Mittwoch, 24. April 2013

Milford Sound nach Te Anau


Zurückgelegte Kilometer: 97

Eine Nacht in der Natur ist sicherlich nicht für jeden Stadtmenschen eine Wunschvorstellung. Das Sonnenlicht verschwindet um kurz vor 18:00 Uhr, das einzige Toilettenhäuschen ist ein Abort, das nach ursprünglicher Natur riecht und wer mit Taschenlampe im Dunkeln seinen Weg sucht, dem leuchten funkelnde Augen aus dem Gebüsch entgegen. Auf der anderen Seite schlafen wir ja in einem Van, was immer noch komfortabler ist als ein Zelt. Außerdem war die Nacht zwar kühl, aber nicht so kalt wie erwartet. Und nicht zu vergessen ist der Moment, wenn man aus dem Auto steigt und die herrlich frische Morgenluft atmet, die Nebelschwaden über die Felder ziehen sieht und inmitten der Berge sein Müsli und Kaffee zu sich nimmt.

Nach dem Frühstück machen wir unseren ersten „Walk“ des Tages. Nur wenige Meter von unserer Schlafstatt entfernt, beginnt am Südende des Lake Gunns der „Lake Gunn Walk“. Das ist ein (natürlich) ausgeschilderter 45-minütiger Lehrpfad, der durch einen grünen Wald voller Moos und Farne führt, der auch in einer verzauberten Märchengeschichte vorkommen könnte. 


Wir lernen, dass wir zwischen Rotbuchen spazieren gehen, um genau zu sein zwischen Nothofagus Fusca. Nothofagus bedeutet laut Infoschild „falsche“ Buche, während der Fagus, die „echte“ Buche nur in der nördlichen Hemisphäre beheimatet ist. 


Die Rotbuchen gibt es bereits seit 100 Mio. Jahren und seit 40 Mio. Jahren, als sich die Landmasse Neuseelands von einem größeren Urkontinent löste, entwickelten sie sich isoliert von anderen Einflüssen. So wie eben auch der Rest der neuseeländischen Tier- und Pflanzenwelt. 


Der Lake Gunn Walk führt einen auch an den namensgebenden See. Alleine die Aussicht auf das in der Sonne glitzernde Wasser und die Berge lohnen den Spaziergang.


Vom Lake Gunn fahren wir zu unserer Hauptwanderung, die wir heute unternehmen wollen. Dafür geht es wieder ein Stück die Milford Road hinein zum „Divide“, den Pass über die Bergketten. Hier steht eine Schutzhütte, von der man zu drei verschiedenen mehrtätigen Wanderungen aufbrechen kann und von wo man sich nach der Rückkehr wieder mit dem Auto abholen kann. Es gibt aber auch zwei Tageswanderungen, die man entlang der Milford Road machen kann. Die eine liegt am Lake Marian und die andere startet hier. Unser Hike führt zum Key Summit. Das ist eine Bergspitze, von der sich Ausblicke auf drei verschiedene Täler eröffnen. Der Weg folgt dabei zunächst der Spur des mehrtätigen „Routeburn Tracks“, bevor er zum Key Summit abbiegt. Er ist 5km lang, überwindet eine Steigung von 400 Höhenmetern und soll 3 Stunden hin und zurück dauern.


Der gut ausgetretene Weg wurde vermutlich das erste Mal um 1500 von den Maori beschritten, die im Milford Sound auf der Suche nach Jade waren. Wir laufen zunächst durch Regenwald, der von Buchen, Flechten und Moosen dominiert wird. 


Mit den Höhenmetern verändert sich aber auch die Vegetation. Die Bäume werden kleiner und geduckter und die Sträucher übernehmen das Kommando. Als wir in die alpineren Regionen vorstoßen, bieten sich dann auch die ersten Aussichten auf die Bergformationen. 


Auf dem Key Summit gibt es einen alpinen Naturlehrpfad, von dem man die beste Aussicht auf die verschiedenen Täler hat und auch einen Blick auf den Lake Marian erhaschen kann. Die Reiseführer sprechen zu Recht von „traumhaften Aussichten“ und „panoramic views“.


Auf dem Weg nach unten fallen uns zum ersten Mal die vielen von Parkwächtern aufgestellten Fallen für die ins Land eingeführten Ratten und Possums auf. Trotz der Fotostopps schaffen wir es in der angegebenen Zeit wieder an unserem Van im Divide zu sein. Weil wir schon müde sind und der Tag ziemlich vorangeschritten ist, verabschieden wir uns schweren Herzens von Milford und fahren die Panorama-Straße ein letztes Mal zurück nach Te Anau. 


Bevor wir die Road verlassen, machen wir aber noch einen Halt am Standard-Stopp der Touristenbusse, an den „Mirror Lakes“. In den kleinen Seen, die man auch guten Gewissens als Teiche bezeichnen kann und die früher zum Flussbett des Eglinton River gehörten, kann man in windstillen Momenten die Spiegelung der Bergkulisse sehen. 


Die beste Zeit ist kurz nach Sonnenauf- und vor Sonnenuntergang, da das Wasser ganz still liegt.

