Montag, 10. Juni 2013

Arches Nationalpark


Zurückgelegte Meilen: 122

Vom brennenden Mesa Arch im Canyonlands Nationalpark geht es für uns am 09.06. in den Arches Nationalpark. Wir wollen das gute Licht und die kühlen Temperaturen der Morgenstunden nutzen, um die ersten Eindrücke von diesem beliebten Park zu sammeln. Was für den Joshua Tree die Palmlilien und für den Grand Canyon die Schluchten ist für den Arches Nationalpark die über 2000 Steinbögen.


Diese aus rotem Sandstein bestehenden Arches sind das Ergebnis jahrelanger wind-, wasser- und temperaturbedingter Erosionsprozesse. Am Anfang stehen große Sandsteinaufwölbungen, die im Laufe der Zeit tiefe parallele Furchen bekommen, bis nur noch einzelne Wände stehenbleiben. An manchen dieser Wände brechen weitere Steinstücke heraus, so dass große Löcher entstehen, die über sich bald nur noch einen Steinbogen haben. Diese Bögen sind vergängliche Wahrzeichen, denn die fortschreitende Verwitterung wird die Berühmten unter ihnen irgendwann zerstören.

Neben den Arches bietet der Nationalpark aber auch andere interessante Gesteinsformationen. 


So gesehen bei unserem ersten Stopp am Viewpoint für die Courthouse Towers. Wir fotografieren „the Organ“, ein monumentaler Sandsteinkamm.


Von hier fahren wir zur „Windows Section“. Die Fenster werden vom North Window, South Window, Turret Arch und Double Arch gebildet. Mit etwas Mühe und viel Geduld gelingt Christina das schöne Foto vom Turret Arch, wie er vom North Window eingerahmt wird. Die Mühe besteht darin, dass man dafür über einen kleinen Trampelpfad hinter das North Window laufen und dort auf einen Felsen klettern muss. Geduld und sogar Unterstützung braucht man, um das Foto ohne Menschen zu machen. Selbst am Vormittag sind schon so viele Besucher im Park, dass ständig jemand unter den Arch spaziert und sich dort fotografieren lässt. Glücklich ist, wer jemanden dabei hat, der zum Window läuft und den Menschenstrom kurz aufhält.


In Laufnähe zu den Windows und Turret Arch ist der Double Arch. Dieser doppelte Steinbogen hat eine kurze Rolle in der Eröffnungsszene des Films „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gespielt.


Da es mittlerweile schon ziemlich heiß geworden ist und wir müde sind, weil um 3:00 Uhr unser Wecke geklingelt hat, fahren wir zurück ins Hotel. Auf dem Rückweg sehen wir, wie sich bereits eine Schlange von Autos am Eingangshäuschen des Parks gebildet hat. Wir gönnen uns ein spätes Pancakes-Frühstück im Denny's, wo wir auf ein paar Fotografen treffen, die mit uns bei Sonnenaufgang am Mesa Arch im Canyonlands Nationalpark waren, und halten danach während der heißen Tageszeit (38 Grad) ein liebgewonnenes Mittagsschläfchen.

Dadurch erholt bekommen wir am späten Nachmittag Lust noch einmal zum Arches rauszufahren. Es sind von Moab auch nur 5 Meilen bis zum Visitor Center; ein Grund, warum der Nationalpark so viele Besucher anzieht. Unser zweiter Besuch im Park steht im Zeichen des „Balanced Rocks“. Auf einer etwa 40 Meter hohen dünnen Steinsäule balanciert ein riesiger Felsen, der aussieht, als ob ein Riese ihn vorsichtig auf die Säule gelegt hätte. 


Balanced Rock ist die Hauptattraktion des Parks, bei dem sich jeder fragt, wie lange er noch oben stehen bleiben wird. Bis 1975 hatte er noch einen Gefährten, „Chip Off the Old Block“, einen weiteren balancierenden Felsen, der jedoch im Winter des genannten Jahres umfiel.

Vom Balanced Rock fahren wir die Parkstraße in Richtung Devils Garden hoch und halten am kurzen Wanderweg für den „Sand Dune Arch“. Dieser etwas abseits gelegene Arch ist für alle einen Abstecher wert, die einen schönen Steinbogen ohne große Menschenmassen genießen wollen.


Zum Abschluss dieses langen Tages geht es zurück in die Mitte des Parks. 


Wir beobachten, wie die Sonne hinter der Silhouette des Balanced Rocks untergeht.



Am nächsten Tag, dem 10.06., klingelt unser Wecker wie erwartet gar nicht. Wir schlafen uns aus, um uns von dem gestrigen Tag zu erholen und für das heutige Programm Kraft zu tanken: Es steht der Hike zu dem Wahrzeichen nicht nur des Arches Nationalparks sondern von ganz Utah an, dem „Delicate Arch“. Der Delicate Arch, der auf den Kfz-Kennzeichen des Bundesstaats abgebildet wird, ist ein 20 Meter hoher freistehender Steinbogen, der sich in einem großen natürlichen Amphitheater befindet. Eine perfekte Kulisse für die Zeit um den Sonnenuntergang und für Sternenbilder. Daher wollen wir, wenn wir schon den beschwerlichen Hike zu diesem filigranen Steinbogen unternehmen, dort nach Einbruch der Dunkelheit bleiben und den Nachthimmel fotografieren.

