Sonntag, 17. Juli 2016

Denali Nationalpark nach Fairbanks


Gefahrene Kilometer: 253,5.

Die gute Nachricht? Walter hat diesen Morgen einen Schneeschuhhasen gesehen. Im Sommer an seinem braunen Fell und den schneeweißen, großen Füßen zu erkennen. Im Winter wechselt er die Fellfarbe von braun auf weiß.

Die schlechte Nachricht? Der Discovery Hike findet heute ohne uns statt. Christina hat eine Erkältung erwischt. Um den restlichen Urlaub nicht zu gefährden, verzichten wir auf eine 7km Wanderung mit Flussdurchquerungen. Man sollte sich ja auch immer etwas für den nächsten Besuch aufsparen.

Wir beschließen, um schneller auf die Beine zu kommen und uns ein bisschen angenehmer zu fühlen, heute den Park zu verlassen und ein leckeres Frühstück und eine Dusche anzusteuern. Der Teklanika Campground ist ein wirklich empfehlenswerter Abstecher im Denali, auch wenn wir feststellen, dass man hier angesichts der vielen Mitcamper nicht wirklich abgeschieden übernachtet.

Die Fahrt aus dem Park ist wieder sehr schön. Wieder etwa eine Stunde, in der wir die letzten Blicke auf dieses Naturschutzgebiet werfen können. Am Ende der Straßen biegen wir Richtung Norden ab. Unser Tagesziel ist Fairbanks.

Wie nicht schwer zu erraten war, halten wir wieder in Rose's Cafe. Und weil die Pancakes so beeindruckend sind, gibt es das folgende Bild gleich noch einmal:


Unser nächstes Zwischenziel führt im wahrsten Sinne des Wortes "Into the Wild". Rose's Cafe steht in dem kleinen Städtchen Healy. Ebenfalls in Healy sitzt die 49th State Brewing Company. Eine lokale Craft-Brauerei, die auch ein sympathisch-uriges Restaurant bewirtschaftet, das einige leckere Speisen bietet. Und im Vorgarten dieser Brauerei steht der berühmte Bus aus der Verfilmung "Into the Wild", den Christopher McCandles, auch bekannt unter Alexander Supertramp, zu seiner Heimat gemacht hat.


Dieser Bus wurde im Film verwendet und ist ein exakter Nachbau des Fairbanks City Transit System Bus mit der Nummer 142, in dem Christopher McCandles bis zu seinem Tod gelebt hat. Der Film ist eine Verfilmung des Lebens dieses 22-jährigen Studenten, der von zu Hause loszieht, um dem materiellen Leben zu entsagen. 


Nach einer etwa zweijährigen Reise durch die USA landet er schließlich im Norden von Alaska in Fairbanks. Dort schnappt er sich ein Gewehr und zieht mit nur einem Rucksack ausgestattet in die Wildnis hier gleich um die Ecke am Denali. Für die Wintermonate findet er in diesem Bus Unterschlupf. 


Er muss allerdings auch feststellen, dass der im Frühjahr so friedliche Teklanika River nach der Schneeschmelze im Sommer zu einem nicht überquerbaren Gewässer geworden ist. Trotz der (eher erfolglosen) Versuche Tiere zu schießen und zu konservieren und sich von Beeren und anderen Pflanzen zu ernähren, gelingt es ihm nicht, sein Körpergewicht zu halten. Am Ende verhungert er. Während der Film mit den tollen Bildern und der super Musik von Eddie Vedder beeindruckt, kann man die Story bzw. die Entscheidungen dieses Auswanderers kritisch sehen. Manchmal würde ein bisschen mehr Planung vor einem Wildnistrip nicht schaden. Zumindest eine Karte hätte man mitnehmen können. Denn wie es sich am Ende herausstellt, hätte diese zumindest geholfen, eine Brücke zu finden, die gar nicht mal so weit vom Standort des Busses über den Teklanika geführt haben soll.


Nach Healy wird es regnerisch. Die Aussicht von den vielen Viewpoints ist entsprechend begrenzt. 


Dann erreichen wir Nenana. 