Während die Sonne für uns untergeht, erreichen wir wieder Te Anau mit seinem blauen See. Wir machen noch ein paar Einkäufe im örtlichen Supermarkt, weil wir nicht wissen, ob morgen am nationalen Gedenktag „ANZAC Day“ die Geschäfte auf sein werden. Die Nacht verbringen wir im „Fiordland Great Views Holiday Park“, der für 36 $ einen schönen Blick auf den See und eine große und geräumige Küche bietet. Aber das Beste waren die vorhandenen Duschen, die wir gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr hatten und sofort austesten mussten.


Fazit Tag 112:

Neuseeland ist Wanderland.

Was haben wir heute gelernt? Neuseelands Natur konnte sich Millionen von Jahre ungestört entwickeln. Die heimischen Vögel profitierten davon, dass sich keine Raubtiere auf den beiden Inseln befanden. Dieses Ökosystem wurde dann aber bereits mit den ersten Siedlern, den Maori, empfindlich gestört. Schon mit den ersten Siedlerkanus kamen Ratten ins Land, die Jungvögel und Vogeleier verspeisten. Spätestens mit den weißen Siedlern kamen auch andere Räuber, wie die nachtaktiven Possum, zu Deutsch Fuchskusu, die sich explosionsartig vermehrten und heute das Überleben vieler Tierarten gefährden. Aus diesem Grund finden nationale Kampagnen gegen diese Tierchen statt, die man lieber vom Auto überfahren auf der Straße liegen sieht als lebendig im Wald.


P.S. Für unsere beiden kleinsten Blog-Leser gibt es auf ausdrücklichen Wunsch hin noch ein weiteres Foto von der Bootsfahrt gestern auf dem Milford Sound:


Dienstag, 23. April 2013

Manapouri zum Milford Sound


Zurückgelegte Kilometer: 185

Te Wahipounamu oder South West New Zealand World Heritage Area ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Neuseelands, das sich über ein Zehntel der Landesfläche erstreckt, und im Südwesten der Südinsel liegt. Zu diesem riesigen Areal gehört auch der Fiordland National Park, der mit 12.500 qkm der größte Nationalpark in Neuseeland ist und vor dessen Toren wir heute aufgewacht sind. Hier liegen alle 14 Fjorde des Landes, die von 2700m hohen Bergen umgeben sind. Diese steile Berglandschaft wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit geformt, die mehr als 1000m dick die U-förmigen Täler in den Boden gruben. Nach dem Schmelzen des Eises drang das Meer in die tiefen Landeinschnitte ein. Und einen davon, den Milford Sound, wollen wir heute besichtigen.

Wir frühstücken wieder im Freien, da der Lake Manapouri uns mit schönem Wetter weckt. Erst im Hellen sehen wir die vielen Oldtimer auf dem Campinggelände und die rustikale Einrichtung in den Gemeinschaftsräumen. Was der Reiseführer als „old-fashioned“ bezeichnet, ist eine Anlage mit Charakter.


Von Manapouri fahren wir den kurzen Weg nach Te Anau und informiere uns im örtlichen i-SITE Visitor Centre, dem Informationsbüro für Touristen, über das heutige Wetter und die Ausflüge im Fjord. Das Wetter soll prima sein und wir buchen für nachher die „Nature Cruise“ auf dem Milford Sound, die etwa eine Stunde länger auf dem Wasser ist als die anderen Bootsausflüge und etwas weiter auf das Meer hinausfährt. Die Bootsfahrt kostet 95 $ pro Person. Um rechtzeitig am Anleger zu sein, müssen wir sofort losfahren.

Der Weg zum Milford Sound führt über die Milford Road, eine 120km lange Sightseeing-Straße, die über die Alpen in die „Sackgasse“ des Fjords führt. Vor Fahrtantritt muss das Auto vollgetankt werden, denn unterwegs gibt es (bis auf eine Notfalleinrichtung) keine Tankstellen mehr. Das heißt, man braucht Sprit für min. 240km. Die Milford Road führt zunächst am schönen Lake Te Anau entlang, durchquert dichte grüne Walder, um in ein beeindruckendes Tal inmitten unglaublicher Gebirgsformationen zu fahren. Obwohl sich die Straße zuweilen in Serpentinen windet und es Geschwindigkeitsbegrenzungen auf bis zu 15 km/h gibt, vergeht die Fahrt viel zu schnell. Die Aussicht aus dem Auto ist phänomenal. Man möchte am liebsten alle fünf Minuten anhalten und die Umgebung mit Fotos festhalten. Es ist sicherlich eine der landschaftlich beeindruckendsten Gegenden, durch die wir bisher gefahren sind.


Zu dem weltberühmten Dreiklang von Milford gehört neben Sound und Road auch noch der Milford Track. Aus den ehemaligen Trampelpfaden und Handelswegen für Jadesteine der Maori ist heute der begehrteste Landstreckenwanderweg der Welt geworden. Schon seit dem späten 19. Jahrhundert wird der Milford Track von Wanderern aus aller Welt begangen. Eine britische Autorin bezeichnete ihn schon vor 100 Jahren als „the finest walk of the world“. Um ihn zu begehen, muss man die notwendigen Buchungen schon Monate im Voraus erledigen, um dann in Ruhe in etwa 4 Tagen die 53,5 km zum Fjord durch diese beeindruckende Landschaft zurückzulegen. Wer nicht so lange wandern oder nicht so viel Geld ausgeben möchte, der kann auch einfach einen der vielen kostenlosen Walks und Tracks erkunden, die entlang der Milford Road eingerichtet wurden und ebenfalls durch das imposante Bergpanorama führen. Garniert wird das Ganze noch mit zahlreichen Aussichtspunkten und Fotostopps, die wie so alles hier in Neuseeland hervorragend ausgeschildert und erklärt sind.