Bevor es zum Delicate Arch geht, machen wir am Nachmittag einen Ausflug in den Devils Garden und wandern zum „Landscape Arch“, der laut Reiseführer mit seinen 90 Metern Länge der größte freischwebende, natürliche Felsbogen der Welt ist. 


Der Trail im Devils Garden ist insgesamt 11 Kilometer lang und führt zu vielen verschiedenen Arches. Wer wie wir nur zum Landscape Arch will, der muss nur etwa 1,5 Meilen zurücklegen.

Wir sparen uns nämlich die Zeit und Kraft, denn vom Landscape Arch fahren wir zum Startpunkt der Wanderung zum Delicate Arch. Den Delicate Arch kann man entweder von einem Viewpoint aus der Ferne oder nach dem „long trail“ aus der Nähe begutachten. Da wir länger am Arch verweilen werden und im Dunkeln zurückkommen, nehmen wir zusätzlich zu Rucksack, Stativ und der restlichen Kameraausrüstung noch eine Gallone Wasser, unser Abendessen, unsere zwei Stirnlampen, eine große heute im Supermarkt gekaufte Taschenlampe und unsere GPS-Uhr mit.

Der Wanderweg ist insgesamt etwa 5 Kilometer lang (hin und zurück) und überwindet etwa 150 Höhenmeter. Tagsüber und besonders zum Sonnenuntergang laufen viele Leute diese Highlightwanderung des Parks. Während der Wanderweg am Anfang als solcher noch zu erkennen ist, muss man ab Meter 700 über große glatte Steinhügel spazieren. In regelmäßigen Abständen auftauchende Steinhaufen bestätigen, dass man noch in die richtige Richtung läuft. Es wird spannend, diesen Weg nachher im Dunkeln zurückzufinden.

Die letzten 200 Meter muss man über einen schmalen Felsvorsprung gehen, die wohl den Reiseführer veranlasst haben, Leuten mit Höhenangst diese Wanderung nicht zu empfehlen. 


Danach geht es noch um eine Kurve und schon kann man den Delicate Arch sehen. Man kann schon verstehen, warum Utah gerade diesen Steinbogen auf seine Kfz-Kennzeichen druckt. Die Szenerie ist spektakulär. Es erscheint unglaublich, wie die Natur dieses meterhohe Steingewölbe aus dem ebenen Boden hat wachsen und darum herum zur entsprechenden Würdigung ein Amphitheater aus glattem Stein entstehen lassen.


Zum Sonnenuntergang finden sich viele Menschen am Delicate Arch ein. Daher ist es auch hier schwierig, Fotos vom Arch zu machen, ohne dass gerade jemand zum Beispiel Yoga-Übungen (!) unter dem Steinbogen macht. Wichtig ist, dass man (zumindest im Sommer) rechtzeitig vor dem Untergang der Sonne da ist, da der Delicate Arch zum eigentlichen Sonnenuntergang schon im Schatten liegt. Von Vorteil sind zudem Schuhe mit festem Grip, denn man möchte auf der mitunter ziemlich schrägen Steinebene nicht ausrutschen.

Ein Foto für die Größenverhältnisse. Wer entdeckt Christina?


In der Dämmerung machen sich dann die meisten Menschen wieder auf den Rückweg, während wir es uns ein paar Meter vor dem Arch erst so richtig gemütlich machen. Mit uns bleiben zwei andere Besucher mit Kamera und Stativ, die ebenfalls Sternenbilder machen wollen, und eine (wir vermuten) Jugendgruppe aus einem Sommercamp, die sich abseits des Arches auf eine Nachtwanderung zurück ins Lager vorbereiten. Es ist beeindruckend, wie schnell und vor allen Dingen wie viele Sterne man in der hereinbrechenden Dunkelheit am Firmament ausmachen kann. Wieder gilt, wir wissen zu wenig über Sternbilder.

Schließlich verschwindet die Jugendgruppe und unsere beiden Mitfotografen. Wir bleiben und warten noch darauf, dass die Milchstraße am Horizont aufgeht. 


Die Zeit vertreiben wir uns damit, die vielen Sternschnuppen zu zählen. Abgesehen von einer angeblichen Maus, die am Fuß der Fotografin genagt haben soll, begegnen wir überdies keinen wilden Tieren in der Schwärze der Nacht.

Um kurz nach Mitternacht machen wir uns dann auf den Rückweg. Mit Taschen- und Stirnlampen leuchten wir uns den Weg. Der Trail sieht jetzt tatsächlich ganz anders aus als vorhin und daher ist die Hilfe unserer GPS-Uhr von Vorteil, die uns mit der „Weg-zurück-Funktion“ die Himmelsrichtung unseres Marsches anzeigt. Es ist 01:00 Uhr als wir unser Auto erreichen und unter einem dichten Sternenhimmel den Arches Nationalpark verlassen.

Fazit Tag 160:

Zu viele Bögen für zu wenig Zeit.

Was haben wir heute gelernt? Wie man den Polarstern findet.


2 Kommentare:

  1. Hi, ich glaube das sind meine Favoriten (ich meine die Fotos!). Hat Viktor schon die Sternenbilder mit dem Delicate arch gesehen ?! (schöne Grüße nach Unna ;)).
    Und der Landscape arch steht ja noch , schön. Genießt es weiterhin. Super super Fotos!!!! Wir beneiden euch jetzt besonders.
    Liebe Grüße aus Zell

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  2. Ich bin immer noch sprachlos.
    Ganz großes Kino!

    Viktor

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