, dass es in Neuseeland erhöhte vulkanische Aktivität gibt. Die Erdkruste ist an manchen Stellen hier so dünn wie nirgendwo sonst auf der Welt. Außerdem kommt es wegen der plattentektonischen Bruchzonen regelmäßig zu Erdbeben.

Am 22. Februar 2011 zerstörte ein schweres Beben mit der Stärke 6,3, dessen Epizentrum nur 10km südwestlich lag, fast das komplette historische Stadtzentrum. 185 Menschen kamen ums Leben, 12.000 Gebäude müssen abgerissen werden und etwa 100.000 wurden reparaturbedürftig. Dieses heftige Erdbeben bestimmt das Leben in Christchurch auch zwei Jahre später noch. Fast die komplette Innenstadt ist abgesperrt und der Verkehr wird umgeleitet. Wir sehen unzählige leerstehende Häuser, die noch abgerissen werden müssen und die nicht betreten werden dürfen. Der Wiederaufbau hat noch gar nicht richtig begonnen. Graeme geht davon aus, dass es mindestens noch fünf Jahre dauern wird, bis erste Ergebnisse zu sehen sind. Vielleicht können die Spuren der Naturkatastrophe in 10 Jahren beseitigt werden. Er meint, dass auch das Hostel noch leidet, da gerade die Touristen wegbleiben, die früher mehrere Tage in Christchurch geblieben sind und die entspannte Atmosphäre zwischen den vielen Cafés und Restaurants genossen haben. An vielen Hausruinen sehen wir angesprühte Nummern, wie 26/2 oder 27/2. Wir vermuten, diese bezeichnen das Datum, an dem die Gebäude nach dem Erdbeben durchsucht oder bewertet wurden. Heute wird das Stadtbild von Containern geprägt. 


Diese großen Metallkästen, die normalerweise auf riesigen Schiffen im Hamburger Hafen stehen, dienen als neue Geschäftsunterkünfte, übereinander gestapelt als Abstützvorrichtung für einsturzgefährdete Fassaden oder Wohnungen. In der Nähe der alten Innenstadt haben die Einwohner von Christchurch eine „Container-Mall“ errichtet, die kreativ aufgebaut Unterkünfte für Cafés, Restaurants, Kleidungsläden und Banken bietet und ein neues Zentrum des öffentlichen Lebens darstellt.


Vom Stadtzentrum verschlägt es uns in den Hagley Park, laut Reiseführer das grüne Herz der Stadt. Überhaupt zeigt sich die „englischste Stadt“ Neuseelands sehr grün. Der Park und der angrenzende botanische Garten eignen sich gut für Spaziergänge (sogar im Herbst). 


Zurück im Hostel bereiten wir uns auf den spannenden morgigen Tag vor. Wir werden Neuseeland nämlich nicht mit Mietwagen und mit Hostelübernachtungen erkunden, sondern mit einem eigenen Camper-Van auf Camping-Plätzen. Morgen holen wir unseren Camper-Van ab und starten unsere Tour auf der Südinsel. Das heißt, endlich mal wieder selbst Autofahren (ja, auch im Linksverkehr) und nicht auf umherirrende Busfahrer angewiesen zu sein.

Fazit Tage 104, 105 und 106:

In Neuseeland sind wir zwar weiter von Deutschland entfernt als überall sonst, fühlen uns aber wesentlich mehr wie zu Hause.

Was haben wir heute gelernt? „Kia Ora“ ist Maori und heißt „Hallo“. Sie ist neben Englisch neuseeländische Amtssprache. Die Maori, die polynesisch-stämmigen indigenen Einwohner der Inseln, machen etwa 15 % der Bevölkerung aus.

Dienstag, 16. April 2013

Südostasien - Route und Übersicht

Zum Abschied aus Südostasien haben wir unsere bereiste Route zusammengestellt und die einzelnen Stationen verlinkt:

Hier klicken für Route und Übersicht Südostasien

Montag, 15. April 2013

Hello! - Singapur - Tage 1 und 2


Denpasar nach Singapur.

