Sonntag, 26. Mai 2013

Maui nach Los Angeles



Auf dem einstündigen Weg zum Flughafen zeigt sich der „Aloha State“ von seiner besten Seite. Ein blauer Himmel, strahlende Sonne und ein wogendes Meer eskortieren uns nach Kahului. Wer würde nicht wiederkommen wollen.

Obwohl wir innerhalb der USA fliegen, muss unser gesamtes Gepäck einer „agricultural inspection“ unterzogen werden. Kein Problem, wir wollten sowieso keine Pflanzen oder Tiere aufs Festland schmuggeln. Deutlich problematischer ist dagegen, dass wir auf zwei weit voneinander entfernten Sitzplätzen gebucht sind. Alle anderen Economy Sitze scheinen dem Computerbildschirm nach bereits besetzt zu sein. Abhilfe verschaffen die überaus freundlichen Mitarbeiter von „United“, der amerikanischen Fluggesellschaft mit der wir fliegen. Ohne groß nach der Ursache des Problems zu suchen, werden wir, wer hätte es gedacht, wieder „ge-upgraded“ und zwar auf zwei Economy „Plus“ Sitze nebeneinander. Der einzige Vorteil der „Economy Plus“ Klasse, den wir später bemerken konnten, ist die größere Beinfreiheit. Aber Hawaii wird uns in dieser Hinsicht in bester Erinnerung bleiben: In vier von fünf Hotels haben wir eine (deutlich) bessere Zimmerkategorie bekommen (okay, das eine Mal musste eine Maus nachhelfen), im Flieger etwas bessere Sitze und bei der ersten Autovermietung ein Cabrio. Wir fragen uns, gibt es eine solche „upgrade“-Kultur eigentlich auch in Deutschland?

United als Fluggesellschaft hat uns dagegen weniger überzeugt. Womöglich waren wir einfach die letzten längeren Flüge gewohnt, aber dass wir keine eigenen Bildschirme mit Filmauswahl hatten, war etwas schade. Die kleinen Deckenmonitore zeigten nur einen Film und eine Folge einer TV-Serie. Wirklich negativ war aber, dass nur die Getränke kostenlos waren und man für den im Vorfeld angekündigten „Lunch“ zahlen musste. In den bisherigen Flügen war das nicht der Fall. Das Wichtigste ist natürlich, dass wir nach 5h15 sicher und fast pünktlich in Los Angeles ankommen. Unsere Uhren müssen wir 3 Stunden nach vorne stellen, was jetzt ein Zeitunterschied von 9 Stunden zu Deutschland bedeutet.


Die Großstadt Los Angeles macht sofort Eindruck. Zwar war Hawaii schon ein erster Vorgeschmack, aber gerade im Vergleich zu Neuseeland muss man die vielen Menschen (dieses Wochenende ist Memorial Weekend), die etlichen Fahrspuren und riesigen Autos einfach gesondert erwähnen. Alamo ist unsere Autovermietung der Wahl und gibt uns die Möglichkeit, einen (midsize) SUV auf ihrem Parkplatz auszusuchen. Wir entscheiden uns für einen schwarzen, noch neu riechenden Chevrolet Captiva mit knapp über 3000 gefahrenen Meilen. Mit diesem Wagen sollten wir eine Chance im US-amerikanischen Verkehrsdschungel haben, in dem die großen Fahrzeuge dominieren.

Das Hotel für die ersten beiden Nächte haben wir wegen unserer späten Ankunftszeit schon vorgebucht. Es geht zu einem „Rodeway Inn“, das im Internet 70 € pro Nacht gekostet hat. Auf dem Weg dahin durchqueren wir die quadratischen Wohnviertel, die wie mit dem Lineal gezeichnet wirken und so typisch für amerikanischen Städte sind. An fast jeder Straßenecke findet man Fastfood-Läden, Restaurants oder old fashioned Diners. Wer einen Wagen und ein paar Dollarscheine hat, muss nicht verhungern, egal wie spät es ist. Das „Rodeway Inn“ ist ein Motel, wie man es sich vorstellt: ein U-förmiges, zweistöckiges Gebäude, das einen großen Parkplatz einrahmt und über zwei Galerien Zugang zu den Zimmern bietet. So haben wir uns das vorgestellt.

