Freitag, 22. März 2013

Saigon ins Mekong-Delta

Es geht raus aus der Stadt und in das Mündungsdelta des Flusses, der uns auf unserer Reise schon in Pakse, auf den 4000 Inseln, in Vientiane und in Luang Prabang begegnet ist. Dafür müssen wir um 6:00 Uhr aufstehen, frühstücken und auschecken. Wir werden von einem leeren Bus abgeholt und vermuten bereits richtig, dass sich die Abfahrt aus Saigon noch eine Weile verzögern wird. Zwei andere Fahrgäste aus einem benachbarten Hotel werden eingeladen und dann geht es zu einem Sammelplatz, wo diese aussteigen, während wir noch eine Runde mit dem Busfahrer drehen. In der uns vom Ausflug zu den Cu Chi Tunneln bekannten Seitenstraße halten wir und der Fahrer verschwindet, um schnell etwas zu frühstücken. Etwa 45 Minuten nachdem wir abgeholt wurden steht der Bus wieder am Sammelplatz. Dort müssen wir ihn natürlich verlassen, weil dieser für den Ausflug zu den Cu Chi Tunneln gebraucht wird. Unser neuer Bus ist bereits ziemlich voll und kleiner. Zwei Sitzplätze gibt es für uns noch, aber unsere Rucksäcke müssen im Gang verstaut werden, da in den Kofferraum nichts mehr passt. Dafür haben wir eine nette Reiseleiterin, die uns in gutem Englisch das Tagesprogramm erläutert, während wir endlich aus Saigon rausfahren.

Unser erstes Ziel liegt etwa zwei Autostunden entfernt. Am späten Vormittag kommen wir in My Tho an, eine Stadt, die laut Reiseführer nicht mehr zu bieten hat als ihre Ausflugsboote für die Touristen.


Aber wegen der Stadt sind wir auch gar nicht hier. Vor uns liegt der Mekong, der zehntgrößte Fluss der Welt, und der in dieser Region eines der größten Deltas der Welt bildet. Es ist eine faszinierende Vorstellung, dass das Wasser, das an uns vorbeifließt, bereits 4500km von seiner Quelle in Tibet kommend zurückgelegt hat und sich bald ins Meer ergießt. Es teilt sich hier in zwei große Arme, den Oberen und Unteren Mekong, und unzählige kleine Kanäle. Dank des Wassers ist das Delta reich an Reis, Obst und Fisch. Laut Reiseführer ist Vietnam dadurch der zweitgrößte Reis-Exporteur der Welt.

Wir besteigen eines der zahlreichen Ausflugsboote und bestaunen die Breite des Flussarms, der selbst an den schmalsten Stellen immer noch mindestens 60m breit ist. An unserem Boot ziehen große Frachtschiffe, kleine Longtailboote und kleine Fischkutter vorbei. Letztere sind nicht nur Arbeitsgerät, sondern auch schwimmendes zu Hause. Auf engstem Raum wohnen darauf nicht selten vier oder fünf Personen. Kinder müssen so schnell wie möglich Schwimmen lernen. Die Wäsche hängt zum Trocknen draußen und ab und zu kann man sogar einen kleinen Fernseher im Inneren des Bootes erkennen. 


Der Tag ist inzwischen schon so weit fortgeschritten, dass die Sonne wieder einmal unerbittlich vom Himmel knallt. Wir verlassen unser schaukelndes Boot, um auf einer Insel im Fluss an Land zu gehen. An dieser Stelle steht eine Kokosnuss-Süßigkeitenfabrik. 


Uns wird gezeigt, wie aus Kokosnüssen (die hier zuhauf wachsen) und Zucker leckere Bonbons hergestellt werden. 


Dazu gibt es eine ganz besondere andere Spezialität: Reisschnaps. Er wird in großen Gefäßen aufbewahrt, in die zur Geschmacksverfeinerung eine Schlange (!!) eingelegt wurde. Klingt eklig und sieht auch so aus. 


Walter kann es sich trotzdem nicht verkneifen, ein Gläschen zu probieren und ist dank der 45%igen Flüssigkeit bei 38 Grad für den Rest des Nachmittags bei ziemlich guter Laune.

Von der Süßigkeitenfabrik geht es zur von unserer Reiseleiterin angepriesenen „Kutschfahrt durch ein einheimisches Dorf“. Tatsächlich besteigen wir auch eine kleine Kutsche und die Pferde setzen sich auch in Bewegung. 