Diese Stadt (mit 380 Einwohnern) hat eine witzige Tradition, die wir vor vielen Jahren schon einmal bei einer Dokumentation im Fernsehen gesehen haben. Immer wieder cool, an solchen Orten dann selber zu stehen: Der gleichnamige Nenana Fluss friert natürlich wie jeder andere Fluss hier im Winter zu. Im Jahr 1917 beschlossen hier ansässige Arbeiter Wetten (über 800 $) darüber abzuschließen, wann das Eis im Frühjahr brechen würde. Diese Wette ist heute landesweit unter dem Titel "Nenana Ice Classic" bekannt. Wer mitspielen will, muss den Tag und die Minute vorhersagen, an der das Eis des Flusses bricht. Um das zu bestimmen, wird ein riesiger Dreifuß 60 Zentimeter im Eis verankert und mit einer Schnur an eine Uhr gebunden. 


Sobald das Eis bricht, fällt der Fuß und die Uhr stoppt. Und wer zum Beispiel im Jahr 2014 den 25. April, 15:48 Uhr tippte, durfte sich mit 24 anderen Teilnehmern das Preisgeld von über 300.000 US-$ teilen.

Gegen späten Nachmittag erreichen wir das regnerische Fairbanks. "The Golden Heart of Alaska" und das selbsternannte Tor zum Norden ist der nördlichste Punkt unserer Rundreise. Von hier sind es nur noch 320 Kilometer zum Nordpolarkreis. Ein hervorragender Ort, um im Herbst und Frühjahr die Aurora Borealis zu beobachten. Selbst im Sommer kann man sich gut vorstellen, wie kalt und verschneit es hier im Winter aussehen muss. Im Stadtkern gibt es ein großartiges Informationszentrum, dass viele tolle Ausstellungsstücke und Animationen bereithält. Besser als so manches Museum und noch dazu kostenlos.

Wir übernachten im schön am Flussufer angelegten River's Edge RV Park, waschen mal wieder Wäsche und genießen ein Highlight des Tages: die heiße Dusche.

Fazit Tag 15:


So weit im Norden lockt ein Ausflug an den Polarkreis oder gar ans Nordpolarmeer.


Samstag, 16. Juli 2016

Denali Nationalpark

Gefahrene Kilometer: 0.

Make noise! Lärm machen! Das ist der Verhaltenstipp Nr. 1, wenn man sich als Mensch ins Land der Bären wagt. Dadurch soll der Bär rechtzeitig von unserer Anwesenheit erfahren und kann dann ganz gemütlich weglaufen. Denn Menschen stehen nicht auf seiner Futterliste. Sollte es dennoch zu einer unerwarteten Bärenbegegnung kommen, schlagen die Info-Broschüren der Nationalparks das folgende Vorgehen vor:

Ruhig bleiben, den Bär ansprechen. Den Bär dadurch wissen lassen, dass man ein Mensch ist. Langsam zurückweichen, nicht rennen. Was auch hilft: Sich groß machen, zum Beispiel in dem man die Arme noch oben streckt. Auf jeden Fall den Rucksack nicht fallen lassen! Nur für den Fall und nur in dem Moment, wenn der Bär dich angreift und dich berührt, auf den Boden fallen lassen und tot spielen. Nicht schreien, rufen und kämpfen. Für gewöhnlich handele es sich nämlich um einen "defensive attack". Ahja.


Mit diesem Wissen im Hinterkopf klingelt in unserem Camper ausnahmsweise ein Wecker. Es ist 6:30 Uhr. Die erste Nacht im Nationalpark haben wir sehr gut geschlafen, auch vielleicht wegen des Regens, der die letzten Stunden auf das Dach geprasselt hat. Nach dem Frühstück warten wir an unserer Bus-Haltestelle. Pünktlich um 7:40 Uhr kommt der Bus mit den Fahrgästen an, die bereits um 6:30 Uhr am Visitor Center losgefahren sind. Es sind noch einige Sitzplätze frei. Der grüne aussortierte Schulbus wird immer alle zwei Stunden halten, um Gelegenheit für einen Toilettenbesuch zu bieten. Und er hält jederzeit, wenn jemand "Wildlife", also Tiere sichtet.