Es geht heute zu unserer letzten Station in Südostasien. Die zwei Wochen auf Bali haben gut getan, um Körper und vor allen Dingen Geist zu erholen. Wir fliegen die 2h10 nach Singapur mit Singapore Airlines und überqueren ein zweites Mal den Äquator. Dabei genießen wir mehr Beinfreiheit als in den bisherigen Airlines. Ein ärgerlicher Nachgeschmack aus Bali bleibt aber: Am Flughafen muss man, für uns unerwartet, eine Flughafensteuer entrichten. Diese belief sich auf 150.000 Rupiah pro Person, etwa 15 $, was nicht gerade wenig ist.

Bei der Einreisekontrolle in Singapur heißt es dann zur Begrüßung „Hello!“. In dem Insel- und Stadtstaat gibt es vier offizielle Amtssprachen: Chinesisch, Englisch, Malaiisch und Tamil. Aber eigentlich wird überall Englisch gesprochen. Sie ist die Verkehrs-, Handels- und Verwaltungssprache. Die verschiedenen Sprachen lassen sich auf die Bevölkerungsgruppen zurückführen, die man in Singapur findet. Es leben fast 6 Mio. Menschen hier, von denen 76,8 % Chinesen, 13,8 % Malaien und 7,9 % Inder sind. Die Chinesen sind auch die politisch dominierende Bevölkerungsmehrheit.

Wir sind gespannt auf die Stadt und versuchen den überaus sauberen und effizienten Flughafen Changi zu verlassen, um nach draußen ins wahre Singapur zu treten. Doch auf dem einstündigen Weg zu unserem Hotel schaffen wir es nicht ein einziges Mal klimatisierte Räume zu verlassen. Von der von Computern gesteuerten U-Bahn geht es durch unterirdische (klimatisierte) Verbindungsgänge an Shopping-Malls vorbei zur nächsten Haltestelle bis wir schon die Empfangshalle unseres Hotels erreicht haben. Unterwegs merken wir, dass nicht draußen sondern hier drinnen das wahre Singapur ist.


In dieser Stadt kommt geht man von klimatisierter Wohlfühlzone zur nächsten klimatisierten Wohlfühlzone und befindet sich die meiste Zeit unter der Erde oder mehrere Stockwerke darüber. Alles ist sauber, pünktlich und glänzt. Sind wir eigentlich noch in Südostasien? Wir sind zwar geografisch noch mittendrin und die Menschen sehen auch so aus, aber unsere Umgebung hat nichts mehr mit dem Südostasien gemeinsam, das wir bislang kennengelernt haben. Singapur sieht aus wie ein Zukunftsstadt. Eine Utopie, durch die man spazieren kann. Wer heute eine Stadt mit den zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten plant, würde vermutlich Singapur bauen. Man schwankt zwischen Begeisterung, Erstaunen, dem Hochgefühl der Moderne und dem Gefühl, dass man sich in einer unwirklichen, unechten elektronisch gesteuerten Welt fortbewegt.

Und Singapur scheint vor allen Dingen aus eins zu bestehen: Shopping Malls. Unzählige mehrstöckige Verkaufspromenaden reihen sich aneinander, sind durch unterirdische und oberirdische Durchgänge miteinander verbunden und werben mit Hochglanzbildern und poliertem Glas um dein Geld. Bezahlen kann man hier mit Singapur-Dollar. Der Umrechnungskurs zu Euro ist etwa 10 zu 6,2. Die Preise sind hier für alles natürlich deutlich höher als in den anderen Ländern Südostasiens.

Wie es sich für so eine Stadt gehört, haben wir uns bei der Hotelwahl einen kleinen Traum erfüllt, legen für zwei Nächte unser Rucksack-Dasein beiseite und sprengen unser Budget: Unsere teuerste Hotelübernachtung der Reise verbringen wir im 5-Sterne Hotel Marina Bay Sands. 

Die Hotellobby von unten:


Als wir an unserer U-Bahn Haltestelle aussteigen, sind wir überwältigt von dem, was wir vorfinden: Eine 20 ha große Anlage, die ein Kasino, ein Konferenz- und Ausstellungszentrum, natürlich eine riesige Shopping Mall, ein Kunst- und Wissenschaftsmuseum, zwei Theatersäle, Bars, Nachtklubs und das Hotel selbst umfasst. Der Bauherr bezeichnete es als „eines der herausfordernsten Bauprojekte der Welt und sicherlich die teuerste alleinstehende Integrated-Resort-Immobilie, die je gebaut worden ist.“ 


Und das liegt hauptsächlich am Hotel. Es besteht aus drei 55stöckigen Hoteltürmen, die 191m hoch sind, und auf denen ein sie verbindender 340m langer Dachgarten gesetzt wurde. Diese Dachterrasse, der Sands SkyPark, hat eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, einen Garten mit Bäumen und als Highlight einen 146m langen Swimming-Pool, der das weltgrößte Außenschwimmbad auf dieser Höhe ist. 