Uns gegenüber sitzen zwei freundliche Holländer, die wir als Roel (ausgesprochen Rul) und Leoni kennenlernen und die wie wir mit dem Rucksack durch Asien reisen. Wir haben gerade unsere Namen und Nationalitäten ausgetauscht, da kommt die Kutsche zum Stehen. Verwundert stellen wir fest, dass wir wieder am Ausgangspunkt stehen. Von einem Dorf haben wir nichts mitbekommen, sind aber in Anbetracht der Hitze und des aufkeimenden Hungers nicht besonders traurig, dass wir wieder in den Schatten dürfen.

Es geht zurück aufs Boot und über den Fluss auf eine andere Insel. Beim Mittagessen kommen wir mit Diana und Nikics ins Gespräch. Der Vorteil zur Abwechslung eine Tour zu buchen ist eben, dass man leicht andere Reisende kennenlernen kann. Die beiden kommen aus Lettland, lebten aber zuletzt in Norwegen. Wir tauschen uns über die gefahrenen Routen aus und erfahren von ihnen, dass Hotelpreise in Myanmar sehr hoch sind und die Auswahl gering ist. Nach dem Essen erkunden wir die Umgebung und finden eine kleine Krokodilfarm und ein Dorf. 


Das war es auch schon und es geht wieder zurück aufs Boot und auf die letzte Insel für heute. Statt Kokosnüssen gibt es hier Bienen. In einer Farm werden Honig und viele weitere Bienenprodukte hergestellt und uns angeboten. Es gibt eine Tasse Tee, ein paar Leckereien und wer will, darf sich eine Schlange um den Hals hängen lassen. 


Nach einer kurzen musikalischen Darbietung lokaler Liedkunst steigen wir in kleine Ruderboote und fahren durch enge Kanäle, an deren Ufern Palmen und Schilf wachsen. Ein überraschend schöner Ausklang eines eher durchschnittlichen Tagesprogramms.


Das Boot bringt uns zurück ans andere Ufer zu unserem Bus. An einer nahegelegenen Busstation heißt es aber umsteigen. 


Alle, die nur eine 1-Tagestour ins Mekongdelta gebucht haben, fahren mit unserer Reiseführerin zurück nach Saigon. Wir anderen, die für eine 2- oder 3-Tagestour bezahlt haben, bekommen einen neuen Bus und einen neuen Reiseführer für den zweiten Tag und reisen weiter nach Can Tho, das wir am Abend über eine riesige Brücke erreichen. 


Die Stadt ist die größte im Delta und liegt in der Nähe des Highlights unserer Tour, dem schwimmenden Markt von Cai Rang. Wir werden ihn morgen in aller Frühe anfahren. Heute geht es zunächst ins Hotel, wo wir mit Roel und Leoni zu Abend essen und mehr über China, ihrem ersten Reiseland, erfahren.

Am 22.03. klingelt unser Wecker wie erwartet um 5:30 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück geht es an die Uferpromenade und auf ein Boot in Richtung schwimmenden Markt. 


Der Markt von Cai Rang liegt etwa 6km südwestlich und findet, wie der Name schon sagt, ausschließlich auf dem Wasser statt.


Unzählige Boote aller Größen verkaufen und kaufen Waren aller Art. 


Im dichten Gedränge auf dem Wasser finden sich Kähne, die von unten bis oben nur mit Kürbissen beladen sind, die eine große Auswahl an frischem Obst und anderem Gemüse anbieten oder die mit Kleidern beladen sind. 


Rechts und links an unserer Fähre docken wie Piratenschiffe kleine Nussschalen an, die einem frischen Kaffee oder eine geschälte Ananas verkaufen wollen. Wer will kann auf eines der Gemüseboote steigen und sich die den Markt von einer anderen Perspektive anschauen. 



Der schwimmende Markt ist ein beeindruckender Handelsplatz, der durch den mächtigen Mekong geboren wurde. Gleichzeitig ist er Lebensraum und Alltag der vielen Familien, die hinter den Bergen aus Kürbissen auf dem Boot leben und tagein und tagaus nur mit dem Nötigsten auskommen müssen.