Und davon gibt es einige im Park: 300 bis 350 Grizzlys leben hier, etwa 2.200 Dallschafe, 2.400 Caribou (also Rentiere), 1.600 Moose (Elche), ein Rudel Wölfe bestehend aus 52 Tieren und viele Rotfüchse. Auch nicht zu vergessen: die vielen Arctic Ground Squirrel (arktische Ziesel), die während des Winterschlafs ihre Körpertemperatur auf bis zu 2 Grad Celsius herabkühlen können. Dabei schlafen sie allerdings gar nicht. Sie müssen sich regelmäßig durch Zittern wieder aufkühlen, um dann für kurze Zeit einzuschlafen. Und wieder abkühlen und so weiter.

Wir blicken auf weite, unberührte Landschaft und sehen schon bald die ersten Dallschafe in den Berghängen stehen. 


Spätestens nach dem Sable Pass beginnt die baumlose Tundra. Und hier gibt es heute für uns viele Caribous, eine Menge Caribous zu sehen. 


Die Wolken hängen so tief, dass man den Denali (natürlich) nicht sieht, dafür hat aber der Regen aufgehört. Und das ist perfektes Wetter, um die Grizzly-Mama zu erblicken, wie sie mit ihren beiden kleinen Bärenjungen (oder -mädchen) durch das hohe Gras wandert. Schon ganz cool.



Fast genauso cool war auch, einen Rotfuchs vor einer Herde von Caribous zu beobachten, wie er ein kleines Squirrel jagt, erlegt und dann davon trägt. Ob man das dann wie der deutsche Familienvater neben uns mit "Nice, jetzt haben wir sogar einen 'kill' gesehen.' kommentiert, bleibt jedem selbst überlassen.

Am schönsten ist die Landschaft am Polychrome Pass. Hier genießt man eine meilenweite Aussicht auf die vielfarbigen Berghänge der Alaska Range. Je nachdem wie das Licht einfällt, wechseln die Farben. Gleichzeitig ist das hier aber auch die engste Stelle für die vielen Reisebusse. Auf einer Schotterpiste, die in den Hang gesprengt wurde. Leuten mit Höhenangst ist der Blick nach links unten nicht zu empfehlen.


An der Toklat Contact Ranger Station haben wir Gelegenheit, die Größe und das Gewicht der Geweihe mit eigener Hand zu erfahren.


Endstation unserer Tour ist das Eielson Visitor Center. Wir haben knapp 3 Stunden hierher (ab Teklanika Campground) gebraucht. Wie überall im Park gibt es hier nichts zu essen oder trinken, dafür aber interessante Tier- und Landschaftsexponate und viele Info-Broschüren.


Auf dem Rückweg zum Campingplatz steigen wir in "Ken's" Bus ein. Ken arbeitet schon seit vielen Jahren im Park und kennt daher auch ziemlich viele Geschichten über das Leben in Alaska und rund um den Denali. Mit Erzählungen über die vielen erfolgreichen und auch nicht erfolgreichen Besteigungen des höchsten Bergs Nordamerikas sehen wir auf der Rückfahrt auch unsere kleine Grizzly Familie wieder. Und natürlich eine Menge Caribous. Und kurz vor Schluss sogar einen zweiten einsamen, braun leuchten Grizzly-Bär, wie er durch die Landschaft streift.


Um 13:30 Uhr sind wir am Teklanika Rest Stop angelagt, der etwa 1 Meile von unserem Campingplatz entfernt ist. 


Hier steigen wir aus und laufen den restlichen Weg zurück zum Camper. Dabei fragen wir uns allerdings, wie man einen "defensive attack" eines Bären von einem "aggressive attack" unterscheidet...

Fazit Tag 14:


Selber fahren macht mehr Spaß.

Freitag, 15. Juli 2016

Talkeetna in den Denali Nationalpark


Gefahrene Kilometer: 314,7.

Denali bedeutet "der Große" in der Sprache der Athabaska-Indianer. Eine treffende Bezeichnung für den mit 6.194 Metern höchsten Berg Nordamerikas. Dabei heißt er erst seit kurzem wieder Denali. Viele Jahre kannte man ihn nur unter Mount McKinley, benannt nach einem eher unbekannten US-Präsidenten. Der Gipfel dieses weißen Giganten steckt etwa 200 Tage im Jahr in den Wolken und ist dann nicht zu sehen. Um ihn herum erstreckt sich der gleichnamige US-Nationalpark, der mit seiner weitläufigen Landschaft und der Tierwelt von Arctic Ground Squirrel über Dallschafe zu Grizzly-Bären besticht.