Fazit Tag 145:

Chevrolet – Find New Roads“

Was haben wir heute gelernt? Betrachtet man das „Stadtgebiet“ hat Los Angeles laut Wikipedia etwa 3,8 Mio. Einwohner und ist die zweitgrößte Stadt in den USA nach New York. Bezieht man sich auf die „geläufige“ Größe der „Agglomeration“ sprechen wir von 11,8 Mio. Einwohnern, bei der „Metropolregion“ von 12,8 Mio. und bei der „erweiterten Metropolregion“ schon von 17,8 Mio. Menschen.

Samstag, 25. Mai 2013

Maui - Tage 1, 2, 3 und 4


„The Valley Isle“

Zurückgelegte Meilen: 247

Am 22.05. landen wir nach einem kurzen Flug wieder in Kahului auf Maui. Nachdem wir eine Ewigkeit an der Gepäckausgabe auf unsere Rucksäcke warten mussten, bestätigt sich, was wir schon nach den letzten drei inner-hawaiianischen Flügen bemerkt haben: Walters Rucksack wurde jedes Mal aufgemacht und durchsucht. Bücher und Klamotten finden sich in anderen Fächern wieder und manche Schnallen sind offen. Einen Benachrichtigungszettel wie wir ihn aus früheren transatlantischen Flügen kennen sucht man vergebens. Vielleicht liegt es ja am gefährlichen Stativ, das Walter tragen muss.

Dieses Mal ist „Alamo“ unser Autovermieter. Wir dürfen uns ein midsize-car aus dem Fuhrpark auswählen und beschließen zur Abwechslung einen fast neuen Mazda 3 auszuprobieren. Zum Mittagessen gibt es leckere Burger bei „Jack in the Box“. Bevor wir zum Hotel fahren, schauen wir uns noch das Iao Valley an, das auf dem Weg zu unserer Unterkunft liegt. Das Tal ist der erodierte Hang eines ehemaligen Vulkans. Heute sind die steilen Hügelwände, die bis zu 1500 Meter in den Himmel ragen, mit dichter tropischer Vegetation bewachsen. Bekanntes Wahrzeichen des Tals ist die „Iao Needle“, ein 370 Meter hoher vulkanischer Monolith. 


Es ist zudem ein geschichtsträchtiger Ort, denn hier besiegte der spätere König Kamehameha I., der erste über alle hawaiianischen Inseln regierende König, die Armee von Maui unter Kalanikupule, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Alleinherrschaft.

Unser Hotel liegt am Badestrand von Kihei. Wie mit dem Rucksack wissen wir nicht wieso, aber auch dieses Mal erhalten wir ein „upgrade“ (ganz ohne Hilfe einer Maus) zur Suite. Das bedeutet, dass wir eine eigene kleine Wohnung beziehen, die mit vollwertiger Küche, großem Wohnzimmer, Schlafzimmer, zwei Bädern mit Dusche und Badewanne und eigener Waschmaschine und Trockner ausgestattet ist. Den Rest des Tages verbringen wir deshalb verständlicherweise entweder in unserer neuen Unterkunft oder am wenige Meter entfernten Pool in der Sonne.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Maui. Mit unserem vollgetankten Auto geht es auf die „Road to Hana“, eine 80km lange, extrem kurvenreiche und abwechselnd durch Regenwald und an der Küste verlaufende Sackgasse. 



Mehr als 600 Kurven und 54 „Einbahn-Brücken“ lassen den Verkehr nur gemächlich fließen. Unterwegs kommen wir an windigen Stränden, 


tropischen Gärten 


und Lava-Höhlen vorbei. 


Beeindruckend: Der aus Australien stammende „rainbow gum tree“, eine Eukalyptusart, deren Rinde aussieht, als wäre sie von Menschenhand bemalt worden. 


Obwohl alle am Ende der Strecke in das kleine Städtchen Hana kommen, ist bei diesem Ausflug der Weg das Ziel. 


Zu empfehlen: Den Tourguide als App mit GPS-Ortung für das iPhone, der einem automatisch an interessanten Wegpunkten etwas erzählt.