Nach 85km erreichen wir die Wasserscheide „the Divide“, mit 532m über dem Meer den niedrigsten Pass über den Hauptkamm der Südalpen. Unser tapferer Van kraxelt wieder die Höhenmeter bis 900 hinauf, wir schauen staunend aus dem Fenster und sehen die über 2700m hohen Gipfel der Darran Mountains. Nach 101km taucht plötzlich eine unüberwindliche Felswand vor uns auf, durch die uns der kleine, einspurige (!), mit Ampeln und einer Steigung von 1:10 versehene und tropfende (!) 1270m lange Homer Tunnel führt. Wir tauchen aus der Dunkelheit auf und steile nach unten führende Serpentinen bringen uns über die letzten Kilometer endlich ans Ziel.

Wir sind rechtzeitig da und können in Ruhe den Milford Mariner betreten, das Boot, das uns in die atemberaubende Welt des Fjords und bis an die Mündung zur Tasman Sea bringt. 


Während das Wasser an der Schwelle des Fjords nur 80m tief ist, sinkt die Wassertiefe danach auf bis zu 300m. Rechts und links sehen wir steile Felswände in die Höhe steigen. Viele Gipfel sind in Wolken gehüllt. Der viele Regen sorgt dafür, dass an den weniger steilen Hängen dichtes Grün in Form eines temperierten Regenwalds wächst. 


An mehreren Stellen prasselt das Wasser in großen Fällen in den Fjord. Es ist eine Landschaft, die uns (vielleicht auch weil wir bislang noch keinen Fjord gesehen haben) staunend hinterlässt und die man eigentlich nicht auf Fotos festhalten kann. Der Besuch des Milford Sounds ist tatsächlich ein Highlight unserer Neuseelandrundreise.


Zurück am Ufer, bereiten wir den Rückweg vor. Wir werden heute Nacht den Nationalpark nicht verlassen, sondern in einem Campground der Naturschutzbehörde übernachten. Dafür fahren wir etwa 40km zurück zum Lake Gunn. Unterwegs halten wir am „Chasm Walk“, ein von einem Fluss abgeschliffener und skulpturenartiger Kamm. Der kurze „Walk“ dauert etwa 30 Minuten. 


Nach dem Chasm Walk halten wir am „Hollyford Valley Lookout“, der einen Blick auf eines der immergrünen Täler gewährt, die durch die Gletscher entstanden sind.

Unser Nachtlager schlagen wir dann in der Nähe des Lake Gunn auf. Der Campingplatz liegt auf einer Lichtung im Wald, die von den hohen Bergkämmen eingerahmt wird. Nur etwa zwei oder drei weitere Fahrzeuge stehen verstreut auf dem Gelände, auf dem es kein Strom und nur eine kleine Toilette gibt. Dafür haben aber unseren Gaskocher, mit dem wir ein Nudelgericht und Tee zubereiten können und genießen eine Stille, weitab von jeglicher Zivilisation.


Fazit Tag 111:

Neuseeland hat Fjorde.

Was haben wir heute gelernt? Neuseeland ist DOC. Das Department of Conservation ist die Superbehörde zum Schutz von Natur und verwaltet ein Drittel des Staatsgebiets. Dank gut ausgeschilderter Wege, Informationstafeln und Wanderbroschüren kann man die neuseeländische Flora und Fauna ohne Probleme auf eigene Faust erkunden.


Montag, 22. April 2013

Moeraki Village nach Manapouri

Zurückgelegte Kilometer: 459


Die Regenwolken sind weg und die Sonne scheint durch die Vorhänge in den Innenraum des Vans. Ein toller Morgen und wir stellen fest, dass wir einen schönen Blick auf das Meer und den Hafen von Moeraki haben. Das bedeutet gute Laune, obwohl der Wecker um 7:30 Uhr geklingelt hat. Frühes Aufstehen ist angesagt, weil wir heute noch einige Kilometer zurücklegen wollen. Trotzdem bleibt die Zeit, unsere Campingstühle das erste Mal auszupacken und im Freien zu frühstücken. Hier im Flachland ist es auch deutlich wärmer als im 700m höheren Lake Tekapo.


Wir fahren in den Süden von Otago und unser erster Stopp ist die Universitätsstadt Dunedin. Der Weg dorthin führt über zahlreiche Hügel, die in die sanfte Landschaft gebettet sind. Sie scheinen wie von einem großen Pinsel gemalt und tragen dazu bei, dass es einfach Spaß macht, mit dem Auto durch Neuseeland zu fahren. Selbst wenn das Wetter wieder schlechter wird, als wir die steile Abfahrt runter nach Dunedin nehmen. Die Stadt ist mit etwa 120.000 Einwohnern die zweitgrößte der Südinsel und war Sitz der ersten Universität des Landes. 