Aber bevor wir den Eingang des Nationalparks passieren konnten, mussten wir erst einmal den Morgen auf unserem Campground überstehen. Um genau zu sein das Duschen. Schon mal versucht mit 16 Quartern (= 25 Cent Stücke) eine Dusche erfolglos in Gang zu bekommen, daraufhin den unfassbar schlecht gelaunten Campground Besitzer zu rufen (O-Ton nach mehrmaligem Rufen: "What do you want?!"), der dann grummelig mit einer Knarre am Hosenbund (Unverständliches nuschelnd) an dir vorbeimarschiert und die Dusche anwirft? Falls dir genau das schon einmal passiert ist, weißt du ja, wie schnell man duschen, sich anziehen, den Motor anwerfen und den Campingplatz verlassen kann. Fairerweise muss wohl an dieser Stelle erwähnt werden, dass wir den Inhaber dieses Etablissements beim morgendlichen Zeitunglesen gestört haben. (Offensichtlich muss man aber da bereits eine Waffe griffbereit haben.)

Ehe wir uns versehen, sind wir aber wieder auf dem Parks Highway und genießen die schöne Straßenführung. Und am "Denali Viewpoint South" merken wir, dass wir einen der wenigen fast wolkenfreien Tage erwischt haben: Der Große präsentiert sich uns überaus freigiebig. Am Denali ist vermutlich so beeindruckend, dass er sich gefühlt aus dem Nichts, also aus dem Flachland erhebt. Ihn umgibt keine Riesengebirge, das den Eindruck seiner Höhe abmildern könnte.


Dann erreichen wir den Nationalpark und steuern zunächst das Visitor Center an. Hier gibt es Infos über den Park, eine interessante Ausstellung über seine Bewohner und die Anmeldung für die sog. "Disco Hikes": Das sind ("Discovery") Wanderungen, von einem Ranger geführt, die querfeldein durch den Park gehen. Wir wählen die anstrengende Variante mit 1.100 Höhenmetern und 5-7 km Länge und freuen uns darauf, in zwei Tagen dafür am Campground mit einem Bus abgeholt zu werden.

Der zweite Stop nach dem Visitor Center sollte dann das Wilderness Access Center sein: Hier bezahlt man für seinen Campingplatz, den man hoffentlich schon reserviert hat, und reserviert bzw. bezahlt das Ticket für den Ausflugsbus. Wieso eigentlich Ausflugsbus? Weil die über 100km lange Stichstraße, die in den Nationalpark führt, nach wenigen Kilometern für den Privatverkehr gesperrt ist. Um den Park wirklich zu sehen, muss man entweder eine Tour in einem Bus mit Reiseführer oder in einem grünen Bus ohne Kommentator buchen. Letztere sind aber durchaus beliebt, weil die Busfahrer auch eine Menge über den Park erzählen können. Wenn sie denn Lust haben. Die Busse selbst sehen wie amerikanische Schulbusse aus und verfügen entsprechend über keinen besonderen Komfort.

Wir haben eine grüne Bustour für den nächsten Tag gebucht, die bis zum Eielson Visitor Center fährt (4h hin und 4h zurück). Theoretisch kann man jederzeit aussteigen und einen anderen Bus wieder zurücknehmen. Einen garantierten Sitzplatz hat man allerdings nur in dem Bus mit der vorher gewählten Uhrzeit.

Es gibt im Denali drei große Campingplätze. Den Riley Creek am Parkeingang, den Savage River an Meile 13 am Ende der Straße für den Privatverkehr und den Teklanika River. Wir haben den "Tek" gebucht. Das Besondere an ihm ist, dass man für min. 3 Nächte buchen muss, der Platz an Meile 29 liegt und man damit mit dem eigenen Auto weiter in den Park darf und dass man dadurch bei den morgendlichen Busfahrten erst 1h10 später in den Bus zusteigen kann. Der Preis dafür ist allerdings, dass man während seines Aufenthalts nicht wieder zum Parkeingang zurückkehren darf (ohne dass man wieder neue Tickets kaufen muss). Daher gibt es für uns am Wilderness Access Center das Busticket für den 6:30 Uhr Bus (der uns dann um 7:40 am Campingplatz aufsammelt), die Genehmigung, um mit dem Auto in den Park zu fahren, und die Campingplatz-Reservierung.

