Samstag, 23. Februar 2013

Pakse nach Vientiane



Wieso erhalten die Busse hier immer den Zusatz VIP? Sollen wir Fahrgäste uns geschmeichelt fühlen oder wird damit auf die luxuriöse Ausstattung des Gefährts hingewiesen? Beides gleichermaßen unwahrscheinlich. Auch das Attribut „sleeping“ weckt völlig falsche Erwartungen. Aber der Reihe nach. Mr. Wong hat dafür gesorgt, dass die laotische Kontrolleurin auf unseren Tickets die Plätze 1 und 3 notiert. Er verabschiedet sich und wir verstauen unsere großen Rucksäcke im Gepäckfach des Busses. Die Dreiviertelstunde bis zur Abfahrt sollen wir in einem Wartezimmer verbringen, weist uns die Busbahnhofmitarbeiterin an. Dabei handelt es sich um einen verglasten kleinen Raum, in dem bereits andere Reisende warten, auf einem kleinen Teppich eine junge Laotin ein Kind stillt und zwei andere Laoten hinter einem alten Tisch, auf dem ein demolierter Laptop steht, ein Nickerchen halten. In der Mitte des Raums sitzt eine großmütterlich aussehende Laotin neben ein paar Musikboxen mit einem USB-Stick und wechselt zwischen amerikanischen Rap- und thailändischen Popsongs hin und her. Inmitten dieser bizarren Szenerie lernen wir Patrick (aus Großbritannien), Danny und Vivienne (aus Malaysia) kennen, die ebenfalls nach Vientiane fahren wollen. Danny und Vivienne haben Patrick in Myanmar kennengelernt und sich verabredet, in Laos wieder ein Stück zusammen zu reisen. Bleibenden Eindruck hinterlassen sie bei uns mit ihren Geschichten von anderen Rucksackreisenden, die in diesem VIP-Sleeping-Bus nach Vientiane von „bed-bugs“ zerstochen wurden. Man lacht darüber, wirft einen verstohlenen Blick auf den wartenden Bus und verspürt schon den ersten Juckreiz.

Eine halbe Stunde später steigen alle in den Bus ein. 


Dieser Nachtbus hat keine Sitze, sondern tatsächlich nur Betten. Rechts und links ziehen sich Hochbetten entlang eines schmalen Ganges nach hinten. Ein Bett besteht aus zwei Liegeplätzen mit jeweiliger Nummer. 


Plätze 1 und 3 befinden sich gleich vorne links unten. Wir liegen Probe und merken gleich, dass diese Schlafstätte für Asiaten konzipiert wurde. Die Liegefläche für beide Personen ist 1m breit. Wenn Walter seinen Kopf gegen die Kante drückt und seine Füße streckt, passt er der Länge nach genau in diese Koje. Ein kleines Gitter in der Mitte des Bettes soll verhindern, dass der innen Schlafende während der Fahrt in den Gang fällt. 



Es ist wieder einer dieser Momente, in dem wir ziemlich glücklich darüber sind, zu zweit zu reisen. Alleinreisende werden diese Nacht jedenfalls ihre Liegenachbarn aus nächster Nähe einige Stunden kennenlernen. In anderen Reiseblogs wird das auch gerne mit „Löffelchen mit einem Fremden“ beschrieben.

Mit einer halbstündigen Verspätung fahren wir los. Für die ungefähr 700km nach Vientiane werden wir etwa zehn Stunden brauchen. Wir erhalten Tüten, um darin unsere Schuhe zu verpacken und in die Ablagefläche über unseren Füßen zu unseren Rucksäcken zu legen. Es werden Decken und Kissen bereitgestellt, die sichtlich schon die eine oder andere Fahrt ohne eine Wäsche quer durch Laos hinter sich haben. 


Christina entscheidet sich daher für ihre Reisedecke, während Walter angesichts der Wärme im Bus dankend auf die angebotene Decke verzichtet. Der Juckreiz meldet sich trotzdem wieder. Insgesamt herrscht aber eine Stimmung wie auf einer Klassenfahrt. Erst nach und nach verstummen die Gespräche und immer mehr Füße lugen aus den Betten in den Gang hervor. Die ersten Kilometer Fahrt haben aber bereits gezeigt, dass eines ziemlich schwierig wird: zu schlafen. Mit einer enormen Federung ausgestattet versucht der Bus jedes Straßenloch und jede Bodenunebenheit mitzunehmen, um alle paar Meter bei Überholmanövern vom rechten auf den linken und zurück auf den rechten Straßenrand zu ziehen. Die Passagiere werden fröhlich durcheinander gewirbelt. Nicht zu vergessen: Sollte man doch unerwartet in einen leichten Schlaf abdriften, hilft der Busfahrer mit seiner eindringlich lauten Hupe, die er in unregelmäßigen Abständen wie zum Gruß betätigt, schnell wieder zurück.


Immerhin gibt es etwa alle vier Stunden eine kurze Pause. Entweder geplant an einem hell beleuchteten Busbahnhof oder ungeplant in völler Dunkelheit am Rand einer Landstraße, während der Fahrer sich mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet von außen am Bus zu schaffen macht. Unsere Empfehlung: Die Pausen für einen Toilettenbesuch nutzen, da das spartanische Abort im Bus nach zwei Stunden kein Licht mehr hatte und auch sonst nur unter Aufbietung akrobatischer Fähigkeiten zu benutzen war.

Ansonsten hatten wir eine ganz normale Busfahrt. Und so erreichten wir nicht ganz ausgeschlafen gegen 6:30 Uhr den nördlichen Busbahnhof in der laotischen Hauptstadt. Von hier ging es mit einem Songthaew in die Innenstadt zu unserem Hotel in der Nähe des Mekongs. Unterwegs wurden wir Zeuge des allmorgendlichen Bettelgangs der buddhistischen Mönche. In Gruppen gehen sie in die Stadt und erhalten von knienden Einwohnern Nahrungsspenden. Ihre orangenen Roben leuchten dabei in der aufgehenden Sonne.

Vientiane zählt etwa 400.000 Einwohner und ist seit 1975 Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Laos und die größte Stadt des Landes. Unser Reiseführer spricht von einer „Großstadt mit Dorfcharakter“ und verspricht, dass man für die Sehenswürdigkeiten maximal zwei Tage benötige. Euphorisch geht anders. Wir wollen uns selbst ein Bild machen von diesem Gegenentwurf zu Bangkok und sind gespannt auf die Besuche des Triumphbogens, der schönen Tempel und eines Museums über die Nachwirkungen der heftigen Bombardierung des Landes während des Vietnamkrieges.

Fazit Tag 52:

Wir...sind...so...müde.

Was haben wir heute gelernt? Im Buddhismus gilt das Betteln von Nahrung ebenso wie die Gewährung solcher Gaben als heilvolle Handlung. Alle Lebensmittel müssen bis 12 Uhr zu sich genommen werden, danach wird gefastet.  

2 Kommentare:

  1. A la bonheur: trotz schwerer Lider wieder ein interessanter Blog ...
    El Golfo

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  2. Danke für euren eindrucksvollen und humorvollen Artikel, wir machen anderen zwei Liegeplätze frei und fliegen ... Macht weiter so.
    Karsten

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