Samstag, 27. April 2013

Haast nach Fox


Zurückgelegte Kilometer: 172

Die nächsten beiden Tage stehen im Zeichen der Gletscher. Wir wollen die berühmten Eisfelder von Fox und Franz Josef besichtigen, die sich von fast 3000m Höhe bis in die Regenwaldzone des Voralpenlandes erstrecken. Aber zunächst mussten wir die Nacht in Haast überstehen. Der vorausgesagte Sturm zog tatsächlich auf und ließ den Van bedenklich hin und her wackeln. Bedenklich jedenfalls für die eine von uns, während der andere seelenruhig weiterschlief. Große Regentropfen verursachten ein lautes Stakkato und das Stromkabel klopfte an die Seitenwand, was manche von uns veranlassten, dies als Tiergeräusche zu interpretieren.

Nach der stürmischen Nacht folgte aber ein sonniger Morgen. Da wir uns im Holiday Park eine 24-stündige WiFi-Verbindung für 5 $ gekauft hatten, nutzen wir die Gelegenheit, um mit unserer Familie in Deutschland zu skypen, die am zu Bett gehen war, während wir gerade frühstücken. Bevor wir von Haast die Küstenstraße SH-6 folgend nach Nordosten in Richtung Fox fahren, machen wir noch einen kleinen Abstecher in den südlichsten zu befahrenden Teil der Westcoast, die Jackson Bay. 


In der Nähe von Okuru laufen wir den „Hapuka Estuary Walk“, der durch einen mit Schilf bewachsenen Küstenstreifen und Regenwald führt. 


Ein Holzsteg leitet uns über das Wasser, bis wir hinter einer Biegung an eine Stelle kommen, an der der Steg überschwemmt ist. Der heftige Regen in der letzten Nacht hat wohl zusammen mit der jetzt einsetzenden Flut seine Spuren hinterlassen. 


Man kann erkennen, wie das Wasser Zentimeter um Zentimeter steigt. Damit wir nicht mit unseren Wertsachen baden gehen, machen wir uns lieber sofort auf den Rückweg. Tatsächlich sind Teile des Weges, die wir vor ein paar Minuten passiert haben, schon von Wasser bedeckt. Mit ein paar beherzten Sprüngen kommen wir aber noch locker aus der Gefahrenzone.


In Haast tanken wir den Camper voll und genießen die Fahrt an der Steilküste. 


Den vermutlich besten Ausblick über dieses kleine Vorgebirge hat man am Knights Point. Die Straße, die hier vorbeiführt, wurde erst nach 1965 gebaut und ab 1995 asphaltiert. Ziemlich spät, wenn man bedenkt, dass der State Highway 6 die einzige Verkehrsader an der Westküste ist. So erscheint das Motto von Haast, „on the edge of the wilderness“, für diese Region passend. 


Eine kleine Infotafel am Aussichtspunkt des Knights Points erklärt, dass man bei einer Fahrt über das Meer in westlicher Richtung in 1700km auf Tasmanien stoßen, während in südwestlicher Richtung erst die Antarktis die nächste Landmasse sein würde.

Bevor wir Fox erreichen gibt es für die hungrigen Camperinsassen noch eine besondere Stärkung: In einer kleinen Lachsfarm gönnen wir uns Kaffee und eine frische Lachsschnitte aus „Vollkorn“-Brot.


In Fox sind wir am Westland National Park, der zur großen South West New Zealand World Heritage Area gehört. Der Westland National Park wird hauptsächlich wegen seiner beiden Gletscher, Fox Glacier und Franz Josef Glacier, von Besuchern frequentiert. Das Besondere an ihnen ist, dass sie sich, begünstigt durch ihre Lage in einer der niederschlagsreichsten Regionen der Erde, durch alle Vegetationszonen bis in die Regenwaldumgebung in Küstennähe auf 300 Höhenmetern ziehen und somit relativ einfach zu besichtigen sind. Nachdem wir uns einen Stellplatz in der Fox Glacier Lodge, die etwas günstiger ist als der Top10 Holiday Park, gesichert haben, fahren wir die 6km zum Fox Glacier Carpark nördlich des Flusses und nehmen den Fox Glacier Valley Walk zum Gletscher. Der leichte „Track“ dauert nur 45min hin und zurück, weil es nur bis 600m an den Gletscher herangeht. Auf Grund der ständigen Gefahr von Eisabbrüchen und sonstigen Gletscherbewegungen wird der Besucherzugang täglich überwacht und jeden Morgen bewertet. Je nach äußeren Bedingungen kann man näher an die Gletscherzunge heranlaufen oder muss an einem entfernteren Aussichtspunkt stoppen. 


Wir vermuten, dass der Weg heute wegen der starken Regenfälle der letzten Tage verkürzt wurde. Man läuft durch das Fox River Flusstal, sieht vereinzelt Wasserfälle an den Hängen und passiert den tiefblau schimmernden Fluss selbst. 


Am Aussichtspunkt können wir trotz der tiefen Wolken den Fox Glacier gut erkennen. Wer hätte gedacht, dass man für eine Gletscherbesichtigung nicht in tiefste Winterkleidung gepackt sein muss. Beeindruckend auch die Nähe zwischen riesiger Eismasse und grünem Regenwald.


Zum Sonnenuntergang fahren wir zum Lake Matheson, der am Rande des Städtchens Fox liegt.


Gerade im Sommer verschlägt es viele Besucher zum Rundgang um den See, weil sich der Mount Cook, der weniger als 30km Luftlinie hinter den Gletschern liegt, und die anderen höchsten Gipfel Neuseelands im Wasser spiegeln. 


Obwohl große Teile der Alpen bei uns wolkenverhangen sind, genießen wir den wirklich schönen 5km langen Rundgang, der durch dichten Wald führt und mehrere Aussichtspunkte bereit hält. 


Man sollte nicht vergessen, eine Taschenlampe mitzunehmen, da es auf dem Rückweg schon dunkel sein kann.

Der Abend ist vom Alltag auf einem Campingplatz bestimmt. Während die Camper tagsüber unterwegs waren, treffen sich alle am Abend in der Küche zum Kochen. Die übliche Tageszeit und der übliche Ort andere Reisende kennenzulernen und sich auszutauschen. In diesem Campingplatz ist jedoch zum ersten Mal die kleine Küche dem Andrang nicht gewachsen und es bildet sich eine Warteschlange an den Herdplatten. Wir hatten Glück als eine der Ersten da gewesen zu sein und so konnte uns Christina das Stück Heimat zubereiten, das wir uns für diesen Abend aufgespart hatten: Bratkartoffeln mit (zugegeben neuseeländischen) Bratwürstchen. Morgen geht es zur Stadt Franz Josef mit seinem gleichnamigen Gletscher und wir hoffen, dort etwas näher an das große Eis zu kommen.


Fazit Tag 115:

Neuseelands Südinsel ist „on the edge of the wilderness“.

Was haben wir heute gelernt? Laut Wikipedia sind Gletscher die größten Süßwasserspeicher der Welt und nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher der Erde. Außerdem haben sie in den letzten Eiszeiten Landschaften geformt und gewaltige Täler erschaffen. Die Südinsel Neuseelands ist ein ansehnliches Beispiel dafür.


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