Nach so viel Organisatorischem stärken wir uns das letzte Mal für die nächsten Tage in einem Lokal, das ein echter (Geheim-)Tipp ist. In Healy (also ein paar Meilen nördlich des Parkeingangs die Straße Richtung Fairbanks nach Norden) steht Rose's Cafe, ein sympathisches kleines Diner, das auch hervorragendes Frühstück anbietet. Das testen wir natürlich. Und sind von der Größe der Kinder (!) Pancakes umgehauen.



Am Nachmittag begeben wir uns auf den Weg in den Park. 


Unterwegs kann man für 5 $ im Riley Creek Campground noch einmal dumpen, denn das geht nicht mehr im Teklanika. Heute ist der erste richtige Regentag, den wir hier erleben. Bisher war das Wetter für Alaska und den Yukon ausgesprochen gut. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass Tage wie heute der Standard seien.

Am Check-Point für den Privatverkehr zum Tek zeigen wir einem Ranger unsere Genehmigung. Dabei erzählt er uns, warum Teile des Savage Rivers Campgrounds und die dortigen Wanderwege vorübergehend gesperrt seien: "due to human-bear-interactions". Wegen Mensch-Bär-Interaktionen, die dort vor kurzem stattgefunden haben. Selbstverständlich fragen wir ihn darauf, was man sich denn unter solchen "interactions" vorstellen muss? Nun ja, seinem Bericht zu Folge hat die Geschichte seinen Anfang genommen, als vor einigen Wochen ein Bär auf einen Teil des Campingplatzes spaziert ist, auf ein paar Touristen getroffen ist, die dann voller Panik mit ihrem Rucksack nach ihm geworfen haben und abgehaut sind. Der Rucksack war für den Bären ein tolles Spielzeug und überdies gab es dadrin auch etwas zu essen. Das führt bei einem Bären dazu, dass er von nun an Menschen mit Futter assoziiert. Was problematisch für zukünftige Begegnungen sein könnte. (In der Regel werden solche Bären, oder Bären die Menschen angegriffen haben, erschossen, um weiteres Ungemach zu vermeiden. Davon kann man halten, was man will.) Dieser Bär wurde nicht gefunden, der Campingplatz für einige Tage gesperrt. Pünktlich zum Unabhängigkeitstag musste er aber wieder geöffnet werden. Und was passiert am ersten Tag? Genau, der Bär spaziert wieder in den Campingplatz. Ein paar Touristen sehen, wie der Bär in einiger Entfernung auf sie zukommt. Anstatt sich zurückzuziehen oder Lärm zu machen, werfen sie sich auf den Boden und spielen tot. Das ist gar nicht mal albern, sondern eine offiziell empfohlene Verhaltensweise von Rangern. Wenn der Bär dich angreift. Und dich bereits berührt! Erst dann. In dieser Geschichte kam der Bär neugierig näher und schaute sich die Touristen natürlich einmal an. Mit den Worten des Rangers ist am Ende nichts Schlimmes passiert, keine schwerwiegenden Verletzungen bei den Besuchern, "the bear just nibbled a little bit on the tourist", der Bär hat also nur etwas an ihnen geknabbert!


Zur Beruhigung können wir berichten, dass wir auf den 29 Meilen zum Campingplatz (für die wir 1 Stunde gebraucht haben) keine Bären gesehen haben. Und auch der Teklanika war bärenlos, dafür aber schön an einem Fluss gelegen. Wenn auch nicht ganz klein, denn es gibt hier 52 Stellplätze, die einigermaßen nah beieinander liegen.

Für morgen stellen wir ausnahmsweise den Wecker. Wir werden um 7:40 Uhr von unserem Bus abgeholt.

Fazit Tag 13:

Wir haben den Denali gesehen!



Donnerstag, 14. Juli 2016

Homer nach Talkeetna


Gefahrene Kilometer: 574.

Wir hätten gut und gerne eine Woche in Homer verbringen können. Vermutlich wären wir kostentechnisch auf einen anderen Campground gezogen, aber die Aussicht hätten wir uns noch weiter gegönnt. Natürlich ist Homer auch ein beliebter Ausflugsort für einheimische Touristen und die Stellplätze sind heiß begehrt. Wir empfinden sie aber trotzdem noch authentisch und erfahrenswert.