Die Aussicht auf die Skyline von Singapur ist phänomenal. 


Aber auch der Blick von unserem Hotelzimmer ist großartig. Aus irgendeinem Grund haben wir ein Eckzimmer im 32. Stock bekommen, von dem man auf beide Seiten der Stadt blicken kann. Alleine das Ankleidezimmer (!) war so groß wie manches Hotelzimmer, das wir hatten. 


Vom Balkon kann man den botanischen Garten „Gardens by the Bay“ und das Meer sehen, auf dem Dutzende von Containerschiffen auf die Weiterfahrt durch die Meeresenge vor Singapur warten. 


Dieses architektonische und aussichtstechnische Highlight unserer Reise kostet uns stolze 300 € die Nacht.

Irgendwie überwinden wir uns, das Hotel auch mal zu verlassen und in der kurzen Zeit etwas von der restlichen Stadt zu sehen. Wir fahren unter anderem mit dem SIA Hop-On (natürlich vollklimatisierten) Stadtrundfahrtbus, der beim Vorzeigen unserer Singapore Airlines Bordkarte günstiger wird. Singapur liegt am Ende des südlichen Ausläufers des asiatischen Festlandes auf einer Hauptinsel, drei größeren und 56 kleineren Inseln. Singapur grenzt im Norden an Malaysia und ist durch die Meeresstraße von Singapur von Indonesien getrennt. Das Klima ist tropisch-feucht. Es gibt eigentlich keine verschiedenen Jahreszeiten. Die Temperatur beträgt das ganze Jahr im Schnitt über 28 Grad und es regnet von Oktober bis Februar etwas mehr als sonst. 


Singapur profitierte davon, wichtiger Handelspunkt und Umschlaghafen auf dem verkehrsreichen Seeweg zwischen Europa und China zu sein. Historischer Tiefpunkt war die Besetzung durch japanische Truppen im Zweiten Weltkrieg. Diese griffen über das malaiische Festland an und umgingen dadurch die starken Verteidigungslinien der Stadt zur See hin.

Entsprechend der großen Bevölkerungsgruppen gibt es ein Chinatown und Indiantown zu besichtigen. Beides sieht aber aus wie eine saubere, nüchterne und geregelte Kopie der Originale oder etwa des Chinatown in Bangkok. Im alten Kolonialdistrikt findet man noch kleine alte Häuser, die im Vergleich zu den neuen Hochhäusern des Financial Distrikts wie Spielzeugschachteln aussehen. 


Beliebtes Ausflugsziel ist der Botanische Garten von 1822. Einen Besuch wert ist auch der neueste botanische Garten „Gardens by the Bay“ direkt neben dem Marina Bay Sands. Auf 101 ha künstlich gewonnenem Land wurde ein Garten mit großen Gewächshäusern und riesigen sog. „Fake Trees“ 2012 eröffnet. Am Abend werden Lichtshows veranstaltet.


Von der Standrundfahrt hungrig geworden, haben wir wie die meisten Singapurer in einem der vielen Food Courts in den Shopping Malls gegessen. Hier gibt es für die Stadt vergleichsweise günstiges Essen und eine große Vielfalt an Gerichten. Auch beim Essen kann man die multikulturellen Einflüsse, die diese Stadt ausmachen, erkennen. Für das Mittagessen zahlen wir etwa 5 Singapur-Dollar.