Vom schwimmenden Markt fahren wir weiter flussaufwärts und gehen in der Nähe einer Reispapierfabrik an Land. Dort lernen wir wie das Papier aus Reismehl von Hand hergestellt wird und später für Frühlingsrollen oder Teigtaschen Verwendung finden wird. Mit dem Boot fahren wir danach tiefer in das Kanalsystem des Mekongs und halten an einer der zahlreichen Obstplantagen, für die diese Gegend berühmt ist. Wir sehen und probieren uns unbekannte Früchte wie die Jackfrucht (oder Jakobsfrucht), eine Pflanzenart der Maulbeergewächse, die fest und süß ist, aber einen Nachgeschmack von Zwiebeln hat, 


die Wasserkokosnuss oder uns bekannte Exemplare wie die Ananas, 


Mango, Papaya oder Drachenfrucht. 


Beim Obstessen und Eiskaffeeschlürfen lernen wir Dave aus San Francisco und Julia aus Moskau kennen. Die beiden kennen sich aus der Studienzeit in den USA und haben sich in Vietnam getroffen, um ein paar Wochen gemeinsam zu reisen. Dave hat Jura studiert und ist Strafverteidiger in Kalifornien. Wenn es zeitlich passt, können wir auf seiner Couch übernachten, wenn wir in San Francisco sind!

Die Obstplantage war unser letzter Ausflugspunkt heute. Zurück in Can Tho verabschiedet sich unser Reiseführer mit den 2-Tagestour Gästen nach Saigon und steckt uns vorher noch in einen Minivan, der uns nach Chau Doc, an die Grenze zu Kambodscha bringen soll. Von dort haben wir nämlich zusätzlich einen Transfer in die kambodschanische Hauptstadt gebucht. Er versichert uns, dass wir am nächsten Morgen vom nächsten Reiseführer im Hotel abgeholt werden. Wir glauben ihm mal. Die Busfahrt gestaltet sich mit Roel, Leoni, Julia und Dave sehr kurzweilig. Kurz bevor wir Chau Doc erreichen, macht unser Fahrer an einem Berg Halt und gibt uns zu verstehen, dass wir die Treppen hochsteigen und einen Tempel besichtigen sollen. Vor uns liegt der 230m hohe Nui Sam, der als heiliger Ort verehrt wird und viele Tempel und Pagoden beheimatet. Wir besuchen die Tay An-Pagode, die taoistische, hinduistische und islamische Architekturstilrichtungen vereint. 


Man kann hier mehr als 200 Statuen buddhistischer, hinduistischer und taoistischer Gottheiten sehen, die vor dem Tempel stehen oder sich in einer in den Berg führenden Höhle befinden. 


Vom heiligen Berg haben wir einen schönen Ausblick auf die umgebende Landschaft und wir können bereits Kambodscha, unser nächstes Reiseland, sehen.

Kurze Zeit später erreichen wir Chau Doc und werden vor einem Hotel abgeladen, das uns schon erwartet hat. Zu sechst gehen wir in einem benachbarten vegetarischen Lokal essen. 


Man kann dort zwar Schwein, Hackfleisch, Hähnchen oder Insekten bestellen, man kriegt aber lediglich vegetarische, aus tofu-ähnlichen Produkten hergestellte Nachbildungen der Fleischgerichte. Geschmeckt hat es trotzdem. Beim abendlichen Spaziergang durch die Stadt entdecken wir an der Uferpromenade viele Taekwondo- und Karate-Unterrichtskurse für Kinder und Jugendliche, die im Freien stattfinden. Wir feuern die Kämpfenden mit gehörigem Applaus an. Ein paar Stunden später verabschieden wir uns von Dave und Julia, die am nächsten Tag auf die vietnamesische Insel Phu Quoc fahren wollen. Auf Roel, Leoni und uns wartet morgen die Grenzüberquerung nach Kambodscha auf dem Mekong und die Weiterfahrt nach Phnom Penh. Angeblich werden wir um 06:00 Uhr am Hotel abgeholt und zu einem Boot gebracht. Von wem, das ist unklar, aber das werden wir schon noch erfahren, wenn es soweit ist.

Fazit Tage 78 und 79:

Der Mekong ist Südostasien.

Was haben wir heute gelernt? Die Ananas wächst auf dem Boden und entsteht aus dem Blütenstand der Ananaspflanze. Pro Pflanze entsteht nur eine Frucht. Nach der Ernte stirbt die Pflanze ab, es wächst aber meist nebenan eine neue Pflanze heran.



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