Über 20.000 Studenten sorgen dafür, dass in den Straßen viele Cafés und Kneipen aufgemacht haben und es eine reiche Kulturszene gibt. Außerdem gibt es eine öffentliche Bibliothek, die wie jede in Neuseeland kostenloses Internet zur Verfügung stellt und in der wir Bilder für den Blog hochladen können. 


Unter den vielen repräsentativen Gebäuden, die während der Blütezeit Dunedins als Handelsstadt für Vieh und Gold aus den nahegelegenen Feldern in Otago entstanden sind, sticht ausgerechnet der Bahnhof hervor, der in unserem Reiseführer sogar als schönster Bahnhof der Welt gepriesen wird. 


Auf jeden Fall bleiben uns die steilen Straßen Dunedins in Erinnerung, die sich über die Hügel vulkanischen Ursprungs erstrecken.

Nicht lange nach Dunedin verlassen wir die Region Otago und fahren in die „Catlins“. Es handelt sich dabei um ein, selbst im Vergleich zum restlichen Neuseeland, dünn besiedeltes Gebiet, das für seine zerklüftete Küstenlandschaft, aber auch für sein raues Wetter bekannt ist. Wir sind zwar nur auf der Durchreise, machen aber einen Abstecher zum sog. „Nugget Point“, ein steiler Landvorsprung mit einem Leuchtturm. Die Fahrt dahin dauerte länger als erwartet, weil uns zum einen dichter Nebel umhüllte und sich zum anderen die Straße für mehr als 5km in eine löchrige Schotterpiste verwandelte, die die Tachonadel auf 20 km/h sinken ließ. Und der Nebel umhüllte auch das „landschaftliche Highlight im Norden der Catlins“, so dass der Leuchtturm, der 133m über dem Meer thront, nur als Schemen zu erkennen war. 


Der kräftige Wind und die aufspritzende Brandung zeigten uns aber, dass wir tatsächlich am Meer waren. Wir dachten schon, dass sich der zeitaufwändige Ausflug nicht gelohnt hat, als wir den unterhalb des Leuchtturms gelegenen kurzen Fußweg zu einem Pinguin-Beobachtungsstand langspazierten. Der führte in eine geschützte Bucht, in die der Nebel nicht vorgedrungen ist. Aus der kleinen Holzhütte sahen wir dann, wie eine kleine Kolonie von Gelbaugenpinguinen von ihrer alltäglichen Fischjagd im Meer zu ihren Behausungen in der Steilküste zurückkehrten. Man sah zuerst, wie sich schwarze Punkte im Meer dem Strand näherten, bis sich diese in Pinguine verwandelten, die sich mit einem kleinen Sprung aus dem Wasser auf ihre Füße hievten und den Strand gemächlich nach oben hüpften. 


So elegant sich Pinguine in ihrem natürlich Element bewegen können, so tolpatschig und langsam sehen sie auf dem Land aus. Für uns war das wie eine Tierdokumentation in 3-D.

Erfreut über diese erneute Begegnung mit den Pinguinen, war die Fahrt zurück zur Hauptstraße nur halb so wild. Vom Nugget Point führte unser Weg über die Städte Balclutha, Gore und Lumsden in Richtung Westküste der Südinsel und nach Te Anau, dem Tor zum Fiordland National Park. Unterwegs tauchten die geschwungenen Hügel und die Schafherden in das rötliche Licht des Sonnenuntergangs, bis wir in der Dunkelheit der Nacht das scheinbar einzige Fahrzeug auf den Straßen waren. Kurz nach 20:00 Uhr kamen wir in Te Anau an und mussten zu unserer Überraschung feststellen, dass die Campingplätze schon geschlossen waren. Es gab zwar noch etliche freie Stellplätze, allerdings sind die meisten Rezeptionen wohl nur bis 18:00 Uhr oder 20:00 Uhr besetzt. Wahrscheinlich haben wir auch gegen gute Campingsitten verstoßen, nach denen man sich besser bis Sonnenuntergang einen Platz gesucht und es sich dort gemütlich gemacht hat. Schließlich hatten wir aber noch einmal Glück und konnten einen Campingplatz in der Nachbarstadt, d.h. nur 20km entfernt, Manapouri telefonisch erreichen. Die freundliche Joel, eine rüstige ältere Dame aus San Francisco, begrüßte uns auf ihrem Campground neben dem schönen Lake Manapouri, der mitten im Wald zu liegen schien. Sie ist vor 42 Jahren nach Neuseeland gekommen und leitet seit 41 Jahren diese Ferienunterkunft. Wir sehen noch drei andere Wagen auf dem Gelände stehen, schlagen schnell unser Lager auf und verschwinden begleitet von unbekannten Tierlauten aus dem nahen Wald in das schützende Innere unseres Campers. Morgen geht es über Te Anau auf die 120km lange Milford Road zum vielleicht berühmtesten Fiord im National Park, dem Milford Sound. Unser Reiseführer verspricht uns atemberaubende Landschaften und wir sind gespannt, ob die Realität diese Versprechungen einlösen kann.

Fazit Tag 110:

Neuseeland ist ein Land mit Pinguinen.

Was haben wir heute gelernt? Viele Campingplätze haben um 20:00 Uhr schon zu.