Am dritten Tag auf Maui gönnen wir unserem Auto eine Verschnaufpause und lassen die „Road to Hana“ lieber Revue passieren. Außerdem ist so langsam die schöne „vorgebuchte“ Zeit auf Hawaii zu Ende. Unterkunft, Mietwagenabholung und Stadtbesichtigungen in Los Angeles müssen geplant werden. Kulinarische Stärkung für die Planenden bietet mexikanisches Essen von Juanita's.

Der 25. Mai 2013 unserer Reise wird uns als Tag in Erinnerung bleiben, an dem die Bayern in einem deutsch-deutschen Finale in London endlich die Champions League gewonnen haben. Es hat sich bereits vor ein paar Tagen angedeutet, dass die Amerikaner doch zu Sinnen gekommen sind und die Begegnung entgegen der Programmhinweise auf „Fox“ live übertragen wird. Ungewöhnlich war bloß, sich einen Wecker zu stellen, um das Spiel um 08:45 Uhr an einem sonnigen Morgen auf Maui zu sehen.

Mit einer guten Laune, die bei einem von uns gut und gerne noch bis zum Ende der Reise anhalten wird, checken wir aus, weil wir für die letzte Nacht das Hotel wechseln müssen. Es geht in die alte Walfänger- und ehemalige Hauptstadt Lahaina. Hier residierte König Kamehameha I. und hierher kamen die ersten Missionare. Das Hotel ist wieder eine große weitläufige Anlage, die neben Appartements im Haupthaus auch Bungalows aufbietet. Beim Einchecken kommen uns zwei Umstände entgegen: Wir sind etwas zu früh da, unsere gebuchte Zimmerkategorie ist erst in einer Stunde bezugsfertig. Und der Hotelmitarbeiter kommt aus Freiburg. Beides führt dazu, dass er mal nachfragt, ob wir nicht ein kostenloses „upgrade“ bekommen können. Die Antwort: Ja, können wir! So kam es, dass uns ein Hotelmitarbeiter mit unseren Rucksäcken auf einem weißen Golfwagen zu unserer „Suite“ im „Cottage“ bringt. „Wow, they gave you the best room they have. The owner's son always stays here!“, waren seine Worte unterwegs. Wir beziehen eine Suite mit Meerblick, die mehr Quadratmeter als unsere Wohnung in Hamburg hat. 


Es stehen uns zur Auswahl zwei Eingangstüren, zwei Bäder mit Vorraum und Dusche mit Bad, eine große Küche mit Bar, ein Wohnzimmer mit Flatscreen, ein Esszimmer, ein Lesezimmer mit Couch und Kommode, ein Vorzimmer zum Schlafzimmer mit zwei Sesseln und Tisch, das Schlafzimmer mit Flatscreen und, ein Hoch auf die Amerikaner und ihren kitschfreien Geschmack, ein „original“ japanisches Teehaus. Man wird gebeten, die Schuhe vorher auszuziehen.


Wir hoffen, es ist verständlich, dass wir heute nicht mehr viel draußen unternehmen. Es geht nur noch kurz zum Pool und Strand und später für ein paar Inselschnappschüsse die Küste hoch. 


Unsere Zeit auf Maui und damit auf Hawaii insgesamt ist fast vorbei. Morgen fliegen wir nach Los Angeles und vollenden unsere Pazifiküberquerung. Allzu traurig über den Abschied von Hawaii sind wir nicht, denn in den nächsten sechs Wochen steht uns ein spannender Roadtrip bevor. Es geht durch die Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, vielleicht Colorado, definitiv Utah und Nevada und durch viele der Nationalparks im Westen der USA.

Fazit Tage 141, 142, 143 und 144:

Hawaii ist ein Stück USA mit polynesischer Geschichte.

Was haben wir heute gelernt? Maui hat von allem etwas. Wir haben hier die schönsten und badefreundlichsten Strände gesehen. Die Insel ist grüner als Big Island, hat aber trotzdem einige Vulkane aufzuweisen. Wenn man nur eine hawaiianische Insel besuchen wollte, dann würde unsere Wahl auf diese fallen.

