Sonntag, 24. Februar 2013

Vientiane


Auch in Vientiane erhalten wir unser übliches Frühstück der letzten Wochen. Zwei Scheiben Toastbrot, ein fingernagelgroßes Stück Butter, etwas übersüße künstliche Erdbeermarmelade und die obligatorischen scrambled eggs. Über mangelnden Eierkonsum können wir uns nun wirklich nicht beklagen. Nach dem (im Preis inbegriffenen) Frühstück teilen wir der Hotelrezeption mit, dass wir noch etwas bleiben und zahlen für eine weitere Nacht.

Nebenan mieten wir uns zwei Fahrräder für den Tag. 


Die Entfernungen in der größten laotischen Metropole sind gut auf zwei Rädern zu bewältigen. Unser erstes Ziel ist die „ehrwürdige Stupa“, That Luang, das Nationalsymbol von Laos. Der Verkehr strömt gemächlich die schönen breiten Boulevards entlang. Vermutlich die Hinterlassenschaft der französischen Kolonialherren, ebenso wie vereinzelte Villen, die zwischen der sonst zweistöckigen Bebauung emporragen. Die Menschen, in Erwartung der anstehenden Mittagshitze, verlangsamen ihre Schritte und suchen sich einen Platz im Schatten. Was soll so schlecht daran sein, dass diese Stadt nicht „brodelt“? Nur weil sie nicht aus allen Nähten platzt, wird sie in Reiseführern gleich mit dem irgendwie muffig klingenden Attribut „Dorf“ versehen. Wir finden so eine Hauptstadt ohne Hektik zur Abwechslung ganz nett. Und wie sollte es in diesem Land auch anders sein, als dass das kulturelle und bevölkerungstechnische Zentrum die Mentalität seiner Einwohner widerspiegelt.


Die goldene schlichte, aber schöne Stupa That Luang ist das bedeutendste religiöse Monument des Landes. Angeblich errichtete im 3. Jahrhundert v. Chr. der indische König Ashoka den ersten Grundstein dieses Denkmals über einem Haar oder Knochen des Buddha. 


Über die Jahre hinweg veränderten Angriffe, Zerstörungen, Restaurierungen und Blitzeinschläge das Aussehen That Luangs. Seine ursprüngliche Form erhielt er in den 1930er Jahren zurück, als die École Française d´Extrême Orient eine Restaurierung leitete. Die zentrale Spitze ist 45m hoch und erinnert in ihrer Form an eine geschlossene Bananenblüte, was laut Reiseführer typisch für Laos sein soll. Für das bedeutendste religiöse Monument des Landes ist es angenehm ruhig und wir treffen nur wenige andere Besucher an.


Repräsentativer Hauptsitz der Lao Buddhist Fellowship Organization:


Von That Luang fahren wir zum Patuxai, dem Siegestor. Im Zentrum der Stadt inmitten eines breiten Boulevards erinnert es an den Pariser Triumphbogen. 


Das Tor soll indische, europäische und laotische Elemente vereinen und an gefallene Soldaten erinnern. Wir steigen die sieben je 7m hohen Etagen zur oberen Plattform hinauf und genießen den Blick über die Stadt.


Von unserer nächsten Station haben wir durch Zufall im Internet gelesen, während es in unserem Reiseführer nur versteckt erwähnt wird. Wir fahren zum National Rehabilitation Centre, auf dessen Gelände das Besucherzentrum von COPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise) steht, das über die immer noch zahlreichen Opfer von Blindgängern in Laos informiert. 


COPE unterstützt die Herstellung maßgefertigter Prothesen und Gehhilfen und organisiert Finanzhilfen, Schulungen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Uns war nicht bewusst, dass Laos das am stärksten bombardierte Land der Welt ist. Es hatte das Pech, an ein Land zu grenzen, das Schauplatz des bekanntesten Stellvertreterkriegs im Zeitalter des Kalten Kriegs war. Kommunistische Nordvietnamesen und US-amerikanische Truppen fochten im Schatten der Weltöffentlichkeit ihre blutige Auseinandersetzung auch in Laos aus. Um u. a. den Ho-Chi-Minh-Pfad, der über laotisches Staatsgebiet Nachschub für mit Nordvietnam verbündete Truppen in Südvietnam transportierte, zu zerschlagen, führten die Amerikaner mehr als 580.000 Bombardierungen über Laos durch und ließen mehr als 270 Mio. Streubomben auf den Boden fallen. Bis zu 30 % dieser Bomben sind nicht explodiert, sodass heute noch etwa 80 Mio. Blindgänger schmerzhaft an den seit fast 40 Jahren beendeten Krieg erinnern. Das kostenlose Besucherzentrum macht in einer hervorragenden und bewegenden Ausstellung darauf aufmerksam, wie es immer wieder zu Detonationen kommt, wenn Bauern ihr Land bestellen, Kinder und Erwachsene Bombenüberreste zum Metallverkauf sammeln oder diese zufällig berühren. COPE versucht, die Überlebenden solcher Unfälle, die zumeist in entlegenen und armen Regionen des Landes leben, mit medizinischer Hilfe zu erreichen. Ein tragischer, aber integraler Bestandteil der laotischen Geschichte, der hier dargestellt wird.


Bevor wir zurück ins Hotel fahren, machen wir noch einen Abstecher zum Wat Sisaket. Es ist das älteste erhaltene Kloster in Vientiane und zeigt mehr als 10.000 Buddha-Statuen, die im Wandelgang aufbewahrt werden und aus zerstörten Klostern stammen. Ein angenehm ruhiger und schattiger Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.




Morgen geht es mit dem Bus weiter Richtung Norden in das kleine Städtchen Vang Vieng. Wir sind uns einig, dass Vientiane einen Abstecher wert war und wir eine interessante und angenehme Zeit im größten Dorf Südostasiens hatten.

Fazit Tag 53:

In Vientiane sieht und spürt man die französische Kolonialvergangenheit.

Was haben wir heute gelernt? In einem Stupa werden Reliquien des Buddha und von herausragenden Mönchen aufbewahrt. Ursprünglich auch ein Grabhügel für die Bestattung von Königen in Indien.  

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