Sonntag, 21. April 2013

Lake Tekapo nach Moeraki Village

Zurückgelegte Kilometer: 288

Wir machen die Augen auf und stellen fest: Es ist kalt. Keiner möchte aus dem warmen Schlafsack steigen und das Frühstück vorbereiten. Was sich wie der Blog-Eintrag von gestern anhört, beschreibt nur zu gut den heutigen Morgen. Alles ist relativ und der Peel Forest erscheint in der Erinnerung als warm, wenn man am Lake Tekapo 1 Grad in der Nacht hat. Der See liegt nunmal deutlich höher als der Wald. Aber die Kälte kriecht schnell aus den Gliedern, sobald die Heißluft weht und man aus dem Wagen steigt und die herrlich frische Luft atmet. Es hat aufgehört zu regnen und der See liegt klar und still vor uns.

Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal für Fotoaufnahmen zur Kirche des guten Hirten hinunter. Obwohl wir um 7:00 Uhr aufgestanden sind, schaffen wir es wieder nicht als Erste den Campingplatz zu verlassen. Von der Kirche machen wir den Abstecher hoch zum Mount John. 


Die Straße wird einspurig und sehr steil, aber unser Van bringt uns im zweiten Gang und etwas Murren nach oben. Es gibt hier ein Café, das durchgefrorene Wanderer, die zu Fuß auf den Gipfel gestiegen sind, etwas aufwärmt. Man hat eine schöne Aussicht auf die ockergelben bis braunen Tussock-Felder und auf Lake Tekapo und den kleinen Lake Alexandrina.


Unsere Reise geht weiter in Richtung Südwesten dem State Highway 8 folgend. Wir bleiben im Gebiet des Alpenvorlandes und halten am nächsten großen See, Lake Pukaki. Er ist Teil des großen Seensystems, das von Menschenhand verändert wurde, um aus Wasserkraft Strom zu gewinnen. Der Wasserspiegel des Lake Pukaki wurde beispielsweise um 45m angehoben. Die von den vielen Stauseen angetriebenen Kraftwerke können ein Drittel des neuseeländischen Strombedarfs decken. Neben der Stromproduktion dienen die Seen aber auch als Zuchtbecken für Lachsfarmen. Die hohe Wasserqualität soll angeblich dafür sorgen, dass die Fische ohne Medikamente gezüchtet werden können. Neben unserem Halteplatz ist eine Verkaufsstelle dieser Fischfarmen und bietet 100g Lachs für 6 $ feil. Vielleicht schlagen wir ja das nächste Mal zu. Normalerweise hat man vom Ostufer des Lake Pukaki, an dem wir stehen, einen guten Blick auf den mit 3754m höchsten Berg der neuseeländischen Alpen, den Mount Cook oder mit Maori-Namen Aoraki. Dunkle Wolken verhindern jedoch den uneingeschränkten Blick auf die Bergspitze.


Auf der Weiterfahrt kommen wir an dem nächsten Landstrich vorbei, der durch die Herr der Ringe-Verfilmung Berühmtheit erlangt hat. Auf den Weiden westlich der Stadt Twizel „fand“ die große Entscheidungsschlacht im dritten Teil der Trilogie statt. Beim größten Massendreh des Films waren etwa 1500 Statisten dabei, von denen ein paar heute als Tourguide für den Besuch des ehemaligen Sets fungiert.

Wir biegen kurz darauf in Richtung Südosten ab und fahren wieder zur Küste am südpazifischen Ozean. Es ist das Gebiet von Otago. Countrylife wie es im Buche steht. Vereinzelte Häuser und Dörfer, viele Schafe und Rinder und zunehmend Rotwild dominieren die Umgebung. Leider aber auch der wieder einsetzende starke Regen. Wir halten trotzdem unseren Kurs, um südlich von Oamaru zwei Sehenswürdigkeiten dieser Küstenregion zu besichtigen. Am Strand in der Nähe von Moeraki gibt es Konkretionen zu bewundern. Das ist eine schöne Umschreibung für ungewöhnlich große Steinkugeln.


Es liegen etwa 50 von ihnen vor Moeraki herum, wobei die größten von ihnen einen Durchmesser von über zwei Metern haben können. Das außerordentliche Aussehen dieser Steine hat schon die Maori veranlasst, nach Erklärungen zu suchen: Ein legendäres Ahnen-Kanu ist vor dieser Küste gekentert und die Wasser- und Verpflegungskörbe sind an den Strand gespült worden, wo sie sich heute in ihrer steinernen Form zeigen. Nahegelegene Klippen sind der Rest des Bootskörpers und der Kapitän ist in einem bestimmten Felsvorsprung zu sehen. Die wissenschaftliche Erkärung ist viel nüchterner, wenn sie davon spricht, dass die Steine Mineral-Aggregate sind, die durch chemische Prozesse von einem Mittelpunkt nach außen gewachsen sind. Ein Vorgang, der auch mal 4 Mio. Jahre andauern kann.