Dienstag, 21. Mai 2013

Hawaii - Tage 1, 2 und 3


„Big Island“

Zurückgelegte Meilen: 361

Die Insel Hawaii ist die größte der US-amerikanischen Inseln. Sie ist gleichzeitig das jüngste Eiland der hawaiianischen Inselgruppe. Das macht sie zu einem der besten Ausflugsziele für all diejenigen, die Vulkane entdecken möchten. 


Hawaii wurde und wird von fünf verschiedenen Schildvulkanen geformt, wovon einer erloschen (Kohala), einer schlafend (Mauna Kea), einer zeitweise aktiv (Hualalai) und zwei aktiv sind (Mauna Loa und Kilauea). Der Kilauea speit seit 1983 regelmäßig flüssiges Gestein und ist die Hauptattraktion im Hawaii Volcanoes National Park. Dank seiner beiden aktiven Vulkane wächst die Insel immer weiter. Laut Wikipedia hat Hawaii durch die Lavaströme zwischen 1983 und 2002 220 Hektar an Land dazugewonnen.

Ob die Lava momentan fließt, beantwortet uns der Mitarbeiter der Mietwagenstation mit seiner Begrüßung: „You are very lucky, the lava is flowing!“ Diesmal gibt es als midsize-car einen Dodge Avenger, der kleiner als der Ford Fusion wirkt. Die Flüge hierher waren ohne besondere Zwischenfälle. Pro Gepäckstück mussten wir wie üblich 17 $ zahlen. Von Lihue auf Kauai ging es zunächst innerhalb von 36 Minuten nach Kahului auf Maui und nach einer Wartestunde mit dem nächsten Flieger von Hawaiian Airlines in etwa 20 Minuten nach Kona auf Big Island. 


Unser Hotel ist eine große aber schöne Anlage an einer Steinküste am Meer gelegen. Ein Pool mit Liegen, eine Salzwasserlagune und ein geräumiges Zimmer mit Balkon: Wie war das noch mit diesem Camper in Neuseeland? Zum Abendessen gibt es „old fashioned hamburgers“ bei „Wendy's“ und bei einem Cocktail an der Hotelbar planen wir den morgigen Tagesausflug zu den Vulkanen.


Am 20.05. klingelt unser Wecker um 08:00 Uhr. Für die Fahrt zum Volcanoes Nationalpark und zurück soll man laut Reiseführerangaben 9-12 Stunden einplanen. Man fährt mindestens 250 Meilen und kriegt ein Gefühl für die Größe der Insel. 


Mit 6.500 Quadratkilometern könnten fast alle anderen hawaiianischen Inseln hier Platz finden. Nicht weit südlich von Kona treffen wir das letzte Mal auf unserer Reise auf Spuren von Captain James Cook. Hier in der Keakakekua Bay fand der große Entdecker, der die bis dahin unbekannte Südsee auf die Karten der Welt gebracht hatte, ein tragisches Ende: Im Zuge eines Streits über ein gestohlenes Beiboot wurde James Cook von Einheimischen an diesem Strand getötet.


Von der Bay ist es nicht mehr weit zum Black Sand Beach, einer der Sehenswürdigkeiten der Insel. Bevor wir dort Rast machen, holen wir uns in einem typischen amerikanischen roadside Diner belegte Sandwiches zum Mitnehmen. Pick-up Trucks stehen vor dem Eingang, man sieht die aus etlichen Filmen bekannten und überall gleich aussehenden Sitzecken mit Ledergarnitur und altem Tisch dazwischen und findet die Bedienung zwischen den Gästen, wie sie die Kaffeebecher auffüllt.

Der schwarze Sand des Black Sand Beach besteht aus alten Lava-Fragmenten, die an dieser Stelle im Meer erkaltet sind. Der von Einheimischen und Touristen frequentierte Strand ist auch ein beliebter Tummelplatz für Grüne Meeresschildkröten. Die unter Schutz stehenden und lange Zeit vor dem Aussterben bedrohten Tiere kommen regelmäßig an Land, um sich von ihrer Suche nach Futter in küstennahen Gebieten zu erholen.


Nachdem wir bzw. eine von uns sich endlich von den Schildkröten losreißen konnte, setzten wir unsere Fahrt in Richtung Vulkane fort. Immer öfter wird die grüne Küstenlandschaft, die uns bislang umgab, von toten steinernen Trassen abgelöst. Der Übergang ist jedes Mal abrupt. Dies sind die Pfade, die die Lava bei früheren Eruptionen genommen hatte. 


