Dienstag, 15. Januar 2013

Jaisalmer nach Bikaner

Bevor wir Jaisalmer verlassen machen wir 6km vor der Stadt in „Bada Bagh“ halt. Bada Bagh bedeutet „großer Garten“ und war eine immergrüne Oase für die königlichen Familien, sozusagen ihre klimatisierte chill-out area für den heißen Sommer. Maharaja Jai Singh II. ließ im 16. Jahrhundert ein künstliches Wasserbecken schaffen, das Grundlage für die umgebende grüne Vegetation wurde.




Was uns hier überrascht und wir nicht erwartet haben: Windräder. 


Mehrere davon. Würde man nach dem äußeren Erscheinungsbild dieses Landes urteilen, dann scheint grüne Energietechnologie hier nichts verloren zu haben. Aber das Thema regenerativer Stromerzeugung hat auch Indien erreicht. Unser Fahrer bestätigt uns, dass die Inder sehr wenig Atomkraft nutzen und auf Wasser setzen. Und sehr viel auf Kohle. Das wiederum entspricht eher unseren Erwartungen. Mangels WiFi-Verbindung kann ich die Angaben unseres Fahrers nicht nachprüfen.

Wir fahren zurück Richtung Delhi. Bevor wir die Hauptstadt wieder erreichen, werden wir aber noch in Bikaner und in Mandawa je eine Nacht verbringen. Bikaner befindet sich noch in der Thar Wüste und ist eine Kamelsafari-Stadt wie Jaisalmer. Laut Reiseführer ist sie jedoch kleiner und etwas ruhiger und nicht ganz so touristisch. Wir sind in der Tat die einzigen Touristen, die wir den ganzen Tag in der Stadt sehen, aber ruhiger und kleiner können wir nicht bestätigen. Der Basar und die Main Street von Bikaner sind laut, stinkend, dreckig und nicht schön. Es ist die erste Stadt in Indien, in der wir uns nicht trauen, unsere Kamera offen über der Schulter zu tragen.

Vom Hotel zum Fort (ja, auch Bikaner hat eins) fahren wir mit der Rikscha. Am Fort angekommen werden wir gleich von sieben anderen Rikscha Fahrern umzingelt, die auf unsere Frage wo die Old City sei, unisono antworten: „Oh, that is far away from here. Very far away from here. You can not walk there.“ Was wir als Anlass nehmen auszusteigen und dahin zu gehen. Unterwegs laufen wir durch den beschriebenen Basar, auf der Suche nach etwas Essbarem (das Restaurant im Hotel sieht zwar hübsch aus, verlangt aber das Dreifache des üblichen Preises).

Und so lernten wir Sunil und seine kleine grüne Oase inmitten des Trubels kennen. Ein kleines verstecktes Schild lockte uns zu seinem Cafe in einem Park rechts der Main Road. Sunil ist ein unglaublich freundlicher und hilfsbereiter Inder, der uns einen leckeren Masala Chai, einen leckeren Rose-Lassi und ein eher dürftiges Essen auf einem der drei kleinen Tische unterhalb einer gefährlichen Taubenkolonie servierte. Dankbar waren wir aber für die Ruhe und das Gespräch. Er brachte uns gleich ein Gästebuch, in dem sich knapp 600 Leute aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Australien und der restlichen Welt eingetragen haben. Alle schienen das Cafe als Auszeit von Bikaner genossen zu haben. Sunil arbeitet nur nebenberuflich in diesem Cafe. Hauptsächlich hat er das dreijährige Jurastudium in Indien absolviert und hilft Touristen mit nützlichen Informationen über die Stadt weiter. Wir kriegen ungefragt eine kopierte Stadtkarte, mit wichtigen Markierungen, Hinweise auf interessante Sehenswürdigkeiten und realistische „indische“ Preisangaben für diverse Artikel und Rikscha-Fahrten (Exkurs: In Udaipur haben wir uns einen Seidenschlafsack für das heiße Südostasien nähen lassen. Sunil empfahl auf seiner Liste für Seidenschlafsäcke nicht mehr als 650 Rupien zu zahlen, also unter 10 €. Wir haben nur 580 Rupien bezahlt und konnten das also unterbieten, yes!).

Warum er dies alles tue, wollten wir wissen. Weil er Indien nicht ausstehen könne, antwortete er. Weil hier alles auf dem „commission system” (wo jeder dich zu dem Hotel, Verkäufer oder Restaurant bringen will, von dem er Geld erhält und dass du mit dem erhöhten Preis finanzierst) beruhe, in dem man ständig getäuscht wird. Hinzu komme, dass sein Großvater ihn stark hinduistisch geprägt hat. Er glaube an Wiedergeburt und hofft, mit diesen guten Taten an Touristen sein Karma zu verbessern, so dass er im nächsten Leben in Europa wiedergeboren wird. Vielleicht sei er ja verrückt, aber dies sei nunmal sein Glauben. Wir sind von dieser Geschichte fasziniert und überrascht, gerade in dieser Stadt jemanden wie Sunil zu treffen.

Fazit Tag 13:

Wir ernähren uns nun fast zwei Wochen fleischlos. Macht aber nichts.

Was haben wir heute gelernt? Die Nacht ist die Zeit der Tiergeräusche. Sobald es dunkel wird und wenn man ruhig im Bett liegt, hört man die Tauben, wie sie auf den Klimaanlagen scharren oder vor den Zimmern gurren, fangen die Hunde an zu bellen und zu knurren und die wenigen Katzen jaulen.

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