Bemerkenswert: der Verkehr. Genauer gesagt die geringe Anzahl von Autos und die Vermeidung von Staus. Ein von der Regierung implementiertes rigides Steuerungssystem hat dazu geführt, dass der Verkehr trotz der großen Stadt und der kleinen Landfläche kaum stockt und man schnell vorankommt. Ein riesiger Kontrast zu Städten wie Bangkok oder Saigon. Auch im Hinblick auf die Abgasentwicklung. Die geringe Autozahl wird allerdings dadurch erreicht, dass für Autoimporte eine Steuer von 100% des Autopreises entrichtet werden muss. Wer diesen Preis bereit ist zu zahlen, der muss zusätzlich eine Erlaubniskarte ersteigern, die einem das Recht gibt, innerhalb von 10 Jahren ein Auto zu kaufen. Und schließlich muss in Singapur flächendeckend Maut gezahlt werden. Die Mautgebühr wird dabei von einem elektronischen System geregelt, das das erste seiner Art auf der Welt war. Im Gegenzug für diese strenge Regelung des Kfz-Verkehrs hat die Stadt ein breites und gut funktionierendes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln geschaffen.


Diese rigiden und harten Regeln stellen aber eine weitere wichtige Eigenschaft von Singapur dar. Obwohl der Stadtstaat offiziell eine Demokratie ist, wird er seit Jahren eher autoritär regiert. Die Politik wird seit 1965 von einer Partei dominiert, die Singapur faktisch zu einem Einparteienstaat macht. Viele Gesetze sind sehr streng und es kann die Todesstrafe verhängt werden. Graffiti können mit Prügel mit dem Rohrstock bestraft werden, wobei speziell ausgebildete Justizbeamte harte Schläge auf das entblößte Gesäß ausführen, die zu bleibenden Narben führen. Der Verkauf von Kaugummi war von 1992 bis 2004 verboten und kann heute nur mit Arztrezept und Personalausweis erfolgen. Essen, Trinken und Rauchen in öffentlichen Plätzen ist verboten und unterliegt hohen Geldstrafen. Allerdings dienen viele dieser hohen Strafe mehr als Abschreckung.


Unsere Zeit hier war natürlich viel zu kurz, um ein umfassendes Bild von Singapur zu bekommen. Es ist zwar eine teure, bisweilen künstliche, aber auch eine unglaublich faszinierende Stadt. Wer moderne Großstädte liebt, der sollte Singapur besuchen. Wir sind auch gerade vom Mix der Kulturen begeistert, die sich untereinander alle auf Englisch unterhalten.


Morgen verlassen wir Südostasien. Ein bisschen wehmütig sind wir schon, schließlich haben wir so viele tolle Länder und Menschen auf diesem Teil der Erde kennengelernt. Dafür geht es aber nun wirklich ans andere Ende der Welt und zum südlichsten Punkt unserer Weltreise: Neuseeland. Außerdem freuen wir uns darauf nach so langer Zeit in so heißem Wetter, etwas kühlere Temperaturen im herbstlichen Land der Kiwis zu genießen. Mit Singapore Airlines fliegen wir morgen Abend zunächst nach Christchurch auf die Südinsel und starten von dort unsere Rundreise.

Fazit Tage 102 und 103:

Sauber, modern und glänzend.

Was haben wir heute gelernt? Der Name Singapur kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Löwenstadt“. Laut der Legende soll ein hinduistischer Prinz im Dschungel einen Löwen gesehen haben und von dieser Begegnung beeindruckt die Stadt danach benannt haben.


Samstag, 13. April 2013

Halo! - Bali - Wochen 1 und 2


Bangkok nach Denpasar.


„Du glaubst also daran, dass du bereits 3000 mal wiedergeboren wurdest?“ „Ja, ich bin mehr als 3000 mal wiedergeboren und versuche in diesem Leben dem Zustand der allumfassenden „spirit-consciousness“ wieder ein Stück näher zu kommen.“ „Und, glaubst du, du wirst es in diesem Leben schaffen?“ Yande muss lachen. „Das weiß ich noch nicht.“

Yande Ardana ist Balinese, Erstgeborener und unser Tourguide für einen Tag hier auf der Insel. 17 Stunden verbringen wir zusammen, in denen er uns das Leben auf Bali abseits der Touristenorte und Surfer-Strände zeigt. Und das ist nunmal stark von religiösen Ritualen und Traditionen geprägt, weshalb wir uns mit Yande immer wieder über die für uns Westler fremden hinduistischen Glaubenswelten unterhalten.