Man kann vereinzelt tote Bäume sehen, die zwischen den schwarzen Steinen emporragen. Kurz vor dem Parkeingang hat uns die Straße auf über 1000 Höhenmeter emporgehoben und Hinweisschilder warnen uns vor der „fault area“: Hier muss mit Verwerfungen, Bruchstellen im Gestein gerechnet werden und man soll darauf vorbereitet sein, plötzlich große Löcher in der Straße zu entdecken.

Die Eintrittskarte zum Volcanoes National Park kostet 10 $ pro Auto und ist eine Woche gültig. Wir fahren zum Visitor Center und lassen uns von einem Ranger über die aktuellen Trails und befahrbaren Wege informieren. Es gibt zwei „Scenic Roads“, die man mit dem Auto befahren und an gekennzeichneten Haltestellen erkunden kann. Die eine, der „Crater Rim Drive“, ist zwar zur Hälfte auf Grund hoher Konzentration von Schwefeldioxidgas gesperrt, führt aber ganz nah an einen lodernden Krater des Kilauea heran. Wenn es dunkel ist, kann man das rote Leuchten aus dem Inneren des Krater sehen. Die andere Straße führt hinunter zur Küste und in die Nähe des aktuellen Lavastroms, der sich ins Meer ergießt. Mit etwas Glück und einem Fernglas kann man das flüssige Gestein in der Ferne fließen sehen. Es gibt tatsächlich die Möglichkeit direkt an die Lava zu kommen. Dafür muss man aber vom Ende der Straße etwa 10 Meilen über unbefestigte Gesteinslandschaft zum Strom hin und 10 Meilen wieder zurück hiken. Dazu hätten wir heute um 4:30 Uhr aufstehen müssen, um die ganze Wanderung bis zur Dunkelheit zu schaffen.

Bevor wir uns den Nationalpark näher anschauen, verlassen wir das Gelände noch einmal und machen einen kurzen Abstecher weiter in den Norden nach Hilo, die Hauptstadt der Insel. Einst ein Zentrum des Zuckerrohranbaus lebt sie heute vom Tourismus und der Orchideenzucht. Uns interessieren zwei schöne Wasserfälle, die man gut mit dem Auto erreichen kann.


Nachdem wir uns mit insgesamt 1 Liter Kaffee im örtlichen 7Eleven versorgt haben, geht es nun endlich näher zu den Vulkanen. Es ist zwar nicht beängstigend, aber durchaus Respekt einflößend, wenn man bedenkt, dass der Kilauea der aktivste Vulkan auf der Welt und der Mauna Loa gleich um die Ecke der weltweit größte Vulkan ist. Wir fahren zunächst auf der Crater Rim Road und staunen über das tote Land, das uns umgibt und aussieht, als ob hier erst vor ein paar Wochen Lavaströme alles versengt hätten. 


Die Schwefel- und Wasserdampfquellen erinnern uns an Rotorua in Neuseeland. Nur dass hier überall Schilder stehen, die einen vor hoher Konzentration des gefährlichen Schwefeldioxid warnen. Sollte die Luft „schlecht riechen“ oder man Probleme mit der Atmung haben, sei es am Besten, das Gebiet sofort zu verlassen. Unvergleichlich ist dagegen der Blick vom Kilauea Overlook auf den Halemaumau Krater und auf die Kilauea Caldera, ein riesiger durch den Einsturz eines großen Vulkankraters entstandener Kessel.


Als Nächstes geht es die 29km lange „Chain of Craters Road“ hinunter zur Küste und zu den aktuellen Lavaströmen. Die Straße muss alle paar Jahre ausgebessert werden, nachdem neue Lavaströme beschließen, über die Straße zu fließen. 


Unterwegs gibt es weitere Aussichtspunkte, um ältere Vulkankegel zu bestaunen. 


Wir halten an der Thurston Lava Tube und durchwandern die 550 Jahre alte tropfende Lava-Röhre. 