Für die zweite Sehenswürdigkeit müssen wir auf die Halbinsel mit dem Dorf Moeraki hinausfahren und dort über eine dem Van und seinen Insassen angsteinflößende Schotterpiste zum Katiki Point. Es gibt einen Leuchtturm und unterhalb davon einen Beobachtungsstand, aus dem man die hier lebenden Gelbaugenpinguine aus nächster Nähe sehen kann. Obwohl es regnet und ein heftiger Wind weht, stehen die treu dreinblickenden Pinguine nur wenige Meter entfernt auf den Steinen vor dem Meer.


Gelbaugenpinguine gibt es nur im südlichen Neuseeland und auf weiter südlich gelegenen neuseeländischen Inseln. Sie sind eine der seltensten Pinguinarten und gelten als stark vom Aussterben gefährdet. Von dem Beobachtungsstand folgen wir gegen Wind und Wetter ankämpfend einem kleinen Pfad zu einer Landspitze. 


Unterwegs sieht man noch den einen oder anderen durchnässten Pinguin im Unterholz stehen. 


Auf dem kleinen Landvorsprung, der von tosenden Wellen umgeben ist, sehen wir sie dann: eine Kolonie Fellrobben. 


Es ist faszinierend diese Tiere, die man eigentlich nur aus „arktischen“ Dokumentationen im Fernsehen kennt, aus fünf Meter Entfernung (den Abstand, den man laut Hinweisschild einhalten soll), noch dazu in freier Wildbahn, zu sehen. Wir sind pitschnass als wir unsere (Foto-)Neugier endlich befriedigt haben und zurück zum Auto können. Die nassen Kleider war dieser Ausflug aber wert.


Im Auto müssen wir entscheiden, was wir die nächsten Tage machen. Unser nächstes großes Etappenziel und vielleicht ein Highlight unserer Rundreise auf der Südinsel ist der Besuch des „Milford Sound“ im Fiordland National Park an der Südwestküste. Momentan regnet es dort, aber für übermorgen ist gutes Wetter vorausgesagt. Wir beschließen also das Risiko der richtigen Wettervorhersage einzugehen und morgen die sehr regnerische Ostküste zu verlassen. Das heißt, es wird ein langer Fahrtag, den wir aber mit dem einen oder anderen Zwischenstopp auflockern wollen. Für die heutige Nacht bleiben wir auf der Halbinsel und schlafen in einem Campingplatz im Moeraki Village, der auf einer Anhöhe über dem geschützten Hafen des Örtchens liegt.

Fazit Tag 109:

Von den Seen in den Bergen zu den Pinguinen vor den Küsten.

Was haben wir heute gelernt? Wie man nasse Kleidung im Camper-Van schnell wieder trocken bekommt: nämlich gar nicht.

Samstag, 20. April 2013

Peel Forest zum Lake Tekapo

Zurückgelegte Kilometer: 117

Wir machen die Augen auf und stellen fest: Es ist kalt. Keiner möchte aus dem warmen Schlafsack steigen und das Frühstück vorbereiten. Später erfahren wir, dass die Nacht nur 5 Grad warm gewesen ist. Aufgewacht sind wir erst um 10:00 Uhr und die beiden anderen Vans sind schon weg. Die (nur) vier Stunden Zeitverschiebung und vor allen Dingen die schlaflose Nacht im Flieger wirken immer noch nach. Eigentlich muss man die meisten Campingplätze bis 10:00 Uhr verlassen haben, aber wir sind in der Nebensaison und es ist so gut wie nichts los hier.

Irgendwer (vermutlich Christina) hat es dann doch geschafft, den kleinen heater anzumachen, der tapfer gegen die Kälte angekämpft hat und den Wagen in wenigen Minuten schön warm gemacht hat. Zum Frühstück gibt es Müsli mit Joghurt, Instantkaffee mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher und O-Saft. 


Was wir wirklich nicht vermissen: scrambled eggs! 


Das Geschirr waschen wir in der Gemeinschaftsküche ab, packen das Stromkabel ein und entleeren die Plastikwanne für unseren Wasserablauf. Und schon sind wir mit unserem Toyota wieder auf der Straße.

Heute legen wir die kurze Strecke zum Lake Tekapo zurück. Dafür fahren wir ins Landesinnere in das Mackenzie Country. Das liegt in den Southern Alps, der prominenten Bergkette der Südinsel, und ist eine Hochebene, die mehr als 700m über dem Meer liegt. Die Straße schlängelt sich demgemäß auch eine hügelige Landschaft hinauf, bis wir den Burkes Pass auf 829 Höhenmetern erreichen. Die Vegetation ist einfacher geworden, Bäume fehlen und Sträucher dominieren. Ockergelb ist die dominierende Farbe der Umgebung. Diejenigen, die Herr der Ringe kennen, müssen sich einfach nur die Landschaft vorstellen, in der das Reitervolk von Rohan aus dem zweiten Teil der Trilogie lebt. Ziemlich genau so sieht es hier aus.

Der Lake Tekapo liegt im Mackenzie Basin und ist ein beliebter Stopp bei Rundreisen. Obwohl das Wetter schlecht ist, beeindruckt er mit seinem türkisen Leuchten vor einer Bergkulisse. 


Es ist wohl das Gletschermehl, feiner Gesteinssand aus den hohen Bergen, das durch die Flüsse in den See geschwemmt wird und bei Sonneneinstrahlung türkis aussieht. 