Und weil wir nichts verheimlichen wollen, zeigen wir auch, dass man nicht immer idyllisch abgeschieden, alleine im Wald übernachten kann.


Und wenn wir schon dabei sind, wie sieht eigentlich ein typisches Frühstück bei uns aus?


Was immer wieder erstaunlich ist: Man ist gefühlt am Ende der Welt und trotzdem funktioniert das Internet. Naja, nicht besonders gut. Aber es reicht, um mit den Eltern zu skypen, ihnen die schneebedeckten Gipfel zu zeigen und mit 10 Sekunden versetztem Ton aneinander vorbeizukommunizieren.

Heute ist ein Fahrtag. Wir haben nämlich eine Verabredung mit dem größten Berg Nordamerikas und dem ihn umgebenden Nationalpark. Dafür müssen wir aber in seine Reichweite gelangen. Daher fahren wir zurück über die volle Kenai Peninsula. Gefühlt kommen uns bereits die ganzen Menschenmassen für den Wochenendausflug aus Anchorage entgegen. Dies ist ein Planungstipp, die wir so weitergeben können: Anchorage und die Kenai Peninsula nach Möglichkeit am Wochenende vermeiden.

Was wir natürlich nicht vermeiden ist der Besuch im Denny's zum Mittagessen. Und weil Christina noch nie im IHOP (= International House of Pancakes) war, ein Dessertbesuch ebendort. Aber: Die besten Pancakes unserer Reise waren es nicht.

Wir kaufen für und 100 US-$ im Fred Myer ein und tanken in der Supermarkt-eigenen Tankstelle voll. Wie tankt man hier eigentlich? Unterschiedlich. Man sollte immer Diesel (meistens der grüne Zapfhahn) in den Tank füllen. Nur die Bezahlung funktioniert unterschiedlich: Entweder mit Kreditkarte direkt an der Säule. Karte rein und wieder raus, sie wird anerkannt, man wählt den Betrag aus, den man prä-authorisieren möchte und legt los (manchmal muss man noch die Pumpe anwerfen, indem man die Halterung des Zapfhahns nach oben drückt). Am Ende gibt es ne Quittung für die tatsächlich getankte Menge. Oder die Karte wird nicht erkannt, dann heißt es in die Tankstelle gehen: Dort entweder den Perso abgeben oder die Kreditkarte als Pfand, die Tanksäule wird freigeschaltet, man tankt und bezahlt im Inneren. Warum ich diese Banalitäten erzähle? Nicht selten sieht man Touristen etwas unschlüssig die Zapfsäulen anstarren und erfolglos den Zapfhahn drücken. So sahen wir natürlich am Anfang nicht aus...

Und dann passiert es. Das erste Mal auf der Reise. Wir geraten in einen Stau. Es geht nur stockend voran. Es ist (wohl) Feierabend in Anchorage und wir geraten auf dem Weg aus der Stadt Richtung Norden mitten hinein. Stau in Alaska, wer hätte das gedacht.

Gerade als wir aus dem Stau hinausbeschleunigen können, ertönt ein Piepen im Cockpit. Heute ist der Tag der ersten Male. Unser "Diesel Exhaus Fluid" ist bald leer. Wir sollen nachfüllen. Ansonsten wird unsere Geschwindigkeit in 82 Kilometern auf 80 km/h die Stunde begrenzt. Sagt mir so der Bordcomputer. Auf diese Möglichkeit hat uns unser Vermieter hingewiesen, aber gemeint, es sei unwahrscheinlich, dass es während unserer drei Wochen passieren würde.

Glücklicherweise sind wir in der Nähe der Städte Wasilla und Willow, beides "große" Städte im Umland von Anchorage. In einem Autozubehör-Laden erwerben wir 2 Gallons von der blauen Exhaus-Flüssigkeit und füllen geschätzte 5 Liter nach. Laut Anzeige alles wieder ok.