Es wird bereits dunkel, als wir die Küste und das Ende der Straße erreichen. In der herannahenden Dunkelheit kann man dann tatsächlich ein rotes Glühen am Horizont erkennen. Durch das Zoom-Objektiv der Kamera können wir sehen, wie sich viele Kilometer entfernt rot glühende Lava in den pazifischen Ozean ergießt. Ein wirklich besonderes Naturschauspiel.


Auf dem Rückweg zum Vulkankegel müssen wir wieder 1000 Höhenmeter überwinden und dabei wie in einem Flugzeug durch dichte Nebel- und Wolkenschichten steigen. Wieder oben am Kilauea Overlook sehen wir in der Dunkelheit zwar nicht mehr den Krater, aber dafür das rote Leuchten, das aus seinem Inneren kommt. Ein faszinierender Tag, der uns so nah an glühende Lava gebracht hat, wie noch nie zuvor in unserem Leben.

Die Rückfahrt zum Hotel führt uns wieder über die halbe Insel und zieht sich. Müde aber glücklich fallen wir schließlich gegen 23 Uhr in unser Bett. Mit unserem Abstecher nach Hilo und den vielen Fotostopps (die Schildkröte lässt grüßen) ist es dann ein 15 Stunden Tagesausflug geworden. Den nächsten Tag nutzen wir deshalb zur Erholung: Ausschlafen, sonnen und schwimmen ist angesagt. Big Island wird uns mit seinen beeindruckenden Vulkanen lange in Erinnerung bleiben. Morgen fliegen wir dann auf unsere vierte und letzte hawaiianische Insel: Maui. Auf Maui sind wir ein Tag länger als auf den anderen Inseln. Genug Zeit, sich von Hawaii zu verabschieden und letzte Vorbereitungen für Los Angeles und die Westküste der USA zu treffen.

Fazit Tage 138, 139 und 140:

Hawaii ist aktive Vulkanlandschaft.

Was haben wir heute gelernt? Big Island ist nicht nur die jüngste und größte, sondern auch die südlichste Insel der hawaiianischen Inselgruppe. Das bedeutet gleichzeitig, dass das Südkap der Insel, Ka Lae, der südlichste Punkt des US-amerikanischen Territoriums ist.


Samstag, 18. Mai 2013

Kauai - Tage 1, 2 und 3

„The Garden Isle“

Zurückgelegte Meilen: 211

Am Vormittag des 16.05. fliegen wir mit einer kleinen, aber fast komplett besetzten, Boeing 717 nach Lihue auf Kauai. Vorher finden wir noch Zeit mit unserer Familie zu skypen, die bei 12 Stunden Zeitunterschied schon den Abend des 16. Mai genießt. Außerdem müssen wir vor Abflug leider den Ford Mustang wieder abgeben, mit dem wir nur zu gern auch die restlichen Inseln, die restliche Zeit unserer Reise und eigentlich auch die restliche Zeit unseres Lebens verbracht hätten.

Wie so häufig in den USA bekommt man im Flughafen von Honolulu seine Bordkarte nur am Automaten. Reservierungsnummer eingeben, restliche Daten ausfüllen und schon wird die Bordkarte plus Gepäckmarkierung ausgedruckt. Die Rucksäcke können dann an einem Abgabepunkt eingecheckt werden. Flugzeuge der Hawaiian Airlines fliegen fast stündlich von Insel zu Insel. So wird Fliegen wirklich wie Busfahren. Wir starten schnell, erreichen kurz unsere Flughöhe und gehen dann gleich wieder in den Landeanflug über. Zeit für ein Getränk und etwas Werbung über die neue Insel bleibt aber.

Mit dem Shuttle geht es wieder zur Mietwagenstation von „Thrifty“. Diesmal gibt es wirklich nur das von uns gebuchte „midsize car“: ein Ford Fusion. Wir wollen nicht meckern, schließlich ist der gut motorisierte Wagen immer noch riesig für zwei Personen mit ein bisschen Gepäck.

Kauai ist die älteste der hawaiianischen Inseln und entsprechend ihrem Spitznamen auch die grünste.


Man findet auf ihr dichte Vegetation, Regenwald, Gebirgsformationen und die obligatorischen Strände mit den großen Wellen. 


Als viertgrößte hawaiianische Insel beherbergt sie 65.000 Einwohner. Auffallend: Die vielen wilden Hühner, die man an fast jeder Straßenecke sehen kann. Tausende von ihnen gackern über die Insel, weil sie kaum natürliche Feinde haben.