Dabei wären wir fast gar nicht nach Bali gekommen. Am 01. April sollte unser Flug mit Thai-Airways von Bangkok nach Denpasar gehen. Die thailändische Hauptstadt verabschiedete uns mit strahlend blauem Himmel, während uns eines der gelben Taxen zum Flughafen Suvarnabhumi brachte. Im Ranking der weltweit größten Flughäfen belegt er den 17. Rang und dementsprechend lang waren die Warteschlangen vor den Check-In Schaltern von Thai. Als wir nach einer Stunde an der Reihe waren und zur Ticketbestätigung unsere Reisepässe abgaben, kam die Überraschung: Es gab keine Buchung für uns für den Flug nach Bali. Wir hätten schon am 25. März fliegen sollen. Ursprünglich war das auch so geplant, aber wir haben bereits vor zwei Wochen über die Reiseagentur unseres Vertrauens die Umbuchung vornehmen lassen, die bereits von Delhi nach Bangkok problemlos geklappt hat. Unklar wo der Fehler lag, gab es ein paar längere Telefonate und Gespräche. Am Ende hatten wir Glück, dass der Flieger nicht ausgebucht war und die professionelle Thai-Mitarbeiterin uns daher zwei Plätze besorgen konnte. Im Laufschritt ging es dann durch die Sicherheitskontrolle, zum Tauschen der restlichen Baht in indonesische Rupiah und als eine der Letzten in das bereits wartende Flugzeug.


Bali ist eine der kleineren Inseln des riesigen indonesischen Inselstaats. In Luftlinie ist sie 95km lang und 145km breit. Die meisten Siedlungen befinden sich im Süden, da zum Norden hin die Landschaft in eine vulkanische Gebirgskette übergeht. 93% der knapp 4 Mio. Einwohner sind ungewöhnlicherweise Anhänger des Hinduismus und machen Bali zu der Region mit den meisten Hindus außerhalb von Indien und Nepal. Ungewöhnlich ist dieser Umstand, weil sich Bali in einem Indonesien befindet, das überwiegend von Moslems bewohnt wird und dass das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt ist.


Gesprochen wird auf Bali natürlich Indonesisch, ein wichtiger einigender Faktor für ein Land, das aus über 16.000 (!) Inseln besteht. Indonesisch hat sich aus dem Malaiischen entwickelt, gleichzeitig viele Wörter aus Fremdsprachen übernommen und benutzt lateinische Schriftzeichen. Das „Halo!“ zur Begrüßung kommt uns natürlich sehr vertraut vor. Unser Loose-Reiseführer verdeutlicht mit einem Beispiel diese interessante Mischsprache: „Wenn ein jerman intelektual mit viel emosi im Restoran am telepon hängt, um vom imagrasi (birokrasi) endlich den pas und die permisi für den impor von einem mobil zu kriegen. Doch der agen polisi hat eine infeksi und ist mit dem taksi zum dokter und zur apotik.“ Neben Indonesisch wird auf Bali aber eigentlich Balinesisch gesprochen. Eine komplett andere Sprache, deren Schriftzeichen eher dem Thailändischen ähneln.


Für uns sind die Tage auf Bali aber vor allem eins: Entspannung. Es tut zur Abwechslung mal gut, für längere Zeit an einem Ort zu bleiben und nicht jeden Tag die Rucksäcke aus- und wieder einzupacken. Deshalb haben wir uns in der Siedlung Legian, an der Grenze zu Seminyak einquartiert. Die beiden Strandabschnitte liegen im Südwesten der Insel nördlich vom Touristenhotspot Kuta. Alle drei, mittlerweile zusammengewachsene, Städte zeichnen sich durch einen kilometerlangen Sandstrand und viele Hotels aus. Überall gibt es Surfschulen am Strand, die einem das Reiten auf den kontinuierlich hereinbrechenden Wellen beibringen möchten. Während in Kuta im Allgemeinen am meisten Trubel herrscht, im positiven wie negativen Sinne, wird es ruhiger je weiter nördlich man kommt, dafür aber auch teurer. Unsere Anlage heißt „Puri Damai“ und vermietet nur 8 Einzel- und 4 Familienapartments.


In der ruhigen (wenn man nicht die Unterkünfte zur Straße hin hat) und netten Anlage gibt es einen kleinen Pool 


und jedes Apartment ist mit einer eigenen nach draußen offenen Küche mit Gasherd, Kühlschrank und Geschirr ausgestattet. Wir konnten endlich mal wieder Lebensmittel einkaufen und selbst kochen.