Am frühen Abend erreichen wir die Talkeetna Road. Eine Stichstraße zur gleichnamigen Siedlung, die u.a. Ausgangspunkt für Flugreisen zum Denali ist. Und die einen ersten möglichen Blick auf den Denali, den höchsten Berg Nordamerikas, ehemals Mount McKinley genannt, bietet. Vorab gilt es aber zu wissen: Aufgrund der gewöhnlichen Witterungsbedingungen bekommen nur etwa 30 % der Alaska-Besucher den Berg tatsächlich zu sehen. Für den Großteil der Reisenden ist er in Wolken verhangen.


Doch wir haben Glück und können den Riesen erkennen (besser noch als es auf dem Bild den Anschein hat). Was während der Autofahrt zunächst wie eine riesige Wolke aussah, stellte sich im Ergebnis als Berg heraus.

In Talkeetna selbst können wir leider nicht übernachten. Der einzige RV (= recreational vehicle, also z.B. unser Truck-Camper als Wohnmobil) Campground ist leider schon voll. Also fahren wir 40 Kilometer weiter und übernachten auf dem His&Her Campground. Das "Office" ist in einer, nennen wir sie mal, urigen Bar integriert. Während uns die Stammgäste (die mit großer Wahrscheinlichkeit in den entlegenen und schwer zu erreichenden Holzhütten in der uns umgebenden Wildnis wohnen) interessiert und unverhohlen betrachten, nimmt die wirklich nette Bardame unsere 35 US-$ entgegen und erklärt uns, wie wir auf unseren Stellplatz kommen. Der entpuppt sich als direkt an einem schönen kleinen See gelegen, mit nur einem anderen Wohmobil als Nachbarn.


Fazit Tag 12:


Auf den Straßen Alaskas in einem Ford F-350 kann man den ganzen Tag lang fahren.


Mittwoch, 13. Juli 2016

Seward nach Homer


Gefahrene Kilometer: 365,4.

Haben wir schon das Beste an unserem Truck-(Camper) erwähnt? Für Walter ist das ganz klar die Sitz-Kühlklimaanlage. Die beste Erfindung für längere Fahrten mit Autos mit Ledersitzen. Aber auch sonst haben wir mit unserem Triebwagen eine Menge Glück gehabt. Er fährt sich tadellos und ist gut ausgestattet.


Vier nicht ganz alltägliche Anzeigen; wer weiß, was die dritte Anzeige von links anzeigt?


Die schräge Nacht am Exit Glacier ging schnell vorüber. Hin und wieder ein Auto gehört, aber ein Bär hat jedenfalls nicht an unserem Camper gerüttelt. Vor dem Frühstück schauen wir uns natürlich den namensgebenden Gletscher dieser Straße einmal an:


Zurück in Seward gibt es ein deftiges (und teures) Frühstück in einer kleinen Bäckerei. Dabei wird nun endgültig klar, dass Christina diese Reise nicht ohne regelmäßiges Pancake-Frühstück fortführen kann.

Wir spazieren durch die kleine Innenstadt und durch den Hafen. 


Seward bietet wie Valdez eine Menge Bootstouren zu umliegenden Gletschern an, die ebenfalls ins Wasser kalben. Auch hier gibt es Tiere und Landschaften zu bestaunen. Ursprünglich wollten wir beide Bootstouren machen. Nach unserer tollen Valdez-Tour waren wir dann aber doch gesättigt und konnten uns keine Steigerung vorstellen. Zumal der Preis für so eine Tour auch nicht unbeachtlich ist und die Touren auf dem Papier sehr ähnlich wirken.

Deshalb kehren wir Seward den Rücken zu und erkunden lieber die Kenai-Halbinsel. 38 Meilen nördlich von Seward biegen wir nach Westen auf den Sterling Highway ab. 


Es ist viel auf den Straßen los, der Verkehr ist dicht. Das ist auch kein Wunder, denn wir kommen schon bald an den Kenai River, ein riesiger Fluss voller Lachse und beliebter Ausflugsort für die Einwohner um Anchorage. Rund um Cooper Landing finden sich unzählige kleine Unterkünfte, Campgrounds und kommerzielle Angelangebote. Ein Blick auf den sehr schön angelegten "Russian River Campground" zeigt: Wir müssen in einer Autoschlange warten, um überhaupt am besetzten Pförtnerhäuschen vorbeizukommen und einmal über den Campground zwecks Erkundung zu fahren.