Bevor wir in unserem neuen Hotel einchecken kaufen wir im nächsten „Foodland“ Äpfel, Vollkornbagels und Frischkäse zum Frühstück. Kaffee und dazugehörige Maschine gab es bis jetzt immer im Hotelzimmer. Exkurs Kaffee: Alle Kaffeetrinker, die den Wachmacher gerne stark zu sich nehmen, haben es in den USA nicht leicht. In vielen Cafés, Supermärkten oder Tankstellen wird eine Flüssigkeit angeboten, die sich zwar Kaffee nennt und auch so aussieht, aber schmeckt, als ob sie zur Hälfte mit Wasser verdünnt wurde. Sicherlich gibt es Ausnahmen und Orte, an denen man starken Kaffee finden kann. Wir haben diese jedenfalls noch nicht entdeckt und denken mit etwas Wehmut an die Trinkkultur in Laos und Vietnam zurück. Was man den Amerikanern aber nicht vorwerfen kann: Den Kaffee gibt es bereits in der kleinsten Größe in riesigen Bechern und häufig für 1 $ mehr auch einen Refill. So kann man seinen Wasserhaushalt im grünen Bereich halten und schläft gleichzeitig nicht ein.


Unser neues Hotel heißt Aston Aloha. Es ist eine große Anlage, die direkt am Meer liegt. Negativ wird in uns in Erinnerung bleiben, dass man beim Einchecken eine extra „fee“ für den Parkplatz und das Internet in Höhe von 10 $ pro Nacht bezahlen muss. Ärgerlich ist, dass einem das vorher nicht kommuniziert wurde und man nicht die Möglichkeit hat, auf beides zu verzichten. Positiv ist dagegen die tolle Lage inmitten eines Palmenwalds und unser Zimmer mit Meerblick und Gartenzugang per Schiebetür.


Vielleicht lag es aber an dieser Schiebetür oder am schon älteren und zuweilen löchrigen Interieur, dass unsere erste Nacht auf Kauai als „die Nacht der Maus“ in die Reiseannalen eingehen wird. Es war schon spät als Walter aus den Augenwinkeln das erste Mal den huschenden Schatten vernahm. Schneller als eine Kakerlake, zu schnell um überhaupt etwas zu erkenne, lag der Verdacht schnell auf Nagetier. Unter Einsatz unserer beiden Reiselampen entdeckten wir die Maus dann unter dem Sofa. Was tun? Eine von uns wollte die Maus zwar aus dem Zimmer haben, aber das arme verängstigte Tierchen dabei am Leben belassen. Mit Eimer, Rampe und Muffin-Resten bauten wir letztendlich eine auf uns äußerst gelungen wirkende Falle und gingen schlafen. Die Maus freute sich vermutlich über die überraschende Speise, bediente sich an unserem Muffin, ohne daran zu denken im Eimer zu bleiben und weckte uns alle paar Stunden zum Dank, in dem sie raschelnd die Gardine hoch und runter kletterte.

Am nächsten Morgen, dem 17.05., melden wir natürlich „die Nacht der Maus“ an der Rezeption und widmen uns dem geplanten Tagesausflug über die Insel. 


Der Weg sollte uns in den Westen der Insel bis zum „Waimea Canyon“ führen. Durch einen Tunnel aus Bäumen fahren wir zunächst nach Koloa. 


Ein für amerikanische Verhältnisse historisches Städtchen, das aus zahlreichen Gebäuden aus der Plantagenzeit besteht. Nicht weit von hier liegt am Strand das „Spouting Horn“, ein durch die Wellen des Meers verursachter Geysir. Das Gestein ist erkaltete Lava, die nun vom Wasser ausgehöhlt wird.


Weiter Richtung Westen fahren wir am Fort Elizabeth vorbei, das 1817 von einem russischen Zarenvertreter gebaut wurde. Wir erreichen Waimea. Die Stadt steht an der Stelle, an der James Cook das erste Mal in Hawaii ankerte. Von hier kann man auf die Canyon Road abbiegen, die einen ins Landesinnere und Meter für Meter nach oben bringt. Das Ziel ist der Waimea Canyon Lookout. Er bietet einen Ausblick auf etwas, das man auf einer pazifischen Insel wohl überhaupt nicht erwartet hätte. 