Laut unserem Reiseführer kann man das Phänomen auch mit Google Earth aus der Satellitenperspektive prima beobachten. Wir sind schon auf etwaige Rückmeldungen gespannt.

Direkt am See liegt die 1935 erbaute „Church of the Good Shepherd“, eine der beliebtesten Hochzeitskirchen im ganzen Land. 


Tatsächlich verschwindet gerade ein Brautpaar mit seinem Fotografen als wir auf den Parkplatz biegen. Einen Altar gibt es nicht, stattdessen wurde ein großes Panoramafenster eingebaut, das den Blick auf den dahinter liegenden See freigibt.

Unser Campingplatz für die Nacht ist der private „Lake Tekapo Motels and Holiday Park“ und kostet teure 40 $ für einen Stellplatz mit Strom. Dafür kriegen wir aber noch den letzten Lakeside-View Platz!


Strom ist schnell angeschlossen, die Wasserwanne untergestellt und schon können wir uns in der schönen Gemeinschaftsküche unser Mittagessen kochen. Die heiße Dusche gibt es für 2 $ für 10 Minuten und ist bei den kühlen Temperaturen hier oben sehr zu empfehlen. Aus dem dank des heaters schön warmen Van können wir dann entspannt beobachten, wie kurz vor Sonnenuntergang die Wohnmobile in Scharen auf die Anlage kommen und die vermutlich schon einige Stunden vorher reservierten Stellplätze besetzen. 


Auffällig: Wir sehen erstaunlich viele Asiaten, die in großen Wohnmobilen für 4 bis zu 6 Personen Neuseeland erkunden.

Viele Besucher kommen zum Lake Tekapo, weil man bei klarem Himmel besonders gut Sterne beobachten kann. Es gibt keine städtische Lichtverschmutzung und die Lage fast auf dem 45. Breitengrad sind hervorragende Bedingungen, die die University of Canterbury mit ihren amerikanischen Partnern veranlasst haben, auf dem nahegelegenen Mount John ein Observatorium zu bauen, um von dort in den Nachthimmel zu blicken. Unser Himmel ist bedeckt, so dass wir die Nacht im Van verbringen und erst morgen die 300m zum Mount John hochfahren und die Aussicht auf das Mackenzie Basin testen werden.


Fazit Tag 108:

Neuseeland lässt sich wunderbar mit dem Wohnmobil bereisen.

Was haben wir heute gelernt? Es gibt keine Autobahnen in Neuseeland. Die Verbindungsstraßen, die auf der Karte groß und breit erscheinen, sind Landstraßen, mit je einer Spur in jede Richtung. Einzig wenige Kilometer um Dunedin, Christchurch, Wellington und Auckland gibt es mehrspurige Autobahnen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den meisten Straßen liegt bei 100 km/h außer- und 50 km/h innerorts.


Freitag, 19. April 2013

Christchurch zum Peel Forest

Zurückgelegte Kilometer: 153

Vorfreude. Wir stehen nach dem Weckerklingeln zügig auf, frühstücken schnell, checken aus und zahlen 6 NZ-$ für unsere Warmwäsche. Mit sauberen Klamotten im Gepäck fahren wir mit dem Bus zum Flughafen bzw. bis eine Haltestelle davor. Die Busfahrerin lässt zwischen den Haltestellen eine (ihre Lieblings-?) Musik-CD laufen und unterhält sich mit den Fahrgästen. Nett diese Kiwis. Unglücklicherweise vergessen wir, rechtzeitig auf den Halteknopf zu drücken und fahren bis direkt vor das Flughafen-Terminal. Ups.

Ein Anruf bei Apollo bzw. Hippie Camper, unserem Camper-Van-Vermieter, und wir werden zehn Minuten später kostenfrei abgeholt und zur Filiale in der Nähe des Flughafens gebracht. Doch bevor wir endlich unser neues Zuhause für die nächsten Wochen überreicht bekommen, müssen wir ein nerviges Verkaufsgespräch, das als Übergabegespräch getarnt ist, überstehen. Ob wir denn nicht unsere Kaution verringern, ein Komplett-Rundum-Sorglospaket oder ein halbes Rundum-Sorglospaket buchen wollen. Man müsse ja bedenken, dass nicht alle so tolle Autofahrer wie wir seien und überhaupt auch 15-Jährige hinter dem Steuer sein könnten (wirklich?!). Und nachdem wir zum fünften Mal dankend abgelehnt haben, bekamen wir endlich das Paket, das wir gebucht hatten. Immerhin waren wir auf diese Überredungsversuche vorbereitet, da schon andere Reisende davon in Reiseberichten erzählt haben. So ganz undankbare Kunden waren wir auch nicht, schließlich haben wir noch einen Tisch mit zwei Stühlen und, sehr wichtig bei den herrschenden Temperaturen, einen „heater“ zusätzlich gemietet.

Nach der Unterschrift ging es endlich hinaus zu unserem neuen Gefährt. 


Das gute Stück ist ein umgebauter Toyota, der als „Hitop Hippie Camper Van“ firmiert. Er soll Schlafplätze für 3 Personen bieten, wobei der dritte Schlafplatz wohl nur für Kinder geeignet ist. In der Fahrerkabine könnten drei Personen sitzen, zu zweit hat man eine schöne große Ablagefläche.