Etwas besser wird es auf der Skilak Lake Road, die ein Stück parallel zum Sterling Highway verläuft und eine etwas bessere Schotterpiste ist. Der "Hidden Lake Campground" ist auch zu empfehlen, wenn auch schon am frühen Nachmittag zum großen Teil besetzt. Statt hier zu übernachten, machen wir die kurze Wanderung zur Kenai River Schlucht und zum Fluss hinunter. Wer den Fluss aufmerksam beobachtet, kann die Lachse springen sehen.


Zentrum der Kenai-(Sport-)Fischer ist die 4.400 Einwohner Großstadt Soldotna. Dort hängt auch der 44 Kilogramm schwere "King Salmon"-Lachs, der 1985 aus dem Kenai gezogen wurde. Unser Reiseführer belehrt uns, dass etwa 5% der hier gefangenen Lachse weit über 30 Kilogramm wiegen, wenn sie nach sieben Jahren im Meer zu ihren Laichgründen zurückkehren.

Wir haben fast die Westküste der Halbinsel erreicht und biegen mit der Straße Richtung Südwestspitze ab. Vor uns liegt ein ganz besonderes Land: Russisch-Alaska. Für jeden anhand der Straßen- und Städtenamen ersichtlich: Ninilchik, Dimitri Road, Kasilof, Nikolaevsk, Stariski und nicht zu vergessen die "Kalifornsky Beach Road".

Bereits 1791 kamen in diese Gegend russische Pelzhändler, die es mit den hier ansässigen Indianern und dem harten Winter zu tun bekamen. Sie haben hauptsächlich Seeotter gejagt. 1867 wurde dieses Stück Land (zusammen mit dem Rest von Alaska) von den USA für einen (damals sehr umstrittenen) Spottpreis gekauft.


In Ninilchik halten wir an einer schönen russisch-orthodoxen Kirche. Sie ist Zentrum der umliegenden Gemeinde der "Old Believers". 


Im Inneren kommen wir ins Gespräch mit einer Socken strickenden Dame, die noch Russisch sprechen kann und davon erzählt, wie sie als Kind aus Russland in dieses Land übersiedelte.

Und dann fällt unser Blick aufs Ende der Welt. 


So fühlt es sich an, wenn man am westlichsten Punkt des nordamerikanischen Straßennetzes angelangt ist und auf das vor einem liegende Meer und die dahinter aufragenden, schneebedeckten Berge blickt. Hier beginnt die Inselkette der Aleuten, die sich über die internationale Datumsgrenze durch die Beringsee bis nach Russland ziehen und dabei den Pazifik vom arktischen Meer trennt. 


Und die sogenannten Berge sind in Wirklichkeit Vulkane und Teil des "Ring of Fire": die Mount Iliamna, Mount Redoubt und der St. Augustine sind noch immer aktiv und waren es zuletzt 2008. Ein erhebendes Gefühl der Abgelegenheit umgibt uns.

Wenig später erreichen wir wirklich das Ende der Straße und des Lands. 


Wir sind in Homer angelangt. Die Stadt mit etwa 5.000 Einwohnern nennt sich selbst "Heilbutt-Hauptstadt der Welt". 


Sie liegt am Südwestzipfel der Halbinsel, umgeben vom Meer und einer umwerfenden Berglandschaft. Weiter geht es (für uns) nicht mehr.

Wobei das nicht so ganz stimmt: Ein bisschen geht noch was. Wir übernachten nämlich auf dem "Spit", einer kleinen Landzunge, die sieben Kilometer in das Meer hineinragt. 


Hier endet die menschliche Welt fürs Erste. Da drüben gibt es nur Bären und Schnee.


Wir genießen Homer. 



Seine schönen Häuser auf und die Aussicht vom "skyline drive", die vielen Weißkopfseeadler auf dem Spit und den Blick vom Campground. Nicht zu verheimlichen ist natürlich, dass wir hier auch den bislang teuersten Campingplatz reserviert haben (73 US-$!).


Wenn wir schon einmal hier sind, darf natürlich ein leckeres Fisch-Dinner nicht fehlen: Heilbutt für Christina und einen King Salmon für Walter. Sehr lecker.



Fazit Tag 11:

Unser nächstes Auto wird eine Sitz-Klimaanlage haben.