Mittwoch, 12. Juni 2013

Torrey nach Escalante


Zurückgelegte Meilen: 65

Heute geht es auf die Utah State Route 12 oder Scenic Byway 12 oder „Highway 12 – A Journey through Time Scenic Byway“. Dieser insgesamt 124 Meilen lange Highway führt durch eine so vielfältige und spektakuläre Landschaft, dass er als Sightseeing-Straße und eigenständiges Reiseziel ausgezeichnet wurde. Highway 12 beginnt einige Meilen südlich der Stadt Panguitch und endet in Torrey. Dabei überwindet er bis zu 1.345 Höhenmeter, wenn er in der Nähe von Boulder auf etwa 2940 Meter über dem Meeresspiegel steigt.

Wir beginnen die Zeitreise von Torrey kommend von hinten und klettern mit unserem SUV gleich in die Höhen des Boulder Mountains. Dieser 50 Millionen Jahre alte Vulkan ist Teil des größeren Aquarius Plateaus, das höchste noch bewaldete Plateau in ganz Nordamerika. Wir genießen die unerwartete Fahrt durch die Wälder Utahs. Unterwegs gibt es einige Aussichtspunkte, an denen man anhalten kann. Der vielleicht spektakulärste kommt gleich zu Beginn. Am Homestead Overlook kann man aus 2865 Metern die Henry Mountains im Osten, die Waterpocket Fold des Capitol Reef Nationalparks weiter unten und das Kaiparowits Plateau im Westen bestaunen. Umgeben ist man von großen amerikanischen Zitterpappeln.


Nach etwa 37 Meilen führt die Straße hinab in die 180 Einwohner-Ortschaft Boulder. Boulder war eine der letzten Städte im Wilden Westen, die an das Straßennetz und damit die Zivilisation angeschlossen wurde. Bis 1935 wurde die Post noch mit Pferdeboten überbracht und ein Stromanschluss erst 1947 gelegt.


In Boulder besuchen wir das Anasazi State Park Museum. 


Neben der Ausgrabungsstätte einer historischen Siedlung der Pueblo-Indianer gebaut informiert ein kleiner Rundgang über das entbehrungsreiche Leben dieser amerikanischen Ureinwohner in der kargen Landschaft um Boulder. Noch nicht einmal 100 Jahre sollen fast 250 Menschen in dieser Siedlung in Utah gelebt haben, bevor sie, vermutlich von einer langjährigen Dürre gezwungen, wieder weiterzogen. 


Nach dem Museumsbesuch picknicken wir in der schönen Grünanlage vor dem Hauptgebäude. Die Reste der beiden riesigen Pastrami-Cheese-Sandwiches, die wir heute morgen in Torrey zum Frühstück bekommen haben, reichen uns Europäern noch für ein stattliches Mittagessen.

Nach Boulder gelangen wir in das riesige, 7.689 qkm große Naturschutzgebiet, laut Wikipedia das größte seiner Art im amerikanischen Festland, das 1996 von Bill Clinton als „Grand Staircase-Escalante National Monument“ ausgewiesen wurde. Diese Gebiet zählt zu den einsamsten Gegenden der USA und ist so landschaftlich vielfältig, dass man es schlecht in einem Satz beschreiben kann. Es besteht aus Plateaus, Canyons, Bergen, Tälern und purer Wildnis. Einige Sehenswürdigkeiten dieser zum Teil unwirtlichen Gegend werden wir in den nächsten Tagen noch erkunden.


Zunächst fahren wir aber das angeblich beste Teilstück des Highway 12 von Boulder nach Escalante. Die Straße verläuft hier auf dem „Hogback“, einem schmalen Bergrücken. 


Zu beiden Seiten fällt das Gelände steil in die Tiefe ab und man muss bewundern, wie es Menschen geschafft haben, hier oben eine Straße zu bauen. Die Aussicht auf die Umgebung ist fantastisch.


Beeindruckend sind die leuchtend grünen Täler des Calf Creeks und des Escalante Rivers, die einen tollen Kontrast zu den Farben des sie umgebenden Sandsteins bieten.


Am Ende des Hogbacks und kurz vor Escalante finden wir durch Zufall unsere persönliche „Wave“ in der Landschaft. Wir halten am Anstieg vor dem „Head of the Rocks Overlook“ neben der Straße, weil Christina einen Baum auf einem Hügel entdeckt hat, den sie fotografieren möchte. Nachdem wir jedoch auf den Hügel geklettert sind, vergessen wir den Baum, weil wir vor uns eine ausgefallen geschwungene Steilwand aus Sandstein sehen. 


Die nächste Stunde verbringen wir damit, in der Gegend herumzuklettern und die symmetrischen Linien zu fotografieren.


Von dieser „beige wave“ ist es nicht mehr weit bis Escalante. Die heutige 800 Einwohner-Stadt wurde 1876 von mormonischen Pionieren besiedelt und gilt als Herz des Scenic Byway 12. Man hat das Gefühl, dass sich in den Jahren seit der Besiedlung nicht viel getan hat. Trotzdem wollen hier wir zwei Nächte verbringen, um morgen von Escalante aus die „Hole-in-the-Rock Road“ zu erkunden. Diese nur bei gutem Wetter befahrbare Schotterpiste führt zu einigen Trails, die wiederum zu spannenden Slot Canyons und Felsformationen entlang des Escalante Rivers führen. In Escalante übernachten wir standesgemäß im Cowboy Country Inn, eine getreu dem Namen aussehende Herberge an der Grenze zum Kitsch. Die Inhaber sind sehr freundlich, die Zimmer sind nach verschiedenen Mottos eingerichtet und wir bekommen das mit acht Kissen auf dem Bett ausgestattete Azteken-Zimmer.

Fazit Tag 162:

Kick yer boots off and stay awhile.“

Was haben wir heute gelernt? Escalante wurde nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der wiederum ein paar Jahre vorher nach dem spanischen Missionar Silvestre Velez de Escalante benannt wurde, der auf der Suche nach einem Weg von Santa Fe nach Kalifornien war.

1 Kommentar:

  1. eine ganz aktuelle Info für eure nächste Reise: Der Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe ist seit heute Weltkulturerbe und damit gleichgestelt mit: der Chinesischen Mauer, den Pyramiden von Gizeh usw. ....
    weiter gute Fahrt auf den highways! El Golfo

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