Ungewohnt ist natürlich, dass das Lenkrad auf der rechten Seite angebracht ist und man mit der linken Hand (!) schalten muss. Durch eine Schiebetür kommt man in den Innenraum, in dem man stehen kann. Es gibt zwei kleine Schränke, wobei sich auf dem einen die Spüle befindet und auf dem anderen der Gasherd. Das Wasser wird mit dem Hahn „gepumpt“ und den Gaskanister muss man von außen auf- oder zudrehen. Zusätzlich gibt es noch eine Mikrowelle und einen kleinen Kühlschrank. 


Mikrowelle und Steckdosen funktionieren allerdings nur, wenn man in einem Campingplatz ist, der einen externen Stromanschluss bereitstellt. Licht und Kühlschrank funktionieren immer und werden von einer zweiten Batterie betrieben. Weiter hinten hat man entweder zwei Sitzbänke mit einem Tisch in der Mitte oder das Bett, wenn der Tisch runtergeklappt, eine weitere Holzplatte danebengelegt wird und die Sitzkissen als Matratze fungieren. Bettwäsche wird gestellt.


Wir beschließen, solange es noch hell ist, das Bett zu machen und den Innenraum in dieser Variante für die meiste Zeit zu belassen. 


Unsere Gegenstände werden fest verstaut, die Rucksäcke weggepackt und die Schränke abgeschlossen. Schon stürzen wir uns in den Linksverkehr und steuern unser nächstes Ziel an: einen großen Supermarkt. Christina achtet streng darauf, dass Walter auf der richtigen Spur fährt und in die richtige Spur abbiegt, während Walter eigentlich am meisten stört, mit der linken statt der rechten Hand zu schalten.

Irgendwie schaffen wir es unversehrt auf den Parkplatz des „Pak'n'Save“, der angeblich günstigere Supermarkt in Neuseeland. Nach mehr als einer Stunde ist der Einkaufswagen voll und unser Geldbeutel um 145,98 NZ-$ leichter. Wasser kostet 99 Cent pro Flasche, den Käse kaufen wir in der 1-KG Packung, die Budget Salami liegt bei 2,99 NZ-$ und der Joghurt für 4,59 NZ-$ gibt uns den Rest. Dafür sind unsere Vorräte aufgefüllt und dank Christina hat alles seinen Platz im Van gefunden und ist bestens verstaut.


Draußen wir es bereits dunkel. Das Autoabholen und Einkaufen dauert immer länger als man denkt. Deshalb disponieren wir um und fahren heute nicht mehr zum Lake Tekapo, sondern suchen uns eine Unterkunft für die Nacht, die näher an Christchurch liegt. Wir fahren zum Peel Forest Park, der in den Canterbury Plains liegt. Die Plains sind eine fruchtbare Landschaft, die durch die Gletscherströme entstanden sind. Diese Flüsse wiederum kommen von der Bergkette, die die Südinsel durchzieht und passenderweise Southern Alps genannt werden. Bevor wir aber zu den Bergen kommen, machen wir unterwegs in dem kleinen Stück „Urwald“ Halt, der bereits seit 100 Jahren unter Naturschutz steht. Die Landschaft, die an uns vorbeizieht, ist grün und nass, denn es regnet seit der Abfahrt in Strömen. Nun gut, wir hatten ja wirklich lange gutes Wetter gehabt auf dieser Reise.

Durch die Dunkelheit führen unsere GPS-Ortung im Handy und zwei verschiedene Karten. Wir biegen von der Hauptstraße an der Küste ab und kommen auf verlassene Straßen, auf denen wir das einzige Auto weit und breit sind. Eine schöne Abwechslung zum bevölkerungsreichen Südostasien. Schließlich finden wir im Wald ein kleines beleuchtetes Häuschen (nicht ohne das erste Mal daran vorbeizufahren), in dem sich die Campingplatz-Verwaltung befindet. Alles läuft ziemlich unkompliziert: Wir füllen einen Zettel aus, bezahlen 35 $ für einen Stellplatz mit Strom und kriegen auf einer Karte gezeigt, wo wir hinfahren sollen. Der Campground ist fast leer, nur zwei andere Autos stehen noch da. Wir parken in der Nähe der Toiletten, Duschen und Gemeinschaftsküche und bereiten uns auf unsere erste Nacht im Camper-Van vor. Das Stromkabel ist schnell angeschlossen und der Wasserkübel neben dem Hinterrad unter unseren Abfluss gestellt. 


Die Anlage sieht sehr schön aus und die Einrichtungen sind sauber. Dafür wird es draußen bereits ziemlich kalt. Wir wollen trotzdem testen, ob wir die Nacht ohne heater überstehen und auch Campgrounds ohne Stromversorgung, die günstiger sind, nehmen können. Unsere treuen Schlafsäcke, die uns schon in Indien wertvolle Dienste geleistet haben, müssen uns auch jetzt wieder warmhalten.

Beim Einschlafen lauschen wir und hören: nichts. Was für eine Wohltat nach den lauten letzten Wochen. Die Stille wird nur gelegentlich von Regengüssen unterbrochen. So schlafen wir in den Wäldern von Neuseeland ein.


Fazit Tag 107:

Neuseeland ist teuer.

Was haben wir heute gelernt? Linksverkehr.