Aber Bali kann nicht nur entspannend sein. Jeder, der hier einmal an der Strandpromenade oder in der Straße vor seinem Hotel entlanggegangen ist, kennt es und es gibt nur wenige, die nicht an einem Punkt unfassbar genervt sind. Alle fünf Meter wird man angesprochen, jemand möchte dir etwas verkaufen oder dich in sein Geschäft winken oder dich auf seinem Moped mitnehmen. Die vorbeifahrenden Taxen hupen um deine Aufmerksamkeit um die Wette. Jedes dritte Geschäft scheint ein Spa oder ein Massagesalon zu sein und die Damen kreischen dir, eine lauter als die andere, die Wörter „Massage!“ oder „Pedicure!“ oder „Manicure!“ entgegen. Die TOP-3 Sprüche, die, wir gehen jede Wette ein, jeder Balireisende jeden Tag hier zu hören bekommt, sind in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit: Nr. 3: „Excuse me Boss! Have a look in my shop!“ Nr. 2: „My friend! Need transportation?“ Und die Nr. 1, der Klassiker und zeitlos gut: „Hello! Yes?! OKAY!?!“ Das Nervigste an Letzterem war dabei sogar, dass völlig unklar blieb, was einem überhaupt verkauft werden sollte.


Doch all das ist wieder vergessen, wenn man sich mit dem Surfbrett in der Hand durch die schaumigen Wellen Meter um Meter nach draußen ins Meer vorkämpft, sich in der Pause zwischen zwei Wogen aufs Board wirft und umdreht und die wenigen Sekunden auskostet, die man dann auf dem Surfbrett steht, vielleicht sogar die Welle entlang steuert, bevor das Meer beschließt, dass es genug gesehen hat und dir eine Salzwasserspülung verabreicht. Und weil das so viel Spaß macht, kämpft man sich immer wieder aufs Neue hinaus. Alleine oder bucht, so wie wir es gemacht haben, in einer der Surfschulen Surfunterricht. Wir können guten Gewissens Paul's „Up2U Surf School“ empfehlen, die es geschafft hat, nach 90 Bewertungen 5 Sterne bei tripadvisor zu haben und dass sogar Walter bei jeder zweiten Welle auf dem Board stehen konnte.

Das Leben in Bali spielt sich jedoch nicht nur am Strand und in den Straßen mit den Händlern ab, die von den Touristenmassen angelockt wurden. Deshalb finden wir irgendwie die Kraft an einem Sonntag um 03:15 Uhr aufzustehen, einen Kaffee zu trinken und vor dem Hotel auf Yande zu warten. Er holt uns mit seinem Auto ab und wir fahren auf den schmalen Straßen die Berge in Richtung Norden hinauf. Wir mussten um 04:00 Uhr los, um rechtzeitig im Bergdorf Kintamani zu sein und dort den Sonnenaufgang zu erleben. Von einer Gebirgsstraße konnten wir dann am Horizont den mit 3000m Höhe größten Berg und Vulkan der Insel, den Gunung Agung, sehen. Er ist zuletzt 1963 ausgebrochen. Die Balinesen glauben, dass er der Sitz der Götter ist. Links von ihm liegt in einem tiefen ehemaligen Vulkankrater der Batur-See. Der See wird von dem anderen großen und viermal im 20. Jahrhundert aktiven Vulkan Gunung Batur eingerahmt.


Erstaunlicherweise waren wir um diese frühe Uhrzeit in dem kleinen einheimischen Bergdorf nicht allein. Die Straße waren voller Autos und Menschen, die lächelnd und neugierig unsere Stative bestaunend an uns vorbeigingen. Sie waren auf dem Weg zu einem wichtigen Tempel, der sich ganz in der Nähe befand. Die Männer trugen ihre festliche weiße Bekleidung und das weiße Stirntuch, genannt „Udang“, und die Frauen balancierten (ohne die Hände zu benutzen) auf ihren Köpfen die Körbe mit den Opfergaben. Diese waren gefüllt mit Räucherstäbchen, Obst und kleinen Schälchen aus Bananenblättern. Es ist gerade das Fest von Galungan und Kuningan zu Ende gegangen, eine zehntägige Feier zu Ehren der Schöpfer der Welt. Dabei gilt, die zur Erde herabgestiegenen Götter mit Opfergaben willkommen zu heißen.