Der Waimea Canyon ist eine grüne Gebirgsschlucht, die 914 Meter tief ist und bezeichnenderweise auch „Grand Canyon of the Pacific“ genannt wird. 


Vor uns liegt die Arbeit von Millionen von Jahren.


Wir folgen der Canyon Road weiter und kommen zu einem weiteren fabelhaften Logout. 


Diesmal geht der Blick auf Berge und das Meer: die Na Pali Steilküste. 


Blicken wir zu den Stränden, sehen wir mit 50cm Regen pro Jahr einen besonders trockenen Flecken der Erde. Drehen wir uns um und blicken ins Landesinnere zum Mount Waialeale, dann sehen wir mit 10 Meter Regen pro Jahr eine der regenreichsten Gegenden der Welt. Es sind diese Naturextreme, die Hawaii so interessant machen.

Auf der Rückfahrt halten wir noch an ein paar Stränden. 


Wir sehen eine Hochzeit am Meer mit Ukulele-Spieler, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, und Surfer, die bis zum Sonnenuntergang auf die perfekte Welle warten. 


Zurück im Hotel erfahren wir, dass wir umziehen dürfen. Was aus unserer Maus geworden ist, kann uns keiner sagen. Wir müssen uns aber bei dem kleinen Nager bedanken, dank dem wir für die nächsten beiden Nächte im „Cottage“ übernachten dürfen: ein Bungalow mit großem Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer, zwei Fernsehern und Küche.

Auch am letzten Tag hält es uns nicht im Hotel oder am Strand. Wir wollen den Norden von Kauai erkunden. In der Nähe von Wailua besuchen wir zwei Wasserfälle: die Opeakaa Falls und die Wailua Falls. Letzterer zeigt sich deutlich fotogener, weil man näher rankommt. 


Dafür gibt es an den Opeakaa Falls eine schöne Aussichtsplattform mit Blick auf das grüne Tal des Wailua Rivers.


Noch vor Hanalei, unserem Tagesziel, finden wir den Lookout für die „Taro Fields“. Taro ist eine immergrüne krautige Nutzpflanze, die u.a. auch Wasserbrotwurzel genannt wird. Die stärkehaltigen Knollen werden von den Polynesiern als Nahrungsquelle genutzt.


Wir verbringen etwas Zeit an einem Strand in der Nähe, der über einen steilen Pfad zu erreichen ist, den man mithilfe der gespannten Seile hinabklettern kann.


Hanalei im Norden der Insel ist unser Endpunkt für heute. Vor kleinen Ferienhäusern erstreckt sich ein langer schöner Sandstrand, der ein beliebter Ausflugspunkt zum Sonnenuntergang ist. Es ist Wochenende und die strandnahe öffentliche Parkanlage ist von den Einheimischen zur Barbecue-Meile umgestaltet worden.


In der Abenddämmerung geht es für uns zurück ins Hotel. Morgen fliegen wir über Maui, wo wir in einen anderen Flieger umsteigen müssen, auf die größte und namensgebende Insel: Hawaii. Hauptattraktion: der Hawaii Volcanoes National Park.


Fazit Tage 135, 136 und 137:

Kauai ist ein Garten mit Bergen und Stränden.

Was haben wir heute gelernt? Alle hawaiianischen Insel sind vulkanischen Ursprungs. Hawaiis Schildvulkane sind die größten Vulkane der Erde. Der Mauna Kea zum Beispiel liegt laut Wikipedia 4205 Meter über dem Meeresspiegel und reicht bis 5400 Meter in das Meer hinein. Er wäre damit der größte Berg der Erde. Die Inseln sind wie auf einer Perlenkette aufgereiht und diese Perlenkette ist in Millionen von Jahren gedacht immer in Bewegung. Während an der einen Seite immer neue Perlen aus dem Wasser steigen, versinken auf der anderen Seite die alten Perlen wieder im Meer. Aus diesem Grund ist die größte Insel Hawaii auch die jüngste, während Kauai die älteste, aber kleinste der vier Hauptinseln ist.