Nach dem Sonnenaufgang sind wir mit Yande auch in den Tempel gegangen. Damit die Knie bedeckt sind, bekommt auch Walter ein traditionelles Tuch um die Hüften gebunden. Christina muss als Frau sowieso langärmlige Kleidung tragen. Im Tempel sehen wir Statuen zu Ehren von Shiva, die es in ähnlicher Form in den Tempeln der Cham im Dschungel vor Hoi An gab, Ganesh-Figuren, der menschliche Körper mit Elefantenkopf, und erfahren, dass der wichtigste Schrein im Tempelgelände immer derjenige ist, der kein Dach hat. 


Yande führt hier seine kleine Einführung in das balinesisch-hinduistische Denken fort. Das Wichtigste für die Balinesen sei immer das Herz. Der Kopf habe zwar meistens die Kontrolle, aber es gelte ihn auszuschalten bzw. zu kontrollieren und das Herz regieren zu lassen. Das bedeutet, dass man sich frei von negativen Gefühlen, wie Eifersucht oder Gier, machen solle. Um das zu erreichen, müsse man meditieren. Die göttliche Energie durchflute den Körper von oben durch den Kopf und fließe in einem Gang an der Wirbelsäule hinunter. Je größer das meditative Können, desto breiter könne der Kanal fließen. Hindernisse sind die drei Knoten, drei große Druckpunkte, die es zu lösen gilt. Einer sitzt in der Stirn, der zweite in der Brust und der dritte im Steiß. Auf diesem Wege könne man sich dem Zustand der „spirit-consciousness“ nähern.

Vom Tempel fahren wir runter zum Kratersee im Tal 


und weiter zur Tempelanlage von Pura Tirta Empul, in der die Gläubigen sich regelmäßig im heiligen Wasser baden. Es soll heilende Wirkung haben und wird schon seit 1000 Jahren von den Balinesen als Badewasser genutzt. Einige nehmen sich sogar Flaschen und Kanister mit dem heiligen Wasser zurück nach Hause. 


Hier erzählt uns Yande von seiner persönlichen Geschichte der Wiedergeburten. Er ist der Meinung, dass er in seinen vergangenen Leben der „spirit-consciousness“ schön näher war und sich in diesem Leben an die damals gelernten Fähigkeiten erinnern muss. Irgendwann erreiche man die höchste spirituelle Ebene und breche dann aus dem Kreislauf der Wiedergeburten aus. Es ist eine Sache, Ausführungen über das hinduistische Denken in einem Buch zu lesen und als westlich aufgeklärter Mensch vielleicht mit einem Lächeln abzutun, aber eine ganz andere vor einem Menschen zu stehen, der fest an den Kreislauf der Wiedergeburten glaubt und einem die Bedeutung von Kharma erklärt.


Den Rest des Tages besichtigen wir weitere Sehenswürdigkeiten von Bali, wie die berühmten Reisterrassen, 


einen Vogelpark, 


die Künstler-Stadt Ubud, das kulturelle Zentrum der Insel, 



und einen Wasserfall. 


Besonders interessant ist aber der Besuch eines traditionellen Wohnhauses. An der Hausmauer befindet sich eine Plakette, auf der man die Hausnummer und die Anzahl der im Haus lebenden Menschen ablesen kann. 


Vor dem offenen Eingang steht eine kleine Steinmauer, die als Sichtschutz fungiert. Im vorderen Teil des Grundstücks befindet sich die Küche, von der die Frau des Hauses Überblick darüber hat, wer ein- und ausgeht, dahinter das Schlafzimmer der Großeltern und Eltern, eine überdachte Steinerhebung, die an drei Seiten offen ist (hier sei es ja nun mal nicht so kalt wie in Deutschland, sagt Yande), 


und geschützt dahinter das Schlafzimmer der Kinder. Im Nordosten jedes Grundstücks stehen die Haustempel. Einer ist für die drei großen Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva und einer zur Erinnerung an die Ahnen errichtet. Sie stehen im Nordosten, weil im Norden in der Gebirgskette von Bali die Götter wohnen und im Osten die Sonne aufgeht. Yande meint, dass er sein Kissen nachts auch immer zum Nordosten hin ausrichtet, selbst wenn er in einem Hotel in Europa schläft.


Die Balinesen leben in „Communities“, die aus bis zu 150 Familien bestehen. Die Gemeinschaft regelt das Zusammenleben und entscheidet darüber, ob Frauen nur innerhalb der Community heiraten dürfen und wie hoch die Brautsteuer ist, die der Ehemann der Familie seiner zukünftigen Frau zahlen muss. In manchen Orten ist der festgelegte Betrag allerdings so hoch, dass viele Frauen Schwierigkeiten haben, zahlungswillige Männer zu finden. Kommt es zu einer Hochzeit, bleibt gemäß der Tradition der älteste Sohn mit seiner neuen Familie im Haus seiner Eltern wohnen. Die nachfolgenden Geschwister dürfen ausziehen und neue Haushalte gründen. Gibt es keinen Sohn in der Familie, übernimmt die älteste Tochter die Rolle. Daher ist die erste Frage, die ein Balinese einer Balinesin stellt, noch bevor er nach ihrem Namen fragt, ob sie Brüder oder ältere Schwestern hat.


Die Community spielt auch eine große Rolle, wenn es um den Tod von Gemeinschaftsmitgliedern geht. Bei den Balinesen ist das Begräbnis, bei dem der Leichnam kremiert wird, ein „fröhliches“ Fest, da der Geist ja weiterlebt und nur die körperliche Hülle dieses Lebens verlassen hat. Diese Feiern sind jedoch sehr teuer, da alle Menschen der Community eingeladen werden und man für das Essen sorgen muss. Diejenigen, die dafür nicht aufkommen können, begraben den Toten zunächst auf dem Friedhof. Sind im Laufe der Zeit alle Friedhofsplätze belegt, findet für die dort liegenden Toten, in der Regel alle fünf Jahre, eine Massenkremation statt, die von der Gemeinschaft bezahlt wird.

Ein Beispiel für den Glauben an die Wiedergeburt liefert uns Yande in diesem Zusammenhang aus seiner Familie. Er ist der festen Überzeugung, dass sein Großvater als seine Tochter wiedergeboren wurde. Ein Schamane, zu dem die Kinder nach einer gewissen Zeit gebracht werden, hat ihm dies bestätigt. Wie sein Großvater, der Musiker war, liebe auch seine Tochter die Musik. Außerdem habe er leider zu Lebzeiten seines Großvaters nicht so viel Zeit gehabt, sich um ihn zu kümmern, und deshalb sei sein Geist in seiner Tochter wiedergeboren worden, damit er die verpasste Zeit nachholen kann.

Zum Sonnenuntergang bringt uns Yande schließlich zum berühmten Tempel Pura Tanah Lot, der auf einer kleinen Felseninsel an der Küste thront. 


Er ist sicher einer der am meisten besuchten Touristenattraktionen auf der Insel. Fast schöner ist der nur Hundert Meter weiter gelegene Tempel Pura Batu Bolong, der ebenfalls im Meer liegt und über eine Steinbrücke zu erreichen ist.


Wir haben unsere Zeit auf Bali auch gerade wegen des interessanten und lehrreichen Tages mit Yande sehr genossen. Die Insel ist von Menschen bewohnt, die eine faszinierende Kultur besitzen, und hat uns, von den kurzen abendlichen Regenschauern abgesehen, mit tollem Wetter schon jetzt am Ende der Regenzeit verwöhnt. Und vielleicht sind auch wir unserer „spirit-consciousness“ ein Stück näher gekommen.


Obwohl heute ein Flieger von Lion Air über die Landebahn des Flughafens von Bali ins Meer gerutscht ist, werden wir die Insel morgen trotzdem mit dem Flugzeug (nicht von Lion Air) verlassen. Es geht mit Singapore Airlines in ihre namensgebende Heimat Singapur. Für die zwei Nächte im kleinen Stadtstaat haben wir uns in einem ganz besonderen Hotel einquartiert, das sicherlich das Luxus-Highlight der Reise werden wird...

Fazit Tage 88 bis 101:

Bali ist Indonesien, aber Indonesien ist nicht Bali.

Was haben wir heute gelernt: „Die kleinste Einheit ist bei uns die Familie und nicht der Mensch, so wie bei euch.“ Yande